Am Morgen, in dem Moment, in dem ich aufwachte, hörte ich aus den Tiefen meines Körpers eine Stimme, die nach „Hitze" verlangte. Eine brachiale, intensive Hitze und danach ein eiskaltes Tauchbecken, das einen richtig wachrüttelt. Eine halbherzige laue Wärme ist für mich heute völlig fehl am Platz.
Am Vorabend hatte ich mich in Tsurumi Ryokuchi Yumoto Suisen in eine Meditationssauna zurückgezogen und in der Stille Körper und Geist gründlich zur Ruhe gebracht. Doch sobald der Morgen anbricht, meldet sich ein ganz anderes Verlangen. Genau das Gegenteil der Meditationsruhe – ich sehnte mich nach wilder, ungezügelter Hitze. Da fiel mir sofort ein Ort ein, der perfekt zu einem solchen Morgen passt: Utopia Shiratama Onsen. Schon ab 6 Uhr morgens geöffnet, und dem Vorruf nach sollten sowohl die Intensität der Sauna als auch die Erfrischung des Tauchbeckens tadellos sein. Für meine heutige Morgensauna stand die Entscheidung ohne Zögern fest.
Utopia Shiratama Onsen ist ein Sento (öffentliches Badehaus) in der Kyobashi-Gegend von Osaka, das seit 1963 (Showa 38) von der örtlichen Bevölkerung geliebt wird. Unter der zweiten Generation wurde das Gebäude umfassend renoviert, unter der dritten Generation entwickelte sich die Sauna zur heutigen Bona-Sauna weiter. Trotz seiner engen Verwurzelung im Viertel zieht es dank seines einzigartigen Aushängeschilds, dem Eisbad, auch die Aufmerksamkeit von Sauna-Enthusiasten aus ganz Japan auf sich.
Nachdem ich mich fertig gemacht und ausgecheckt hatte, fuhr ich mit dem Auto zu meinem Ziel.
Bei meiner Ankunft erwartete mich eine Fassade, die geradezu sinnbildlich für ein Sento mit Sauna steht. Betritt man das Gebäude, bewahrt es die nostalgische Atmosphäre eines klassischen Sento, ist dabei aber solide renoviert und wirkt sehr sauber. Blickt man an die Wände, sind dort zahlreiche Autogramme von Prominenten zu sehen, darunter viele Profi-Baseballspieler. Es handelt sich also um ein seltenes Sento, das nicht nur bei den Stammgästen aus der Nachbarschaft, sondern auch bei Prominenten beliebt ist. Welche Art von totonou wohl hier auf mich wartet? Ich ging durch den Vorhang, zog mich um und betrat das große Bad.
Da es ein Sento ist, ist die Anlage keineswegs groß. Doch auf diesem begrenzten Raum ist alles Nötige untergebracht: verschiedene Becken wie ein Elektrobad, die für ihre intensive Hitze bekannte Bona-Sauna, ein tiefes Tauchbecken, in das Eis gegeben wird, und eine Außenluft-Ruhezone auf dem Dach. An den Vorrichtungen zum Erreichen des totonou-Zustands wird nicht im Geringsten gespart. Obwohl es noch früh am Morgen ist, herrscht bereits reger Betrieb mit vielen Gästen. Etwa die Hälfte davon scheint bereits in der Außenluft-Ruhezone das Bewusstsein verloren zu haben. Auch ich werde mich später zu dieser Gruppe gesellen.
Ich betrat die Sauna für die erste Runde. Im Moment des Eintretens wurde ich fast von der intensiven Hitze überwältigt. Für einen Körper, der gerade erst aufgewacht ist, mag das ein wenig zu viel Reiz sein – so eine Hitze war es. Die Sauna von Utopia Shiratama Onsen arbeitet nach dem Bona-Sauna-Prinzip, einer eigentümlichen Bauweise, bei der die Heizung unter den Bänken verbaut ist. Das Thermometer pendelte sich bei rund 90 °C ein, und ein automatischer löyly im schnellen Zehn-Minuten-Takt sorgte für zusätzliche Hitzeschübe. Allein durch das Sitzen steigt die Luftfeuchtigkeit stetig weiter, sodass sich die gefühlte Temperatur höher anfühlt, als es die Anzeige verrät.
Nach etwa fünf Minuten hatte ich bereits kräftig geschwitzt. Und dann, wie um das Ganze zu krönen, wechselte die Beleuchtung der Saunakabine, und eine Hitzewelle wurde hineingeschickt. Das war das Limit. Ich verließ die Sauna sofort und ging direkt zum Tauchbecken.
Das Tauchbecken befindet sich unmittelbar neben der Sauna, praktisch ohne Distanz. Auch das Tauchbecken von Utopia Shiratama Onsen ist eine Attraktion für sich – Sauna-Fans reisen aus ganz Japan an, nur um dieses Becken zu erleben. Es gilt als das erste Eisbad Japans und ist mit 140 Zentimetern ziemlich tief. Regelmäßig wird Eis hinzugegeben, sodass eine eiskalte Temperatur konstant gehalten wird. Als ich es nutzte, wurde zwar kein Eis nachgefüllt, doch mit einer Wassertemperatur von etwa 14 bis 15 °C war es dennoch ausreichend kalt. Ein Gefühl puren Erfrischens durchströmte mich sofort, danach begab ich mich zur Außenluft-Ruhezone auf dem Dach.
Am frühen Morgen, mit Blick auf den Himmel über Osaka, ist die Außenluft-Ruhephase ein Moment höchster Wonne. Die brutal heiße Sauna und das erfrischend kalte Tauchbecken – gerade dieser Kontrast steigert das Wohlgefühl der Ruhephase um ein Vielfaches. Ich empfand an diesem Tag ein ähnliches Körpergefühl wie damals in der Ogaki Sauna in der Präfektur Gifu. Dass man sich immer wieder nach so einem heftigen Kontrast sehnt, liegt wohl in der Natur eines jeden Sauna-Liebhabers.
Bevor ich in die zweite Runde ging, ließ ich den Blick durch das Bad schweifen: Ein Mann, der aussah, als hätte er gerade erst seinen Anzug abgelegt, ein älterer Herr, der ganz offensichtlich Stammgast war, und Männer mit Ganzkörper-Tätowierungen – sie alle schwitzten wie ich und genossen die Erfrischung im selben Tauchbecken. Obwohl Alter, gesellschaftliche Stellung und Beruf völlig unterschiedlich sein müssten, spielt so etwas in diesem Bad überhaupt keine Rolle.
Ich bin der Meinung, dass das große Bad eines Sento der wohl gleichberechtigtste Ort auf dieser Welt ist. Innerhalb des Bades verlieren Alter, gesellschaftliche Stellung, Titel und Hierarchien jegliche Bedeutung, und jeder kann gleichermaßen die Abfolge aus Sauna, Tauchbecken und Außenluft-Ruhephase genießen und sich dabei erfrischt fühlen. Auch ich komme manchmal mit Menschen ins Gespräch, die ich gerade erst kennengelernt habe, doch da man sich nackt begegnet, gibt es keine Möglichkeit zu erfahren, wer die andere Person eigentlich ist. Übertriebene Höflichkeit oder Titel sind hier überflüssig. Es entsteht eine ganz reine Kommunikation zwischen Gleichgesinnten, die einfach Onsen und Sauna lieben. Das ist die japanische Sento-Kultur in ihrer reinsten Form, und ich denke einmal mehr, wie wunderbar diese Kultur doch ist.
In der zweiten und dritten Runde pendelte ich ebenso zwischen der glühend heißen Bona-Sauna und dem Eisbad hin und her.
Würde ich in der Nähe wohnen, würde ich wohl jeden Tag meinen Körper in der intensiv heißen Bona-Sauna bis an die Grenze aufheizen, ihn im berühmten Tauchbecken abkühlen und diesen Ablauf mit der Außenluft-Ruhephase auf dem Dach endlos wiederholen. So schlicht und zugleich so ausgereift ist dieses Sento.
Auch nach der Morgensauna hatte ich noch genug Energie übrig. Also beschloss ich, gleich noch eine weitere Einrichtung anzuhängen.
Mein nächstes Ziel war SPAWORLD HOTEL&RESORT. Von einem kleinen, im Viertel verwurzelten Sento zu einer riesigen Anlage, die landesweit zu den größten zählt – genau diese Diskrepanz macht den Reiz einer Sauna-Reise aus. Von der stillen Meditationssauna gestern Abend über die glühend heiße Bona-Sauna heute Morgen bis hin zu der gigantischen, mit ihrer schieren Größe protzenden Spa-Anlage, zu der ich mich nun aufmache – auch wenn all das unter demselben Begriff Sauna zusammengefasst wird, könnten die Erlebnisse unterschiedlicher kaum sein. Gerade weil man diese ganze Bandbreite auskosten kann, wird eine Sauna-Reise in Osaka niemals langweilig.





