Am Freitag (gestern) habe ich mich nach einem heftigen inneren Kampf dazu entschieden, doch nicht auf Reisen zu gehen. Normalerweise starte ich meine Sauna-Reisen freitagabends – ich stelle mir vor, nach der Arbeit einfach loszufahren. Diese Woche jedoch rissen die Kundenanfragen bis in den Abend nicht ab, und auch meine eigenen Aufgaben waren noch nicht erledigt. Um freitags aufzubrechen und die Zeit wirklich sinnvoll zu nutzen, hätte ich spätestens um 17 Uhr mit der Arbeit fertig sein müssen. Tatsächlich war ich erst um 18:30 Uhr fertig.
So ging ich am Freitagabend in meine Stammsauna vor Ort und begrüßte den Samstagmorgen dort. Als ich beim Frühstück einen Spaziergang gemacht hatte und einen Serienmarathon startete, spürte ich, wie ich drohte, die Zeit einfach so zu verplempern. Nichts zu tun ist so verlockend leicht. Man trifft keine Entscheidungen. So vergeudet man 48 Stunden des Wochenendes. Das ist auch eine Art, die Zeit zu verbringen. Ich selbst habe manche Wochenenden wie ein Zombie hinter mich gebracht. Doch wenn ich meine Zeit so verbringe, erholt sich meine Seele nicht. Der Unterschied im Energielevel, den ich nach einer Reise mitbringe, ist enorm – verglichen mit Wochenenden ohne Reise.
Ich zwang mich, einen inneren Schalter umzulegen, stieg ohne groß nachzudenken ins Auto und fuhr los. Das Ziel stand bereits fest, also nahm ich die Autobahn in Richtung Kyoto. Diesmal: eine Sauna-Reise durch Kyoto.
Mein erster Halt war Sagano Onsen Tenzan no Yu. Die Einrichtung nutzt eine eigene Quelle, die aus 1.200 Metern Tiefe sprudelt, im Kake-nagashi-Stil – also ungefiltert und unvermischt. Auch Sauna und Kaltbad sind bestens ausgestattet. Kake-nagashi – dieses Wort übt auf mich eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Es ist ein ehrwürdiger Genuss, die Gaben der Natur so unmittelbar zu spüren. Viele Einrichtungen bieten zirkuliertes und gefiltertes Wasser an; Betriebe im echten Kake-nagashi-Stil sind hingegen eine Seltenheit. Genau aus diesem Grund wählte ich diese Einrichtung als Ausgangspunkt meiner Kyoto-Sauna-Reise.
Als ich den großen Badebereich betrat, strömte mir ein angenehmer Hinoki-Zedernduft entgegen. Gleich rechts neben dem Eingang war ein großer Saunaraum zu sehen. Hinter einer Doppeltür öffnete sich ein großzügiger Raum. Ich war sofort überzeugt: Das muss eine wirklich gute Sauna sein. Zunächst aber wollte ich mich im Naturbad aufwärmen. Ich wechselte in den Außenbereich und ließ mich ins goldgelb schimmernde Thermalwasser gleiten. Nach und nach wich alle Anspannung aus meinem Körper, und ein tiefes Wohlgefühl hüllte mich ein. Das frisch sprudelnde Quellwasser strömte unaufhörlich in das Becken. Die Gaben aus 1.200 Metern Tiefe – ich konnte sie ganz direkt genießen.
Dann also: ab in die Sauna. Im Inneren thronen zwei iki-Öfen von METOS in einem Raum, in dem locker 50 Personen Platz finden. Schon ein einzelner dieser Öfen wäre ein Luxus – gleich zwei davon zu haben, verschlug mir fast die Sprache. Ein herrlicher Holzduft lag in der Luft. Größe, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Duft – alles entsprach genau meinem Geschmack. Während ich mich gemächlich aufwärmte, war es Zeit für den aufguss um 13 Uhr, und zwei Mitarbeiter betraten den Raum. Nach einer kurzen Vorstellung gaben sie Aromawasser auf beide iki-Öfen. An diesem Tag war es Grapefruit-Aroma, und der frische Zitrusduft verbreitete sich schlagartig im gesamten Saunaraum. Danach fächelten sie jedem Einzelnen mit einem großen Fächer frische Luft zu. Irgendwann hatte ich meine Grenze erreicht, verabschiedete mich beim Personal und verließ den Saunaraum.
Das Kaltbad befindet sich direkt vor dem Ausgang der Sauna – die Wegführung ist perfekt. Die Temperatur liegt bei idealen 16 °C, und das Becken ist angenehm tief. Ich glitt langsam bis zu den Schultern hinein und ließ die durch den aufguss erhitzte Haut in Ruhe abkühlen. Nach dem Kaltbad setzte ich mich auf einen der Liegestühle im Freien für das Außenlufterlebnis. Noch kurz zuvor war ich zuhause dabei, mich in eine Art Null-Energie-Zustand zu verabschieden – aber zum Glück hatte ich mich aufgerafft und das Haus verlassen. Dafür wurde ich mit dieser wunderbaren Einrichtung belohnt.
Ich wiederholte Sauna → Kaltbad → Außenluft für die zweite und dritte Runde und spürte, wie sich ein tiefes Entspannungsgefühl (totonou) entfaltete. Außerdem meldete sich der Hunger – ein gutes Zeichen, um für heute abzuschließen und essen zu gehen.

Das Restaurant im Sagano Onsen Tenzan no Yu ist überraschend geräumig, und für Alleinreisende gibt es extra Theken-Sitzplätze. Ich schaute in die Speisekarte und bestellte gedünsteten Tai-Karpfen. Während ich das Essen genoss, fiel mir etwas auf: Ich hatte noch kein Hotel für die Nacht gebucht. Im Eifer des Gefechts einfach losgefahren – und darüber völlig vergessen.
Als ich auf einer Hotel-Buchungsplattform suchte, sprang mir ein vertrauter Begriff ins Auge: das landesweit bekannte Manyo no Yu. Es hieß, wer im Hotel Kyoto Eminas übernachtet, hat rund um die Uhr freien Zugang zum Onsen. Vermutlich wegen der kurzfristigen Buchung war der Preis sehr günstig – ich buchte sofort. Damit waren Unterkunft und Sauna-Aktivitäten für den Abend gesichert. Das nächste Ziel: Hotel Kyoto Eminas.





