Ich liebe offene, weitläufige Räume. Je höher die Decke, desto besser – und je mehr Tiefe ein Raum hat, desto mehr schätze ich ihn. Das gilt genauso für Thermalbäder: In offenen, luftigen Räumen fühlt sich die Erfahrung gleich mehrfach schöner an.
Soranoniwa Onsen OSAKA BAY TOWER war genau so eine Anlage – ein wahres Sinnbild für Großzügigkeit und Weite. Im Osaka Bay Tower im Hafenbezirk Osaka wurde ein Onsen mit Gartenanlage integriert, sodass man vom hohen, weitläufigen Badebereich direkt auf den Innenhof blickt. Da Gäste in Yukata durch den Innenhof spazieren, fragte ich mich kurz, ob man vom Garten aus in den Badebereich sehen kann – doch das ist gut durchdacht und entsprechend abgeschirmt. Dazu überzeugt die Anlage auch qualitativ: Ein frei fließendes Quellwasser-Onsen aus 1.000 Metern Tiefe, Kohlensäurebäder und eine Sauna mit automatischem löyly sowie ein Kaltbad vervollständigen das Angebot.
Um diese wunderbare Anlage in vollen Zügen zu genießen, war ich schon am Morgen aufgebrochen.
Zunächst ließ ich mich ins frei fließende Quellwasser-Onsen gleiten. Für jemanden wie mich, der ein echter Fan von Quellwasser-Bädern ist, war das ein Hochgenuss – frisches Wasser aus der Tiefe der Erde strömte unaufhörlich in das Becken. Da das Wasser nicht umgepumpt wird, spürt man die Kraft der Natur unmittelbar. Nach einer Weile wechselte ich in das Innenbad mit Blick auf den Innenhof. Soranoniwa Onsen OSAKA BAY TOWER hat einen langgestreckten Badebereich, und ganz am Ende befindet sich ein Becken mit direktem Gartenblick. Im Naturonsen sitzen und dabei auf den gepflegten Garten schauen – die Wohltaten des Wassers verbinden sich mit dem visuellen Genuss, und das Bad wirkt noch erholsamer als sonst.
Nach dem ausgiebigen Onsen-Genuss ging es zur ersten Saunarunde. Der Raum bietet etwa zwanzig Personen Platz, die Sitzflächen sind großzügig bemessen. Es handelt sich um eine Rocky-Sauna mit aufgeschichteten Saunasteinen, in der regelmäßig löyly stattfindet. Glücklicherweise begann der löyly kurz nach meinem Eintreten. Wasser wurde auf den Saunaofen gesprüht. Ich dachte, es wäre gleich vorbei – doch der Wasserstrahl hörte und hörte nicht auf. Die Feuchtigkeit im Raum stieg rapide an, und der Schweiß trat in Strömen aus. Als das Sprühen endlich aufhörte und ich dachte, es sei nun beendet, begann prompt die zweite Runde. Das hatte ich nicht erwartet. Bei einem typischen Supersentō läuft der automatische löyly meist nur einmal mit einer kleinen Menge Wasser – man spürt kurz eine Hitzewelle, aber es bleibt oft unbefriedigend. Hier bei Soranoniwa Onsen OSAKA BAY TOWER hingegen läuft der lange automatische löyly pro Durchgang gleich zweimal. So viel Dampf – das war mehr als zufriedenstellend. Inzwischen schwitzte ich am ganzen Körper, und meine Grenzen wurden spürbar.
Nach dem gründlichen Durchschwitzen folgte das Kaltbad. Die Wassertemperatur lag bei idealen 16 °C – der Körper kühlte angenehm ab, dann wechselte ich in den Außenbereich zur Erholung. Die Anzahl der Stühle war etwas knapp bemessen; bei mehr Gästen könnte das zum Problem werden. Doch am Vormittag war es noch ruhig, und ich fand problemlos einen Platz. Ich ruhte mich aus, schaute in den Garten, tauchte wieder ins Onsen, ging in die Sauna und schloss mit dem Kaltbad ab. Diesen Kreislauf wiederholte ich drei Runden. Mein Körper war in perfekter Verfassung.

Nachdem ich den Badebereich verlassen hatte, ruhte ich mich aus und dachte über meine weiteren Pläne nach. Heute ist der letzte Tag meiner Reise. Normalerweise würde ich am Abend nochmal in die Sauna gehen und dann zurück nach Tokushima fahren – doch diesmal war ich von einer tiefen Zufriedenheit erfüllt. Vielleicht lag es daran, dass ich das Baden in einem offenen, luftigen Raum genossen hatte, den ich so sehr liebe. Ich war in der Stimmung: „So, jetzt kann ich auch direkt nach Hause fahren.„
Es gibt eine psychologische Theorie namens Peak-End-Regel: Die Gesamterinnerung an ein Erlebnis wird maßgeblich vom emotionalen Höhepunkt und vom Ende der Erfahrung bestimmt. Wer eine schöne Reise erleben will, sollte also auf das Ende achten.
Wenn ich das auf meine Situation anwende, war die Schlussfolgerung klar: Diesen Moment des Hochgefühls – den Höhepunkt (Peak) – auch zum Abschluss (End) zu machen, war die beste Entscheidung. Nur auf einer Solorecke ist das möglich, aber genau das macht den Reiz aus: den Reiseplan je nach Stimmung und Erlebnis spontan anzupassen. Diese Flexibilität ist manchmal genau das Richtige.
In einem nahe gelegenen Restaurant gönnte ich mir eine köstliche Oyakodon-Reisschüssel und machte mich dann auf den Weg zurück in mein Zuhause in der Präfektur Tokushima. Diese Osaka-Saunareise war damit abgeschlossen. Nächste Woche wartet bereits eine Nagoya-Saunareise auf mich – zwei Nächte, drei Tage, mit Besuchen in bekannten Anlagen.





