Ich habe die Angewohnheit, dass mich, wenn sich der immer gleiche Alltag wiederholt, ein Impuls überkommt, ihn zu durchbrechen. Genau dafür ist eine Sauna-Reise ideal. In unbekanntes Terrain vordringen und Erfahrungen machen, die man nur dort machen kann. Schon eine einzige Sauna-Reise reicht aus, um das Leben neu zu starten. Auch an diesem Tag hatte ich mich in dem Moment, als ich aufwachte, zum "Neustart" entschlossen. Ich erledigte morgens als Erstes die Arbeit und startete den Motor meines Autos. Ziel: Osaka.
Während ich die Autobahn entlangraste, wuchs die Vorfreude auf das Ziel immer mehr. Das erste Ziel ist SPA&SAUNA Mizu Haru Hattori Ryokuchi. Mizu Haru ist eine der führenden Bade-Marken der Kansai-Region, doch dieser Ort soll eine Premium-Einrichtung sein, die mit der üppigen Natur von Hattori Ryokuchi verschmilzt. Allein die Vorstellung, welche Sauna und welches kalte Tauchbecken mich erwarten, lässt mich grinsen.
Ich parke das Auto und gehe in den zweiten Stock des Gebäudes hinauf. Kaum durchschreite ich das Tor neben den Schuhschränken, habe ich das Gefühl, versehentlich in die Lounge eines Luxushotels geraten zu sein. Ein raffinierter, schöner Raum und ein Gefühl von Weite. Man spürt förmlich, wie ernst es Mizu Haru damit meint.
Ich unterdrücke meine Ungeduld, ziehe mich blitzschnell im Spind des großen Baderaums um und gehe hinein. Im Baderaum reihen sich die für Mizu Haru typischen, vielfältigen Becken. Meiner eigenen Regel folgend, checke ich zuerst den gesamten Ablauf. Es gibt drei Saunen und ebenfalls drei kalte Tauchbecken. Vor jedem Saunaraum ist stets ein kaltes Tauchbecken platziert, der Ablauf ist perfekt. Auch die Temperaturbereiche der kalten Tauchbecken sind mit 7°C, 12°C und 15°C äußerst ideal, sowohl Größe als auch Tiefe lassen nichts zu wünschen übrig. Blickt man in den Freiluftbereich, reihen sich fast 30 Ruhesessel aneinander. Zudem gibt es ein Steinbad mit einer in Kansai seltenen natürlichen Radon-Quelle, vor dem sich das üppige Grün von Hattori Ryokuchi ausbreitet. Was für eine Einrichtung haben sie da gebaut! Nach Abschluss der Ablaufprüfung reinige ich mich sogleich und beginne mit der ersten Runde.
Zunächst geht es in die Hauptsauna "Heiße-Dampf-Schwitzsauna". Kaum öffne ich die Tür und trete ein, spüre ich auf der Haut die für eine gute Sauna unabdingbare hohe Luftfeuchtigkeit. Das Thermometer zeigt 90°C, ein großer Raum, der etwa 40 Personen fassen könnte. Vorne an beiden Enden thronen riesige Steinöfen. Sowohl die Breite der Bankflächen als auch die Qualität der Matten lassen nichts zu wünschen übrig. Zudem ist bei der obersten Bank der Winkel der Rückenlehne so eingestellt, dass man bequem daran lehnen kann, und es gibt sogar ein Holzkissen, auf das man den Kopf legen kann. Vorne steht ein riesiger Fernseher, wie in einem Kinosaal. Ganz meine persönliche Vorliebe, aber es wäre großartig, wenn statt terrestrischen Programmen die Serie "Sa-Do" laufen würde.
Ich erhitze meinen Körper bis an die Grenze und wage mich sodann in das kalte Tauchbecken. Ich tauche in das größte, 15°C kalte Becken. Es ist geräumig genug für locker zehn Personen, auch die Tiefe ist ausreichend. Der von der Sauna erhitzte Körper wird schlagartig abgekühlt. Während ich das Gefühl genieße, wie sich die Blutgefäße zusammenziehen, wechsle ich in den Freiluft-Ruhebereich. Mit 30 Sesseln besteht keine Gefahr, orientierungslos nach einem Platz zu suchen. Diese Größenordnung ist wirklich beeindruckend. Vor dem perfekten Dreieck aus Sauna, kaltem Tauchbecken und Frischluftbad ziehe ich meinen Hut.
Für die zweite Runde begebe ich mich zur "Meditationssauna" im Freiluftbereich. Beim Eintreten breitet sich ein für Meditation geradezu ideal gedämpftes Licht aus, und der Holzduft ist überaus angenehm. Zum Glück habe ich den Raum ganz für mich allein. Ich schließe die Augen in der Stille und erwärme meinen Körper sorgfältig.
Dabei bemerke ich plötzlich eine Veränderung in meinen jüngsten Vorlieben. Früher hätte ich in einer Sauna mit dieser Möglichkeit zum eigenständigen löyly unbedingt löyly gemacht, ja ich hätte sogar geglaubt, es tun zu müssen. In letzter Zeit jedoch verzichte ich zunehmend bewusst darauf, um diese stille Atmosphäre in Ruhe zu genießen. Wenn man Sauna-Reisen lange fortsetzt, bemerkt man solche Veränderungen an sich selbst. Auch das ist interessant.
Als ich am Limit angelangt bin und den Saunaraum verlasse, stehen direkt davor zwei topfförmige Einzel-Kaltwasserbecken. Die Temperatur beträgt 12°C. Das Wasser fließt ständig und läuft über, sodass die Wasserqualität ausgezeichnet ist. In dem Moment, als ich eintauche, durchfährt mich das erfrischende Gefühl, wie das 12°C kalte Wasser direkt bis zum Scheitel schießt. Und da sich gleich neben dem Ausgang des kalten Tauchbeckens Sessel befinden, kann ich sofort ins Frischluftbad übergehen. Perfekt.
Während ich, den Wind von Hattori Ryokuchi genießend, das Frischluftbad nehme, bemerke ich, dass der "Neustart" bereits vollzogen ist. An einem anderen Ort als gewöhnlich die Sauna, die man liebt, zu genießen. Allein das lässt einen die Stimmung einer Reise spüren und Körperreaktionen und Veränderungen der Gemütslage bemerken, die man im Alltag nicht wahrnimmt. Genau das ist der eigentliche Reiz einer Sauna-Reise.
Für die dritte Runde kehre ich erneut in die Hauptsauna zurück, und in der vierten Runde setze ich Körper und Geist in der Meditationssauna erneut zurück. Vier Runden allein am Vormittag. Nachdem ich das erstklassige Sauna-Erlebnis in vollen Zügen ausgekostet hatte, verließ ich den großen Baderaum.



Nachdem ich den großen Baderaum verlassen habe, schlendere ich durch das Gebäude. SPA&SAUNA Mizu Haru Hattori Ryokuchi bietet auch eine Lounge vom Feinsten. Zahlreiche Bücher sind wunderschön ausgestellt, und man kann sich in flauschigen Sofas entspannen und dabei lesen. Nach der Sauna den Kopf frei zu haben und Buchstaben zu folgen, dürfte für Leseratten der größte Luxus sein.
Ich gehe zum Restaurant und esse zum Mittagessen Curry. Curry nach der Sauna ist besonders köstlich, als würden die Gewürze in jede einzelne Zelle des Körpers eindringen. Herz, Körper und sogar der Magen sind vollkommen zufrieden.
Nun, wird es Zeit, zum nächsten Ziel aufzubrechen.
Jetzt befinde ich mich noch im SPA&SAUNA Mizu Haru Hattori Ryokuchi in der Stadt Toyonaka, doch heute Abend plane ich, zu einem weiteren Mizu Haru im Tsurumi Ryokuchi zu fahren. Von Mizu Haru zu Mizu Haru, quasi eine Sauna-Tour innerhalb derselben Marke. Ein und dieselbe Marke, doch unterschiedliche Orte und unterschiedliche Ausstattungen nacheinander zu erleben – so eine Art der Erkundung ist auch nicht schlecht.
Die Reise hat gerade erst begonnen. Auf der Suche nach dem nächsten erstklassigen Erlebnis steige ich wieder ins Auto.





