Zu hohe Erwartungen werden oft enttäuscht – doch wenn man kaum Erwartungen hat, kann man manchmal auf etwas stoßen, das alle Vorstellungen übertrifft. Genau das erlebte ich im Sayamagou Onsen Nijinoyu Osaka Sayama.
An diesem Tag hatte ich am Vormittag das Nobuhanoyu Honten in Habikino besucht und seit dem Morgen vier Runden absolviert, dann um 15:00 Uhr ins Hotel eingecheckt und einen Mittagsschlaf gehalten. Ich habe die Angewohnheit, keinen Wecker zu stellen – wann ich aufwache, weiß nur Gott allein. Ich schlief kurz nach 15 Uhr ein und wachte um 18 Uhr auf. Drei Stunden Mittagsschlaf. Die Sonne war bereits untergegangen, die Umgebung dunkel. In einer solchen Situation gibt es nur ein Ziel: die Sauna. Ich musste eine Einrichtung aufsuchen, die sowohl als Aufwecker nach dem Mittagsschlaf als auch als würdiger Abschluss des Tages taugte. So entschied ich mich, das Sayamagou Onsen Nijinoyu Osaka Sayama aufzusuchen.
Nijinoyu liegt in Osaka Sayama-shi, Osaka-fu – ein Ort, den ich unter normalen Umständen wohl nie besucht hätte. Im Geiste der Ichi-go Ichi-e fuhr ich zu meinem Ziel. Beim Ankommen fiel mir auf, wie groß die Anlage war: gepflegt, sauber, mit einem auffällig designorientierten Interieur. Ich begab mich in das Bad im zweiten Obergeschoss und zog mich in Sekundenschnelle aus. Zunächst wusch ich mich, dann ging ich zum Außenbad. Dort kann man in einem natürlichen Thermalwasser aus der Tiefe entspannen und dabei einen Wasserfall betrachten – die gegenüberliegende Seite des Außenbades ist eine Felswand, von deren Oberkante das Wasser herabfällt. Eine herrlich offene Atmosphäre, in der ich eine Weile entspannte. Im Außenbad gab es außerdem ein von einem bekannten Designer gestaltetes eiförmiges Tsub-Yu (Fass-Bad) und andere Besonderheiten, die man nur hier erleben kann.
Nachdem ich meinen Körper im Thermalwasser gründlich aufgewärmt hatte, begab ich mich in den Saunaraum. Im Inneren thront ein großer Ofen aus aufgeschichteten Steinen in der Mitte des Raumes, um den herum die Sitzflächen angeordnet sind. Durch automatisches löyly im Zehn-Minuten-Takt sowie unregelmäßiges löyly durch das Personal ist die Luftfeuchtigkeit hoch, und der Aromaduft ist wunderbar. Dazu gibt es keinen Fernseher im Saunaraum, und die Beleuchtung ist sehr gedämpft. Dort, wo ursprünglich wohl ein Fernseher vorgesehen war, hängt nun ein Bündel Birkenzweige – ein Vihta. Selbstverständlich ist Reden verboten. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Duft und Beleuchtung – alles entsprach genau meinem Geschmack. Ich setzte mich im Schneidersitz hin, schloss langsam die Augen und konzentrierte mich ganz auf die Wärme und den Duft der Sauna. Ehrlich gesagt hatte ich nicht viel von dieser Sauna erwartet – umso mehr war es ein Glücksfall, hier auf eine so wunderbare Sauna zu treffen. Wenn man an einem unerwarteten Ort etwas erlebt, das die eigene Vorstellung übertrifft, vervielfacht sich das Glücksgefühl. Von Glück erfüllt schwitzte ich kräftig.
Das Kaltwasserbad befindet sich direkt nach dem Ausgang des Saunaraums. In die gesamte Wand ist hochwertiger Kohle eingelassen, entlang derer ununterbrochen Wasser fließt. Das durch Kohle gefilterte Kaltwasserbad hat eine angenehme Weichheit. Es hat Platz für etwa drei Personen, was sich ein wenig eng anfühlt, doch als ich hineinging, war niemand sonst da – Glück gehabt. Die Wassertemperatur lag bei etwa 15 °C, was ebenfalls eine ausgezeichnet ausgewogene Temperatur ist. Ich kühlte meinen Körper etwa eine Minute lang gründlich ab und setzte mich dann auf einen Ruhesessel.
Nijinoyu legt offensichtlich auch Wert auf die Ruhebereiche. Im weitläufigen Außenbad stehen zahlreiche Stühle, und auch im Innenbad sind an verschiedenen Stellen Stühle aufgestellt, sodass man sich jederzeit setzen kann. Außerdem gibt es einen eigens für Frischluftpausen vorgesehenen Außenbereich, sodass es selbst bei vielen Gästen nie an Platz mangelt. Man kann hier sowohl in stiller Einsamkeit zur Ruhe kommen als auch mit Freunden plaudern und gemeinsam das Bad genießen. Eine rundum hervorragende Einrichtung.
Anschließend wiederholte ich die Runde Sauna → Kaltwasserbad → Erholung dreimal. Glücklicherweise sprach im Saunaraum niemand, sodass ich mich ganz nach innen konzentrieren konnte. Um in einer Einrichtung eine gute Erfahrung zu machen, reicht die eigene Kraft oft nicht aus. Auf dieser Reise wurde mir bewusst, dass das vollkommene Totonou erst durch das stille Einvernehmen mit den anderen Gästen entsteht – wie der Vorfall im Nobuhanoyu Honten in Habikino gezeigt hat.


Nachdem ich das Bad verlassen hatte, legte ich mich eine Weile im Tatami-Bereich der Einrichtung hin und entschloss mich dann, im Restaurant zu essen. Am Tisch neben mir redeten zwei Frauen mit großer Leidenschaft aufeinander ein. „Darum hab ich meinem Mann gesagt: Wenn du schon fremdgehst, dann wenigstens direkt vor meinen Augen!" Nun ja, ich verstand ungefähr, worum es ging. Die eine war offenbar äußerst aufgebracht, die andere schien etwas in der Defensive. Mich ging das nichts an, also blieb ich entspannt – aber vielleicht wäre es für die aufgeregte Dame besser, vor dem Essen noch kurz in Sauna und Kaltwasserbad zu steigen. Danach ließe sich das Gespräch vielleicht etwas gelassener führen.
Im Leben passieren allerlei Dinge, und täglich entstehen neue Probleme. Stress häuft sich an. Manches ist einfach nicht zu ändern. Manchmal weiß man nicht, wohin man soll. In solchen Momenten gehe ich zuerst in die Sauna. Drei Runden Sauna und Kaltwasserbad, und dann denke ich neu nach. Manchmal finde ich eine neue Lösung, manchmal erscheinen mir die Dinge, über die ich gegrübelt habe, plötzlich völlig bedeutungslos. Andererseits gibt es auch Dinge, die selbst die Sauna nicht lösen kann – das, so sage ich mir, sind dann die wirklich wichtigen Dinge. Das meiste vergisst man ohnehin, nachdem man sich in Sauna und Kaltwasserbad den Kopf freigemacht hat.
Die Dame neben mir würde mir wohl zurufen: „Rede nicht so leichtfertig daher!" also lasse ich es für heute dabei.





