Am 27. Dezember, kurz nach 10 Uhr morgens, kam ich am Bahnhof Kumamoto an. Etwa drei Stunden von Shin-Osaka entfernt. Im Shinkansen konnte ich die ganze Zeit über meine Vorfreude kaum verbergen. Denn sobald ich in Kumamoto ankäme, würde ich endlich das westliche Mekka der Saunawelt, Yurakkusu, besuchen können. Und dann war es so weit.
Kaum am Bahnhof angekommen, steuerte ich sofort den Taxistand an und nannte mein Ziel.
Ich: „Nach Yurakkusu bitte.„
Fahrer: „Jawohl. Heute hab ich schon zwei andere Leute nach Yurakkusu gebracht.„
Nicht ganz standardmäßiges Japanisch – sein eigenwilliger Dialekt fiel sofort auf, und das Gespräch ging weiter.
Fahrer: „Ich fahr schon seit Jahrzehnten Taxi, aber Yurakkusu – da kommen die Leute aus dem ganzen Land her. Kein Wunder, das Wasser in Kumamoto ist einfach gut. Und dann wurde das Haus ja auch noch für einen Dreh benutzt, jetzt ist es ziemlich berühmt.„
Ich: „Ach so.„ (Das weiß ich doch längst.)
Fahrer: „Als das Erdbeben kam, hat die ganze Stadt schwer gelitten, und Yurakkusu musste auch eine Weile schließen. Aber dass jetzt wieder so viele Leute aus ganz Japan kommen – das bewegt mich wirklich. Seit dem Beben nennen sie's ja heilige Stätte und so...„
Ich: „...„
Ein sehr gesprächiger Fahrer. Dabei hat Yurakkusu seinen Ruf nicht erst nach dem Erdbeben erlangt. Es gilt schon seit langer Zeit unter Saunafans im ganzen Land als heilige Stätte. Eigentlich wollte ich die Fahrt dorthin in Stille auf mich wirken lassen – aber mein Rhythmus wurde gestört.
Nach einer Weile tauchte das Gebäude von Yurakkusu vor mir auf. Die Fassade, die ich so oft in Dramen gesehen hatte, stand genau so da, wie ich sie kannte. Meine Stimmung schnellte in die Höhe. Ich umrundete das Gebäude, machte Fotos, verbeugte mich kurz vor dem Eingang, trat ein, verstaute meine Schuhe im Schuhfach und gab den Schlüssel meines Schranks an der Rezeption ab.
Ich: „Bitte mit Freizeitzeit-Option.„
Rezeption: „Ist es Ihr erster Besuch?„
Ich: „Ja.„
Daraufhin bekam ich eine Erklärung zur Anlage – doch offenbar hatte man gemerkt, dass ich am liebsten sofort in die Sauna gesprungen wäre, denn man kürzte die Erklärung deutlich ab. Ich nahm die Hauskleidung entgegen und begab mich in den Umkleideraum. Im zweiten Stock gab es ein Restaurant, ein Yogastudio und einen Relaxraum mit Liegestühlen; die Beleuchtung war gedämpft, die Atmosphäre modern. Ein besserer Ort zum Entspannen lässt sich kaum vorstellen. Dazu strömte ein angenehmer Duft durch die gesamte Anlage. Ich sog die Luft tief durch die Nase ein und atmete bewusst durch. Dabei war ich noch nicht einmal ins Bad gestiegen – und schon spürte ich, wie sich ein Gefühl tiefer Entspannung ankündigte.
In der Umkleide wechselte ich in die Hauskleidung und begab mich in den großen Badebereich. Am Eingang wischte ich mir mit einem Aromatuch das Gesicht und belebte meine Sinne. Als ich die Tür zum Badebereich öffnete, breitete sich vor mir ein Anblick aus, den ich aus Dramen und Magazinen so oft gesehen hatte. Im Mittelpunkt des großen Badebereichs thronte das Wahrzeichen von Yurakkusu: das Kaltbad. Ein riesiges Kaltbad mit 171 cm Wassertiefe, gespeist vom natürlichen Quellwasser des Aso. Eine geradezu heilige Atmosphäre umgab es. Auch der Dampf, der den gesamten Badebereich erfüllte, verstärkte die besondere Stimmung. Wahrlich ein heiliger Ort.
Nach dem Reinigen ließ ich mich in die natürliche Thermalquelle gleiten. Im großen Becken standen verschiedenste Badeoptionen zur Verfügung: Whirlpool, Elektrisches Bad – und sogar Liegestühle im Wasser, in denen man sich zurücklehnen und die Thermalquelle liegend genießen konnte. Nicht nur Sauna und Kaltbad. Für eine als heilige Stätte gepriesene Anlage war es nur stimmig, dass überall kleine Highlights auf die Besucher warteten. Während ich im Thermalwasser saß und mich umsah, bemerkte ich, dass viele andere Gäste da waren – alle mit einem Ausdruck vollkommenen Wohlbefindens und Glücks im Gesicht. Das Glücksgefühl so vieler Menschen forme wohl die Atmosphäre dieses heiligen Ortes.
Nach dieser Einstimmung begab ich mich zur ersten Runde in die Sauna. Zuerst in die Hauptsauna. Zwei Öfen – ein iki-Ofen und ein Ferninfrarotheizstrahler – sorgten für Wärme, und ein Aromavorgang lag in der Luft. Die Saunamatten auf den Sitzen waren weich und angenehm. Ich setzte mich im Schneidersitz, schloss die Augen und spürte, wie sich die Poren meines gesamten Körpers öffneten. Allein die Tatsache, an einem heiligen Ort zu sein, richtete meinen Rücken ganz von selbst auf. Das Grinsen in meinem Gesicht ließ sich nicht verbergen. Nach zehn Minuten in dieser sanften Wärme näherte sich meine Grenze. Die Zeit für das berühmte Kaltbad war gekommen.
Ich spülte den Schweiß gründlich ab, stieg die Stufen hinauf und trat ins Kaltbad. Im selben Augenblick umhüllte mich das Wasser mit einer fast seidigen Textur. Weich, fast wie Thermalwasser. Dazu etwa 14 °C Wassertemperatur und 171 cm Tiefe – ich konnte vollständig untertauchen. Ich ließ mich im Kaltbad treiben, blickte zur Decke hoch und war schlicht gerührt: Was für ein Gefühl. Das Geschenk der Wasserstadt Kumamoto spürte ich mit jeder Faser meines Körpers.
Nach dem Kaltbad wechselte ich in den Ruhebereich. Knapp zwanzig Liegestühle standen im Badebereich aufgereiht, so angeordnet, dass man die kostbare Zeit nach dem Kaltbad in vollen Zügen genießen konnte. Nach dem herrlichsten Kaltbad folgte die herrlichste Außenlufterholung. Und dann wieder die herrlichste Sauna. Ich hatte das Gefühl, diesen Kreislauf hier ewig fortführen zu können.
Für die zweite Runde begab ich mich in den Meditationssauna. Anders als die Hauptsauna: kein Fernseher, nur ein einzelner Lichtstrahl in einem dunklen Saunaraum. In dieser ruhigen Umgebung vollzog ich einen Selbst-löyly, lauschte dem Zischen des Wassers auf dem Saunaofen und ließ den aufsteigenden Dampf mit dem ganzen Körper wirken. Ich vollzog löyly mehrmals und versank in tiefer Meditation. Ich richtete meine Aufmerksamkeit einzig auf meinen Atem und Herzschlag. Die anderen Gäste meditierten ebenso. Sie erlebten das Saunabad an diesem heiligen Ort im Zustand des Achtsamkeit. Diese gemeinsame Energie war es, die diesen heiligen Saunaraum erschuf. Auch ich war ein Teil davon und wärmte meinen Körper bis auf die Knochen.
Auch das Kaltbad der zweiten Runde war herrlich. Und dann wagte ich mich an das lang ersehnte Highlight: Yurakkusu's Kaltbad hat den sogenannten MAD MAX-Knopf. An der Wand des Kaltbades befindet sich ein Knopf – drückt man ihn, stürzt ein gewaltiger Wasserfall von der Decke herab. Im tiefen Kaltbad hält man sich an einem Seil fest und lässt das herabstürzende Wasser auf den Kopf prasseln. Ein unglaubliches Erfolgserlebnis. Das war das Beste. Dieses legendäre Erlebnis hatte ich unbedingt ausprobieren wollen – ein weiterer Wunsch ging in Erfüllung.
Für die dritte Runde betrat ich den Dampf-Salz-Saunaraum namens „Dai-Aso Daifunka Meditationssauna“ mit Mist- und Salzsauna. Eine einzigartige Dampfsauna, bei der Thermaldampf vom Boden aufsteigt und den Raum in so dichten Nebel hüllt, dass man kaum noch etwas sieht. Nach ausgiebigem Dämpfen reibt man Salz in die Haut ein – das Ergebnis: ein seidig weiches Hautgefühl. Nach dem intensiven Dampfbad folgte erneut das herrliche Kaltbad. Ich ließ mich vorwärts ins tiefe Becken fallen und kühlte den ganzen Körper ab. Sich vorwärts ins Kaltbad fallen zu lassen ist selbst ein besonderer Akt – möglich nur in einem tiefen, breiten, tauchbaren Becken, und nur wenn gerade kein anderer Gast darin ist. Zum Glück war das Becken leer. Also tat ich es einfach. Die Frische danach war von einer geradezu absurden Intensität, und während der Außenlufterholung nach der dritten Runde verlor ich für eine Weile das Bewusstsein.
Normalerweise mache ich drei Runden, aber da ich nun schon mal an diesem heiligen Ort war – und es sich einfach zu gut anfühlte – hängte ich noch zwei weitere dran. Insgesamt fünf Runden Sauna → Kaltbad → Außenlufterholung. Mit dem Gedanken, ob ich nicht nach Kumamoto ziehen sollte, zog ich mich im Umkleideraum um und begab mich in den Relaxraum im zweiten Stock. Ich legte mich eine Weile hin und genoss die wunderbare Zeit nach dem Bad.



Eine einzigartige Dampfsauna, bei der Thermaldampf vom Boden aufsteigt und den Raum in so dichten Nebel hüllt, dass man kaum noch etwas sieht. Nach ausgiebigem Dämpfen reibt man Salz in die Haut ein – das Ergebnis: ein seidig weiches Hautgefühl. Nach dem intensiven Dampfbad folgte erneut das herrliche Kaltbad. Ich ließ mich vorwärts ins tiefe Becken fallen und kühlte den ganzen Körper ab. Sich vorwärts ins Kaltbad fallen zu lassen ist selbst ein besonderer Akt – möglich nur in einem tiefen, breiten, tauchbaren Becken, und nur wenn gerade kein anderer Gast darin ist. Zum Glück war das Becken leer. Also tat ich es einfach. Die Frische danach war von einer geradezu absurden Intensität, und während der Außenlufterholung nach der dritten Runde verlor ich für eine Weile das Bewusstsein.
Normalerweise mache ich drei Runden, aber da ich nun schon mal an diesem heiligen Ort war – und es sich einfach zu gut anfühlte – hängte ich noch zwei weitere dran. Insgesamt fünf Runden Sauna → Kaltbad → Außenlufterholung. Mit dem Gedanken, ob ich nicht nach Kumamoto ziehen sollte, zog ich mich im Umkleideraum um und begab mich in den Relaxraum im zweiten Stock. Ich legte mich eine Weile hin und genoss die wunderbare Zeit nach dem Bad.





