Halb sechs morgens. Ich erwachte sanft, begleitet vom fröhlichen Gezwitscher der Vögel.
Die Schlafdauer war etwas kürzer als üblich, doch mein Kopf war erstaunlich klar. Seit vielen Jahren lebe ich nach einem festen Rhythmus, bei dem ich jeden Morgen zwischen fünf und halb sechs aufwache. Egal wie spät ich ins Bett gegangen bin – mein Körper weigert sich schlicht, diesen Aufwachzeitpunkt zu verschieben. Manchmal huscht mir der flüchtige Gedanke durch den Kopf, wie es wohl wäre, sich einfach einmal bis Mittag ins Bett zu wühlen, ohne jede Verpflichtung – doch wer einmal wach ist, beginnt sofort zu handeln. Das ist die Pflicht eines echten Saunaenthusiasten.
Mein Ziel stand längst fest.
Daitoyo in Umeda.
Ich machte mich rasch fertig und verließ das Hotel nahe dem Hanshin-Koshien-Bahnhof, in dem ich übernachtet hatte. Dies war kein Auschecken, sondern nur ein kurzer Ausflug. Der Plan war geradezu genial: Im Daitoyo die morgendliche Sauna in vollen Zügen genießen, danach frühstücken und anschließend ins Hotel zurückkehren, um bis kurz vor dem Checkout noch einen herrlichen zweiten Morgenschlaf zu halten. Die Uhr zeigte gerade erst sechs Uhr morgens.
Vom Bahnhof Koshien stieg ich in die Schnellbahn der Hanshin-Linie und fuhr zum Hanshin-Bahnhof Umeda. Trotz der frühen Stunde war der Zug gut gefüllt. Den Puls dieser Großstadt spürend, ließ ich mein Herz im Stillen höherschlagen.
In Umeda angekommen, trat ich ins Freie. Ich schlenderte Richtung Hankyu-Bahnhof Umeda, passierte das Hankyu Men's Building und folgte dann der Straße, an der Don Quijote liegt, geradeaus weiter – bis das vertraute und doch irgendwie stolze Schild von Daitoyo in mein Blickfeld trat.
Daitoyo ist eine Einrichtung, die ich schon viele Male besucht und stets sehr geschätzt habe. Doch seit der großen Renovierung und der Wiedereröffnung am 21. April 2026 war dies mein erster Besuch. Welche Verwandlung es durchgemacht haben mochte – ich konnte die Vorfreude kaum zügeln.
Kaum hatte ich einen Fuß in den Eingangsbereich gesetzt, umhüllte mich eine überwältigende Frische und ein vornehmer, klarer Duft. Dieser betörende Geruch beim Betreten der Einrichtung ließ mich sofort intuitiv wissen: Das hier ist ein absolut außergewöhnlicher Ort.
Ich erledigte rasch den automatischen Check-in sowie die Bezahlung, fuhr mit dem Aufzug zum Umkleideraum und zog mich ohne unnötige Umwege in die Hauskleidung um, bevor ich direkt in das große Bad im vierten Stock stieg.
Als ich den Badebereich betrat, wehte mir ein sanfter, aromatischer Birkenduft entgegen. Vermutlich strömte dieser lebendige Duft aus der neu eingerichteten Whisking-Sauna heraus.
Der Saunabereich im Badebereich hatte eine geradezu dramatische Erneuerung erfahren. Die Saunen wurden auf drei konzeptionell völlig unterschiedliche Räume umgestaltet, und auch der Erholungsbereich wurde erheblich ausgebaut. Mit so vielen großzügigen Möglichkeiten wollte ich jede einzelne in aller Ruhe auskosten.
Für den ersten Durchgang betrat ich die löyly-Sauna.
Dieser Saunaraum, der aus der alten Rocky-Sauna hervorgegangen war, bestand aus wunderschön geformtem Holz mit einer atemberaubenden ästhetischen Qualität. Im Inneren thronten gleich zwei Saunaöfen. Nahe dem Eingang stand der modernste Ofen, der alle zwanzig Minuten automatisches löyly auslöst und mit Pankalouvres einen kräftigen Heißluftstrom erzeugt. In der Mitte des Saunaraums stand in voller Pracht ein riesiger Rocky-Ofen, der zweifellos für beeindruckende Aufguss-Veranstaltungen genutzt wird.
Als ich mich auf der obersten Bank niederließ, hüllte mich die Wärme von etwa 90 °C sanft von allen Seiten ein. Ein äußerst angenehmer, bis ins letzte Detail durchdachter Raum.
Kurz nach dem Eintreten erklang ein sanftes Zischen, und das automatische löyly begann. Herrlicher Dampf füllte den Saunaraum und streichelte meine morgendliche Haut auf wohltuende Weise. Das tiefe Innere meines Körpers erwärmte sich langsam, und ich spürte, wie jede schlafende Zelle nacheinander erwachte – wie ein frohlockendes Lebenszeichen. Leise vernahm ich das stille Klicken meines inneren Schalters: „Gut, heute kann der Tag beginnen."
Als kleiner Exkurs: In letzter Zeit passiert es mir auffallend häufig, dass in dem Moment, in dem ich einen Saunaraum mit automatischem löyly betrete, das löyly sofort beginnt. Vielleicht erkennt die Sauna einen eingefleischten Enthusiasten und begrüßt ihn mit einer besonders prächtigen Hitze? In dieser angenehmen Illusion versunken, schwitzte ich zehn Minuten lang gründlich.
Ich verließ den Saunaraum, duschte den Schweiß sorgfältig ab und tauchte ins Kaltbad.
Das Größte an Daitoyo ist zweifelsohne die beeindruckende Vielfalt der Kaltbäder. Im Badebereich stehen insgesamt vier Kaltbäder zur Verfügung, und vor mir erstreckten sich ideal nebeneinander ein 14,5 °C kaltes Kaltbad und ein 20 °C warmes Mittelbad.
Ohne zu zögern tauchte ich vollständig in das 14,5 °C Kaltbad.
„Oh ja, genau das ist es…!"
Das kalte Wasser zog die erhitzte Haut sanft, aber unnachgiebig zusammen. Das 14,5 °C Kaltbad beim ersten Durchgang am frühen Morgen schüttet den Blutgefäßen im ganzen Körper einen starken Weckruf ein und sorgt dafür, dass der Kopf auf überraschende Weise klar und frisch wird.
Ich verließ das Kaltbad und ließ mich in einen erstklassigen Infinity-Chair im Erholungsbereich fallen. Ich ließ alle Kraft aus dem Körper weichen und versank tief in der Rückenlehne. Schon am frühen Morgen erlebte ich dieses tiefe, vollständige Totonou. Rundum sah ich, wie viele Herren trotz der frühen Stunde mit einem Ausdruck völliger Seligkeit auf den Stühlen lagen und vollständig die Welt um sich vergessen hatten.
Für den zweiten Durchgang steuerte ich die Finnische Sauna an.
Dies ist ein auf etwa 80 °C eingestellter Saunaraum, in dem man selbst löyly gießen kann. Im Vergleich zur Zeit vor der Renovierung hatte er eine leicht beruhigte Atmosphäre bewahrt und wirkte dabei ein wenig geräumiger. Im Inneren war ein Aromawasser mit frischem Zitrusduft aufgestellt, und ein herrlicher Duft erfüllte den ganzen Raum. Dieser Saunaraum besaß kein Fernsehgerät – stattdessen lud sanfte Hintergrundmusik gemeinsam mit Landschaftsvideos aus Finnland dazu ein, in tiefe Meditation zu versinken. Ich schloss die Augen und lauschte der inneren Stimme in mir.
Nachdem ich eine Weile die Stille genossen hatte, fragte mich der ältere Herr neben mir auf besonders freundliche und vornehme Art: „Darf ich bitte löyly gießen?" Ich antwortete ruhig: „Ja, bitte sehr." Daraufhin schüttete er mit geübter Hand das Aromawasser über die Steine. Ein kräftiges Zischen stieg auf, und der Zitrusduft breitete sich gemeinsam mit herrlichem heißen Dampf sanft im ganzen Saunaraum aus. Ich atmete diese heilige Luft tief durch die Nase ein und füllte meine Lungen bis in den letzten Winkel mit dem Zitrusduft. Genau deshalb lässt mich die Sauna nicht los.
Nach einer erneuten gründlichen Abkühlung im Kaltbad beendete ich – vom Wind umweht im Infinity-Chair liegend – meinen wunderbaren zweiten Durchgang.
Für den dritten Durchgang öffnete ich leise die Tür zur neu eingerichteten Whisking-Sauna, dem Herzstück dieses Umbaus. Dies ist ein durch die Renovierung neu entstandener, besonderer Saunaraum für das Whiskingverfahren.
Für Leser, die sich fragen, was Whisking überhaupt ist, möchte ich es kurz erläutern.
Whisking ist eine traditionelle Saunatherapie, die in Finnland und den baltischen Staaten seit Alters her überliefert ist. Dabei wird ein Bündel aus Birken- (Vihta) oder Eichenzweigen (Whisk) verwendet, um den Körper im heißen und feuchten Saunaklima zu klopfen, aufzulegen oder um den aromatischen Dampf der Zweige und Blätter über den ganzen Körper zu verteilen.
Ich hatte dies einmal zuvor erlebt, in der Einrichtung OND SAUNA in der Präfektur Saga – und der wilde, lebendige Birkenduft, das angenehme Gefühl der Blätter auf der Haut und die Empfindung, wie die Durchblutung im ganzen Körper auf dramatische Weise angeregt wurde, berühren mich noch heute so tief, dass mir beim Erinnern eine Gänsehaut über den Rücken läuft.
Dass nun ein Saunaraum, in dem man dieses Whiskingverfahren ganz alltäglich erleben kann, im Daitoyo entstanden ist – das ist schlicht erstaunlich.
Glücklicherweise war der Raum menschenleer, und ich hatte ihn ganz für mich allein. Da auch hier selbst löyly möglich war, goss ich behutsam Wasser über die Steine und erzeugte Dampf. Dann legte ich mich auf die im Raum aufgestellte Whisking-Liege und breitete – in aller Großzügigkeit – die Arme aus.
Mit geschlossenen Augen spürte ich den warm herabsinkenden Dampf von der Decke und ließ meinen Körper in liegender Position ganz langsam durchwärmen.
So endeten drei perfekte Saunarunden.
Drei Saunen, jede mit einem völlig anderen Charakter und Konzept. Und doch besaß jede einzelne eine kompromisslos hohe Qualität. Daitoyo ist einfach großartig. Ich musste einmal mehr tief und überzeugt nicken: Das ist zu Recht eine der herausragendsten Einrichtungen, auf die Osaka stolz sein darf.

Nach dem Verlassen des Daitoyo fuhr ich mit der Hanshin-Bahn zurück zum Bahnhof Koshien und kehrte ins Hotel zurück. Zu diesem Zeitpunkt überkam mich die Müdigkeit, also beschloss ich, bis zur Checkout-Zeit noch einen kleinen Mittagsschlaf (oder doch zweiten Morgenschlaf?) zu halten. Mein nächstes Ziel stand bereits fest. Das Thema dieser Wochenreise lautet: Orte aufsuchen, die mir in Erinnerung geblieben sind. Und so gibt es noch eine Einrichtung, die ich unbedingt besuchen möchte. Eine berühmte heiße Quelle, die ich während meiner Zeit in der Präfektur Hyogo immer wieder aufgesucht habe. Sie liegt in Takarazuka in der Präfektur Hyogo, und ihr Name ist Takarano-yu.





