Miya-zukuri-Fassade, Karahafu, der Fuji-Gemälde an der Wand, Bando, Tsuboniwa, Kerorin-Eimer: Erklärt die Architektur- und Designmerkmale retroer Badehäuser aus der Showa-Zeit sowie ihre Herkunft und Bedeutung.
Veröffentlicht: 09.01.2026
Miya-zukuri-Fassade, Karahafu, der Fuji-Gemälde an der Wand, Bando, Tsuboniwa, Kerorin-Eimer: Erklärt die Architektur- und Designmerkmale retroer Badehäuser aus der Showa-Zeit sowie ihre Herkunft und Bedeutung.
Veröffentlicht: 09.01.2026
Ein Retro-Sento ist ein Badehaus, das Architektur und Gestaltung der öffentlichen Bäder bis zur Showa-Zeit besonders deutlich bewahrt. Wertvoll ist nicht nur das alte Gebäude selbst, sondern dass Elemente wie die tempelartige Miya-zukuri-Fassade, das Karahafu über dem Eingang, der Fuji-Gemälde an der Wand im Badebereich, das Bando im Umkleidebereich, ein Tsuboniwa oder Fliesenbilder in ihrer damaligen Form erhalten geblieben sind.
Diese Gestaltungsmerkmale sind nicht aus einer bloßen Idee entstanden. Viele von ihnen wurden durch das städtische Leben und die Werbekultur von der Taisho- bis zur Showa-Zeit sowie durch den Wiederaufbau nach Katastrophen geprägt. Ein Retro-Sento zu lesen bedeutet also, die Lebenswelt und den Baustil der Showa-Zeit nachzuverfolgen.
In diesem Artikel werden die typischen architektonischen und gestalterischen Elemente eines Retro-Sento nach ihrer Herkunft und Bedeutung geordnet. Wie sich Onsen und Sento rechtlich unterscheiden, behandeln wir unter Der Unterschied zwischen Onsen und Sento, und wie man die verschiedenen Arten von Badeeinrichtungen auswählt, erklären wir unter Arten japanischer Badeeinrichtungen. Daher konzentriert sich dieser Beitrag auf Architektur und Showa-Kultur.
Zunächst hier eine Übersicht über typische Merkmale von Retro-Sento sowie ihre Herkunft und Bedeutung. Es gibt starke regionale Unterschiede. Besonders Miya-zukuri und die Fuji-Gemälde an der Wand sind Merkmale, die stark in der Sento-Kultur des Großraums Kanto, vor allem in Tokio, verwurzelt sind.
| Element | Überblick | Herkunft / Bedeutung |
|---|---|---|
| Miya-zukuri | Eine Fassade mit großem, tempelähnlichem Dach und würdiger Erscheinung | Ein Stil, der sich nach dem Großen Kanto-Erdbeben 1923 in der Region Tokio verbreitete |
| Karahafu | Ein geschwungenes Dachornament über dem Eingang | In der Edo-Zeit galt es als besonders vornehm. Es soll auch den Eingang zum buddhistischen Paradies symbolisieren |
| Fuji-Gemälde an der Wand | Ein großes Wandbild im Badebereich | Als Ursprung gilt 1912, das erste Jahr der Taisho-Zeit, im Kikai-yu in Kanda-Sarugakucho, Tokio |
| Bando | Ein erhöhter Platz am Eingang des Umkleidebereichs | Diente dazu, beide Umkleidebereiche zu überblicken und zugleich Gebühren einzuziehen und zu beaufsichtigen |
| Tsuboniwa | Ein kleiner Garten neben Umkleide- oder Badebereich | Manchmal mit einem Teich und Karpfen gestaltet, um Natur in einen engen Raum zu holen |
| Fliesenbild | Ein Bild aus Keramikplatten, das die Badehalle schmückt | Wurde auch in Töpferzentren wie Kutani hergestellt und gehört zu einer anderen Ornamenttradition als das Fuji-Bild |
| Kerorin-Eimer | Ein gelber Plastikeimer für heißes Wasser | Ein Symbol der Showa-Zeit, 1963 als Werbeträger für das Schmerzmittel Kerorin eingeführt |
Im Folgenden sehen wir uns die historisch besonders bedeutsamen Elemente genauer an.
Wenn man an Tokios Sento denkt, stellen sich viele große Dächer und eine würdige, tempelähnliche Form vor. Dieser als Miya-zukuri bezeichnete Stil ist jedoch gar nicht so alt.
Vor dem Großen Kanto-Erdbeben 1923 waren auch die Badehäuser in Tokio meist schlichte Gebäude im Machiya-Stil, wie in anderen Regionen. Nachdem viele von ihnen bei dem Erdbeben zerstört worden waren, brachten Schreiner der Tempel- und Schreinarchitektur beim Wiederaufbau ihr Können ein. So entstanden stattliche Badehäuser mit Karahafu am Eingang und einer offenen Kassettendecke im Umkleidebereich. Diese Bäder wurden sehr beliebt und prägten das Bild, dass ein Sento in Tokio eben ein Miya-zukuri-Bad sei. Dass Miya-zukuri vor allem im Kanto-Raum verbreitet ist, erklärt sich aus dieser Entwicklung; in vielen anderen Regionen dominieren andere Bauformen.
Das Karahafu am Eingang ist ein geschwungenes Dachornament, das in der Edo-Zeit als vornehmste Zierform galt. Dass diese an Tempeln und Burgen verwendete Form auf ein öffentliches Bad übertragen wurde, zeigt, wie sehr man dem Sento damals einen besonderen Charakter geben wollte. Man sagt auch, das Karahafu stehe symbolisch für einen Eingang ins buddhistische Paradies. Wer Badegasthöfe und Bäder aus größerer architektonischer Perspektive betrachten möchte, findet in Japanische Onsen-Architektur: Räume des Badeerlebnisses weitere Informationen.
Das große Fuji-Gemälde im hinteren Teil der Badehalle ist eines der markantesten Merkmale eines Retro-Sento. Sein Ursprung wird auf 1912, das erste Jahr der Taisho-Zeit, im Kikai-yu in Kanda-Sarugakucho, Tokio, zurückgeführt. Bei einer Renovierung des Badebereichs wollte man den Kindern eine Freude machen und entschied sich für ein Wandbild. Der beauftragte Maler Hiroshiro Kawagoe aus der Präfektur Shizuoka soll dabei den Fuji gezeichnet haben, seine Heimatlandschaft. Das Kikai-yu, der Ort des Ursprungs, schloss 1971, doch eine Tafel erinnert dort bis heute an die Herkunft.
Dass sich das Fuji-Motiv so weit verbreitete, hat überraschenderweise auch mit Werbung zu tun. Händler, die das erfolgreich gewordene Wandbild sahen, entwickelten ein System, bei dem Werbetafeln unter dem Bild angebracht wurden und das Wandbild aus den von den Werbekunden eingesammelten Gebühren finanziert wurde. Durch diese Verbindung mit dem Werbegeschäft verbreiteten sich Fuji-Gemälde an der Wand rasch in Badehäusern im ganzen Land. Allerdings handelt es sich dabei vor allem um eine Kultur des Kanto-Raums; in Regionen wie Osaka sind Badehäuser ohne Fuji-Bild an der Wand eher die Regel.
Heute gibt es nur noch sehr wenige Künstler, die solche Wandbilder professionell malen können, weshalb schon die Existenz eines erhaltenen Bildes als wertvoll gilt. Auch wenn beide den Badebereich schmücken, gehören Fliesenbilder aus Keramik, etwa aus Kutani, zu einer anderen Kulturtradition als Fuji-Gemälde, und je nach Herkunftsregion und Epoche zeigen sie eigene Muster und Farben.
Das Bando ist ein erhöhter Platz am Eingang des Umkleidebereichs. Von dort aus konnte man beide Umkleidebereiche überblicken, Geld entgegennehmen und zugleich den Betrieb beaufsichtigen. Dass die Umkleide häufig eine offene Kassettendecke hat, ist ebenfalls ein Merkmal von Miya-zukuri-Sento und vermittelt gleichzeitig Offenheit und Würde.
Auch das Tsuboniwa, ein kleiner Garten neben Bade- oder Umkleidebereich, gehört zu den typischen Details eines Retro-Sento. Manchmal gibt es dort sogar einen kleinen Teich mit Karpfen, was zeigt, wie man versuchte, trotz begrenzter Fläche Natur einzubinden. Hohe Trennwände zwischen den Bädern für Männer und Frauen sowie dekorative Elemente auf diesen Wandabschnitten sind weitere Hinweise auf die damalige Bauweise.
In jüngerer Zeit gibt es immer mehr Sento, die statt eines Bandos einen Empfangsbereich im Front-Stil haben, wenn die Gäste ihre Schuhe am Eingang abgeben. Ob ein Bando noch vorhanden ist, ist daher ein Hinweis darauf, wie viel von der alten Struktur eines Bads erhalten geblieben ist.
Nicht nur die Architektur, auch kleine Gegenstände wie Badeeimer tragen Showa-Kultur in sich. Der gelbe Kerorin-Eimer entstand 1963 als Werbeträger für das Schmerzmittel Kerorin. Ursprünglich war er weiß, doch da Schmutzspuren durch Kalk und Ablagerungen zu stark auffielen, wurde er später gelb gemacht. Der erste Einsatz soll in einer Badeeinrichtung in Tokio erfolgt sein, und von dort aus verbreitete er sich in ganz Japan.
Dass ein eigentlich verschleißanfälliger Eimer über mehr als ein halbes Jahrhundert in derselben Gestaltung verwendet wurde, zeigt, wie selbstverständlich sich die Werbekultur der Showa-Zeit in den Alltag eingewoben hat. In Retro-Sento vermittelt jedes kleine Objekt etwas vom Lebensgefühl jener Zeit.
Bei Retro-Sento lässt sich der Rückgang der Sento selbst nicht übersehen. Nach Angaben des landesweiten Verbands der öffentlichen Badebetriebe waren es 1968, auf dem Höhepunkt, etwa 18.000 Badehäuser. Mit der Verbreitung von Badezimmern in Privathaushalten während des Wirtschaftswunders gingen sie stetig zurück, und in den letzten Jahren liegt ihre Zahl unter 2.000. Wenn ein einziges Miya-zukuri-Sento verschwindet, geht damit auch ein Ort verloren, an dem Architektur, Gestaltung und regionale Kultur gemeinsam erhalten geblieben sind.
Gleichzeitig verbreitet sich in den letzten Jahren auch die Bewegung der sogenannten Design-Sento, also modern renovierter alter Badehäuser. Architekten und Künstler beteiligen sich daran und schaffen Räume, die die traditionelle Form und die Kultur der Wandbilder bewahren, zugleich aber auch junge Generationen und Sauna-Fans ansprechen. Ein bekanntes Beispiel ist das Kogane-yu in Kinshicho, Tokio, wo Architekten und Künstler gemeinsam ein traditionsreiches Sento umgebaut und damit nicht nur Stammgäste, sondern auch neue Zielgruppen gewonnen haben. Retro-Sento sind also nicht nur Orte, die Vergangenes bewahren, sondern auch Orte, an denen aus Showa-Gestaltung neue Werte entstehen.
Wer solche Badehäuser selbst besuchen möchte, kann sie über die Liste der Einrichtungen nach Region suchen. Wie sich die japanische Badekultur historisch entwickelt hat, erklären wir außerdem in Geschichte der japanischen Badekultur.
Die Verbreitung im Raum Tokio wird auf die Wiederaufbauzeit nach dem Großen Kanto-Erdbeben 1923 zurückgeführt. Vor dem Erdbeben dominierten schlichte Badehäuser im Machiya-Stil, doch beim Wiederaufbau setzten Schreiner der Tempel- und Schreinarchitektur ihre Fähigkeiten ein, und der großzügige Stil mit Karahafu und offener Kassettendecke wurde populär.
Der Ursprung wird auf 1912 und das Kikai-yu in Kanda-Sarugakucho, Tokio, zurückgeführt. Als man das erfolgreiche Wandbild mit Werbung kombinierte und es durch Werbegelder kostenlos malen ließ, verbreitete sich diese Form in vielen Regionen. Allerdings ist das Fuji-Motiv vor allem eine Kultur des Kanto-Raums und in Städten wie Osaka nicht besonders üblich.
Ein Bando ist ein erhöhter Platz am Eingang des Umkleidebereichs, von dem aus beide Umkleiden überblickt werden können und der traditionell sowohl für Empfang als auch Aufsicht diente. In jüngerer Zeit stellen viele Badehäuser auf einen Front-Empfang um. Ob ein Bando noch existiert, ist daher ein Maß dafür, wie viel der alten Struktur erhalten geblieben ist.
Als er 1963 als Werbeträger für ein Schmerzmittel entstand, war er zunächst weiß. Weil Kalk- und Schmutzspuren sichtbar waren, wurde er später gelb gemacht. Über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg blieb das Design gleich und wurde zu einem Symbol der Showa-Sento.
Die Zahl der Sento ist seit dem Höhepunkt 1968 stark zurückgegangen, und neue Miya-zukuri-Bäder werden kaum noch gebaut. Andererseits gibt es vielerorts Bestrebungen, alte Badehäuser als Design-Sento modern neu zu beleben.
Elemente wie Miya-zukuri, Karahafu, Fuji-Gemälde an der Wand, Bando, Tsuboniwa, Fliesenbilder und Kerorin-Eimer, die in Retro-Sento erhalten geblieben sind, entstanden aus der Verknüpfung von städtischem Leben, Werbekultur und Wiederaufbau nach Katastrophen von der Taisho- bis zur Showa-Zeit. Miya-zukuri verbreitete sich nach dem Großen Kanto-Erdbeben, und das Fuji-Gemälde an der Wand entstand 1912 im Kikai-yu und verbreitete sich zusammen mit der Werbung. Wenn man diesen Hintergrund kennt, wird sichtbar, dass ein einziges Badehaus die Lebenswelt jener Zeit als Ganzes überliefert. Während die Zahl der Sento weiter sinkt, entstehen zugleich neue Bewegungen, sie als Design-Sento wiederzubeleben. Retro-Sento sind ein wertvoller Zugang, um Architektur und Kultur der Showa-Zeit unmittelbar zu erleben.
Ein Retro-Sento ist ein Badehaus, das Architektur und Gestaltung der öffentlichen Bäder bis zur Showa-Zeit besonders deutlich bewahrt. Wertvoll ist nicht nur das alte Gebäude selbst, sondern dass Elemente wie die tempelartige Miya-zukuri-Fassade, das Karahafu über dem Eingang, der Fuji-Gemälde an der Wand im Badebereich, das Bando im Umkleidebereich, ein Tsuboniwa oder Fliesenbilder in ihrer damaligen Form erhalten geblieben sind.
Diese Gestaltungsmerkmale sind nicht aus einer bloßen Idee entstanden. Viele von ihnen wurden durch das städtische Leben und die Werbekultur von der Taisho- bis zur Showa-Zeit sowie durch den Wiederaufbau nach Katastrophen geprägt. Ein Retro-Sento zu lesen bedeutet also, die Lebenswelt und den Baustil der Showa-Zeit nachzuverfolgen.
In diesem Artikel werden die typischen architektonischen und gestalterischen Elemente eines Retro-Sento nach ihrer Herkunft und Bedeutung geordnet. Wie sich Onsen und Sento rechtlich unterscheiden, behandeln wir unter Der Unterschied zwischen Onsen und Sento, und wie man die verschiedenen Arten von Badeeinrichtungen auswählt, erklären wir unter Arten japanischer Badeeinrichtungen. Daher konzentriert sich dieser Beitrag auf Architektur und Showa-Kultur.
Zunächst hier eine Übersicht über typische Merkmale von Retro-Sento sowie ihre Herkunft und Bedeutung. Es gibt starke regionale Unterschiede. Besonders Miya-zukuri und die Fuji-Gemälde an der Wand sind Merkmale, die stark in der Sento-Kultur des Großraums Kanto, vor allem in Tokio, verwurzelt sind.
| Element | Überblick | Herkunft / Bedeutung |
|---|---|---|
| Miya-zukuri | Eine Fassade mit großem, tempelähnlichem Dach und würdiger Erscheinung | Ein Stil, der sich nach dem Großen Kanto-Erdbeben 1923 in der Region Tokio verbreitete |
| Karahafu | Ein geschwungenes Dachornament über dem Eingang | In der Edo-Zeit galt es als besonders vornehm. Es soll auch den Eingang zum buddhistischen Paradies symbolisieren |
| Fuji-Gemälde an der Wand | Ein großes Wandbild im Badebereich | Als Ursprung gilt 1912, das erste Jahr der Taisho-Zeit, im Kikai-yu in Kanda-Sarugakucho, Tokio |
| Bando | Ein erhöhter Platz am Eingang des Umkleidebereichs | Diente dazu, beide Umkleidebereiche zu überblicken und zugleich Gebühren einzuziehen und zu beaufsichtigen |
| Tsuboniwa | Ein kleiner Garten neben Umkleide- oder Badebereich | Manchmal mit einem Teich und Karpfen gestaltet, um Natur in einen engen Raum zu holen |
| Fliesenbild | Ein Bild aus Keramikplatten, das die Badehalle schmückt | Wurde auch in Töpferzentren wie Kutani hergestellt und gehört zu einer anderen Ornamenttradition als das Fuji-Bild |
| Kerorin-Eimer | Ein gelber Plastikeimer für heißes Wasser | Ein Symbol der Showa-Zeit, 1963 als Werbeträger für das Schmerzmittel Kerorin eingeführt |
Im Folgenden sehen wir uns die historisch besonders bedeutsamen Elemente genauer an.
Wenn man an Tokios Sento denkt, stellen sich viele große Dächer und eine würdige, tempelähnliche Form vor. Dieser als Miya-zukuri bezeichnete Stil ist jedoch gar nicht so alt.
Vor dem Großen Kanto-Erdbeben 1923 waren auch die Badehäuser in Tokio meist schlichte Gebäude im Machiya-Stil, wie in anderen Regionen. Nachdem viele von ihnen bei dem Erdbeben zerstört worden waren, brachten Schreiner der Tempel- und Schreinarchitektur beim Wiederaufbau ihr Können ein. So entstanden stattliche Badehäuser mit Karahafu am Eingang und einer offenen Kassettendecke im Umkleidebereich. Diese Bäder wurden sehr beliebt und prägten das Bild, dass ein Sento in Tokio eben ein Miya-zukuri-Bad sei. Dass Miya-zukuri vor allem im Kanto-Raum verbreitet ist, erklärt sich aus dieser Entwicklung; in vielen anderen Regionen dominieren andere Bauformen.
Das Karahafu am Eingang ist ein geschwungenes Dachornament, das in der Edo-Zeit als vornehmste Zierform galt. Dass diese an Tempeln und Burgen verwendete Form auf ein öffentliches Bad übertragen wurde, zeigt, wie sehr man dem Sento damals einen besonderen Charakter geben wollte. Man sagt auch, das Karahafu stehe symbolisch für einen Eingang ins buddhistische Paradies. Wer Badegasthöfe und Bäder aus größerer architektonischer Perspektive betrachten möchte, findet in Japanische Onsen-Architektur: Räume des Badeerlebnisses weitere Informationen.
Das große Fuji-Gemälde im hinteren Teil der Badehalle ist eines der markantesten Merkmale eines Retro-Sento. Sein Ursprung wird auf 1912, das erste Jahr der Taisho-Zeit, im Kikai-yu in Kanda-Sarugakucho, Tokio, zurückgeführt. Bei einer Renovierung des Badebereichs wollte man den Kindern eine Freude machen und entschied sich für ein Wandbild. Der beauftragte Maler Hiroshiro Kawagoe aus der Präfektur Shizuoka soll dabei den Fuji gezeichnet haben, seine Heimatlandschaft. Das Kikai-yu, der Ort des Ursprungs, schloss 1971, doch eine Tafel erinnert dort bis heute an die Herkunft.
Dass sich das Fuji-Motiv so weit verbreitete, hat überraschenderweise auch mit Werbung zu tun. Händler, die das erfolgreich gewordene Wandbild sahen, entwickelten ein System, bei dem Werbetafeln unter dem Bild angebracht wurden und das Wandbild aus den von den Werbekunden eingesammelten Gebühren finanziert wurde. Durch diese Verbindung mit dem Werbegeschäft verbreiteten sich Fuji-Gemälde an der Wand rasch in Badehäusern im ganzen Land. Allerdings handelt es sich dabei vor allem um eine Kultur des Kanto-Raums; in Regionen wie Osaka sind Badehäuser ohne Fuji-Bild an der Wand eher die Regel.
Heute gibt es nur noch sehr wenige Künstler, die solche Wandbilder professionell malen können, weshalb schon die Existenz eines erhaltenen Bildes als wertvoll gilt. Auch wenn beide den Badebereich schmücken, gehören Fliesenbilder aus Keramik, etwa aus Kutani, zu einer anderen Kulturtradition als Fuji-Gemälde, und je nach Herkunftsregion und Epoche zeigen sie eigene Muster und Farben.
Das Bando ist ein erhöhter Platz am Eingang des Umkleidebereichs. Von dort aus konnte man beide Umkleidebereiche überblicken, Geld entgegennehmen und zugleich den Betrieb beaufsichtigen. Dass die Umkleide häufig eine offene Kassettendecke hat, ist ebenfalls ein Merkmal von Miya-zukuri-Sento und vermittelt gleichzeitig Offenheit und Würde.
Auch das Tsuboniwa, ein kleiner Garten neben Bade- oder Umkleidebereich, gehört zu den typischen Details eines Retro-Sento. Manchmal gibt es dort sogar einen kleinen Teich mit Karpfen, was zeigt, wie man versuchte, trotz begrenzter Fläche Natur einzubinden. Hohe Trennwände zwischen den Bädern für Männer und Frauen sowie dekorative Elemente auf diesen Wandabschnitten sind weitere Hinweise auf die damalige Bauweise.
In jüngerer Zeit gibt es immer mehr Sento, die statt eines Bandos einen Empfangsbereich im Front-Stil haben, wenn die Gäste ihre Schuhe am Eingang abgeben. Ob ein Bando noch vorhanden ist, ist daher ein Hinweis darauf, wie viel von der alten Struktur eines Bads erhalten geblieben ist.
Nicht nur die Architektur, auch kleine Gegenstände wie Badeeimer tragen Showa-Kultur in sich. Der gelbe Kerorin-Eimer entstand 1963 als Werbeträger für das Schmerzmittel Kerorin. Ursprünglich war er weiß, doch da Schmutzspuren durch Kalk und Ablagerungen zu stark auffielen, wurde er später gelb gemacht. Der erste Einsatz soll in einer Badeeinrichtung in Tokio erfolgt sein, und von dort aus verbreitete er sich in ganz Japan.
Dass ein eigentlich verschleißanfälliger Eimer über mehr als ein halbes Jahrhundert in derselben Gestaltung verwendet wurde, zeigt, wie selbstverständlich sich die Werbekultur der Showa-Zeit in den Alltag eingewoben hat. In Retro-Sento vermittelt jedes kleine Objekt etwas vom Lebensgefühl jener Zeit.
Bei Retro-Sento lässt sich der Rückgang der Sento selbst nicht übersehen. Nach Angaben des landesweiten Verbands der öffentlichen Badebetriebe waren es 1968, auf dem Höhepunkt, etwa 18.000 Badehäuser. Mit der Verbreitung von Badezimmern in Privathaushalten während des Wirtschaftswunders gingen sie stetig zurück, und in den letzten Jahren liegt ihre Zahl unter 2.000. Wenn ein einziges Miya-zukuri-Sento verschwindet, geht damit auch ein Ort verloren, an dem Architektur, Gestaltung und regionale Kultur gemeinsam erhalten geblieben sind.
Gleichzeitig verbreitet sich in den letzten Jahren auch die Bewegung der sogenannten Design-Sento, also modern renovierter alter Badehäuser. Architekten und Künstler beteiligen sich daran und schaffen Räume, die die traditionelle Form und die Kultur der Wandbilder bewahren, zugleich aber auch junge Generationen und Sauna-Fans ansprechen. Ein bekanntes Beispiel ist das Kogane-yu in Kinshicho, Tokio, wo Architekten und Künstler gemeinsam ein traditionsreiches Sento umgebaut und damit nicht nur Stammgäste, sondern auch neue Zielgruppen gewonnen haben. Retro-Sento sind also nicht nur Orte, die Vergangenes bewahren, sondern auch Orte, an denen aus Showa-Gestaltung neue Werte entstehen.
Wer solche Badehäuser selbst besuchen möchte, kann sie über die Liste der Einrichtungen nach Region suchen. Wie sich die japanische Badekultur historisch entwickelt hat, erklären wir außerdem in Geschichte der japanischen Badekultur.
Die Verbreitung im Raum Tokio wird auf die Wiederaufbauzeit nach dem Großen Kanto-Erdbeben 1923 zurückgeführt. Vor dem Erdbeben dominierten schlichte Badehäuser im Machiya-Stil, doch beim Wiederaufbau setzten Schreiner der Tempel- und Schreinarchitektur ihre Fähigkeiten ein, und der großzügige Stil mit Karahafu und offener Kassettendecke wurde populär.
Der Ursprung wird auf 1912 und das Kikai-yu in Kanda-Sarugakucho, Tokio, zurückgeführt. Als man das erfolgreiche Wandbild mit Werbung kombinierte und es durch Werbegelder kostenlos malen ließ, verbreitete sich diese Form in vielen Regionen. Allerdings ist das Fuji-Motiv vor allem eine Kultur des Kanto-Raums und in Städten wie Osaka nicht besonders üblich.
Ein Bando ist ein erhöhter Platz am Eingang des Umkleidebereichs, von dem aus beide Umkleiden überblickt werden können und der traditionell sowohl für Empfang als auch Aufsicht diente. In jüngerer Zeit stellen viele Badehäuser auf einen Front-Empfang um. Ob ein Bando noch existiert, ist daher ein Maß dafür, wie viel der alten Struktur erhalten geblieben ist.
Als er 1963 als Werbeträger für ein Schmerzmittel entstand, war er zunächst weiß. Weil Kalk- und Schmutzspuren sichtbar waren, wurde er später gelb gemacht. Über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg blieb das Design gleich und wurde zu einem Symbol der Showa-Sento.
Die Zahl der Sento ist seit dem Höhepunkt 1968 stark zurückgegangen, und neue Miya-zukuri-Bäder werden kaum noch gebaut. Andererseits gibt es vielerorts Bestrebungen, alte Badehäuser als Design-Sento modern neu zu beleben.
Elemente wie Miya-zukuri, Karahafu, Fuji-Gemälde an der Wand, Bando, Tsuboniwa, Fliesenbilder und Kerorin-Eimer, die in Retro-Sento erhalten geblieben sind, entstanden aus der Verknüpfung von städtischem Leben, Werbekultur und Wiederaufbau nach Katastrophen von der Taisho- bis zur Showa-Zeit. Miya-zukuri verbreitete sich nach dem Großen Kanto-Erdbeben, und das Fuji-Gemälde an der Wand entstand 1912 im Kikai-yu und verbreitete sich zusammen mit der Werbung. Wenn man diesen Hintergrund kennt, wird sichtbar, dass ein einziges Badehaus die Lebenswelt jener Zeit als Ganzes überliefert. Während die Zahl der Sento weiter sinkt, entstehen zugleich neue Bewegungen, sie als Design-Sento wiederzubeleben. Retro-Sento sind ein wertvoller Zugang, um Architektur und Kultur der Showa-Zeit unmittelbar zu erleben.