Wenn man auf Sauna-Reisen geht, kommt man an Orte, die man im normalen Leben wohl nie besucht hätte. Tsuyama in der Präfektur Okayama ist einer davon. Ich war noch nie dort gewesen und kenne dort auch keine einzige Person. Ich bin einfach hingefahren, weil es dort eine Sauna gibt, die ich unbedingt ausprobieren wollte. Ein Ort, den man zum ersten Mal betritt, hat immer etwas Aufregendes. Welche Landschaften einen erwarten, welche Menschen dort leben – all das ist völlig unbekannt.
Tsuyama liegt im Norden der Präfektur Okayama. Ich fuhr von Okayama-Stadt in Richtung Tottori. Das Wetter war regnerisch. Das ist vielleicht eine nebensächliche Bemerkung, aber seit ich mit Sauna-Reisen angefangen habe, regnet es auffällig oft. Es regnet so häufig, dass man meinen könnte, jedes Wochenende sei ein Regenwochenende – zumindest in diesem Jahr. Dementsprechend sind fast alle Außenaufnahmen der Einrichtungen, die ich hier vorstelle, bei bedecktem Himmel entstanden. Mit diesen Gedanken im Kopf fuhr ich weiter und kam schließlich in Tsuyama an.
Um 15 Uhr checkte ich im Hotel Route Inn vor dem Tsuyama-Bahnhof ein. Das Hotel Route Inn ist meine Stammunterkunft. Ich fühle mich dort sehr wohl und schlafe dort immer gut. Für eine gelungene Reise ist ausreichend Schlaf entscheidend – und ob man in einem Hotel gut schläft oder nicht, hängt sehr davon ab, ob es einem liegt. Manchmal wacht man viel zu früh auf. Wenn man gut schläft, kann man am nächsten Morgen von Anfang an voller Energie loslegen. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, eine Unterkunft zu finden, die zu einem passt.
Da ich noch Zeit bis zum Abend hatte, beschloss ich, in meinem Hotelzimmer an meinem Blog weiterzuschreiben. Auf Reisen nehme ich immer meinen Laptop mit und nutze die freien Zeiten, um Artikel zu verfassen oder Informationen für meine Website einzupflegen. Irgendwie schreibe ich auf Reisen flüssiger als zu Hause – vielleicht weil man unterwegs mit allen Sinnen wacher ist. Als ich konzentriert arbeitete, war es plötzlich 18 Uhr. Höchste Zeit, zur Abendsauna aufzubrechen.
Das heutige Sauna-Ziel war Gokuraku no Sato Ebisu no Yu Kawabe. Die Einrichtung liegt etwa zehn Minuten mit dem Auto vom Bahnhof Tsuyama entfernt. Sie befindet sich auf dem gleichen Gelände wie ein Spielautomatenlokal und verfügt über einen großen Parkplatz. Ich stellte das Auto ab und ging hinein. Es war sehr voll – und fast alle Gäste waren Einheimische. Einrichtungen, die von der lokalen Bevölkerung geliebt werden, haben eine ganz besondere Atmosphäre. Im Laden innerhalb des Gebäudes wurden auch Originalwaren verkauft, und der Eindruck war, dass viele Sauna-Fans darunter waren. Die Speisekarte der Kantine war ebenfalls sehr umfangreich – unter anderem mit Chicken-Katsu-Curry und Gerichten mit Sozuri-Fleisch, einer Tsuyama-Spezialität. Nach der Sauna wollte ich unbedingt hier essen.
Ich zog mich in der Umkleidekabine blitzschnell aus und begab mich ins Großbad. Am Vormittag war ich in einer privaten Sauna gewesen, bei der man Badekleidung tragen musste – aber ehrlich gesagt liegt mir der klassische nackte Sento-Stil einfach mehr. Das Innere des Großbades war schlicht gehalten, mit mehreren verschiedenen Becken. Der Außenbereich war großzügig gestaltet, und ich konnte es mir im Felsenbad in aller Ruhe gutgehen lassen. Es handelt sich zwar nicht um eine Onsen-Quelle, also normales Wasser, aber der Außenbereich bietet ausreichend Ruheplätze – für die Erholung nach der Sauna ist also bestens gesorgt.
Nachdem ich das Bad ausgiebig erkundet hatte, wärmte ich mich im Außenpool auf und ging dann in die Sauna. Der Saunaraum bot etwa 20 Personen bequem Platz, und das Heizgerät war ein Infrarot-Strahler. Die Sitzflächen waren sehr breit, sodass man die Beine ausstrecken oder bequem im Schneidersitz sitzen konnte. Während finnische Saunen in letzter Zeit immer häufiger werden, hat diese Art von japanischer Infrarot-Sauna etwas wohltuend Vertrautes. Vielleicht liegt es auch an der heimelig-familiären Atmosphäre, weil fast alle Gäste Einheimische sind. Man fühlt sich einfach wohl.
Nach dem Schwitzen in der Sauna ging ich ins Kaltwasserbecken. Es befand sich direkt neben dem Saunaraum – eine perfekte Wegeführung. Die Wassertemperatur lag bei etwa 16 °C, das Becken war tief und geräumig. Ich konnte meinen Körper in aller Ruhe abkühlen.
Da ich am Vormittag bereits vier Sauna-Runden absolviert hatte, beließ ich es am Abend bei zwei Runden.


Nach der Sauna folgte das, worauf ich mich schon gefreut hatte: das Essen. Aus der umfangreichen Speisekarte wählte ich den Hokkaido-Obihiro-Stil-Butadon (Schweinefleisch-Reisschüssel) und das gebratene Sozuri-Fleisch. Sozuri-Fleisch ist Rindfleisch, das vom Knochen abgeschabt wird. In Tsuyama in der Präfektur Okayama bedeutet das Dialektwort sozuru „abschaben





