5 Uhr morgens. Wie jeden Tag wachte ich auf, machte meinen Spaziergang, duschte und sprang sofort in mein Auto.
Die frühmorgendliche Fahrt durch die Naruto-Meerenge und über Awaji-shima ist einfach herrlich. Einen schnellen Kaffee am Awaji-Rastplatz, dann auf direktem Weg zum Osaka International Airport. Der Flug um 10:50 Uhr hob ab, und um 13 Uhr landete ich auf dem Memanbetsu-Flughafen.
Nach einem Curry-Mittagessen im Terminal holte ich mir meinen Mietwagen und fuhr los nach Utoro in der Gemeinde Shari – meinem Ziel. Mein Körper brannte darauf, endlich in diese Sauna zu steigen. Die kaum zu zügelnde Aufregung und Vorfreude brachten mich dazu, im Auto mehr als einmal laut aufzuschreien.
Um 16 Uhr erreichte ich endlich das Kitakobushi Shiretoko Hotel & Resort. Dieses traditionsreiche Onsen-Resort ist eines der bekanntesten in der Region Doto und liegt eingebettet in die majestätische Natur von Shiretoko, einem UNESCO-Weltnaturerbe. Nach dem Check-in warf ich mein Gepäck ins Zimmer und eilte sofort zum großen Aussichtsbadebereich Daikai-gen im 8. Stockwerk.
An diesem Nachmittag war UNEUNA für Männer zugänglich. Diese Sauna hatte ich unzählige Male in Zeitschriften und im Internet bewundert – ihr elegantes Design hatte mich stets in den Bann gezogen. Und nun stand ich endlich dort.
Als ich die Tür zum Badebereich öffnete, stockte mir der Atem angesichts der Aussicht, die sich mir bot.
Hinter den großen Fenstern erstreckte sich das Ochotskische Meer in einem tiefen, klaren Blau, so weit das Auge reichte. Der Himmel war wolkenlos. Nichts stand im Weg. Neben dem Innenbad befand sich ein Außenbad ohne Fensterscheiben, wo man den Seewind von Shiretoko unmittelbar spüren konnte. Unzählige Möwen kreisten am Himmel, ihre Rufe hallten bis in den Baderaum. Wie kraftvoll die Natur doch klingt. Das hat mich wirklich überrascht.
Zuerst reinigte ich mich und ließ mich dann in die hochwertigen Naturthermen des Innenbades sinken. Ich spürte, wie das sanft auf der Haut liegende Wasser die Muskeln, die durch die lange Reise seit dem frühen Morgen verspannt waren, langsam löste. Beim Blick auf die Meereslandschaft des Ochotskischen Meeres fühlte es sich an, als würde sich meine Seele reinigen.
Nachdem das Aufwärmen abgeschlossen war, öffnete ich endlich die Tür zu UNEUNA. Der ersehnte Raum war nur noch wenige Schritte entfernt. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.
Als ich den Saunaraum betrat, war ich von seiner schönen Formgebung überwältigt. Japans erste 3D-Holzsauna aus einheimischem Hinoki-Zypressenholz. Die fließenden Kurven, die an eine Höhle aus Holz erinnern sollen, umhüllten den gesamten Raum. Es war kein Wunder, dass sie mit dem Wood Design Award, ausgezeichnet mit dem Preis des Direktors der Forstbehörde (Rinyacho Chokan-sho), prämiert wurde. Ich schaute mich wie ein Eindringling im Raum um und seufzte: „Was für ein wunderschönes Design."
Auf der Bank sitzend konnte ich durch das große Fenster gegenüber das Meer von Shiretoko überblicken. Es näherte sich der Abend, und das klare Blau des Tages wandelte sich langsam in wärmere Farbtöne, als die Nacht heranzog. Während ich vage daran dachte, ob hinter diesem weiten Meer wohl Russland liegt, erhellte sich der Bereich um den Ofen, und die automatische Löyly-Schaltung wurde aktiviert. Bei einer Temperatur von 90 Grad füllte sich der kompakte Raum mit Dampf, was die gefühlte Temperatur schlagartig ansteigen ließ. Schweiß brach aus dem ganzen Körper. Schließlich hatte ich genug und verließ den Saunaraum.
Die Führung vom Saunaraum direkt zum Kaltbad war ebenfalls perfekt durchdacht. Das Bad bot Platz für etwa drei Personen und war mit einer Tiefe von 90 cm bewusst tief gehalten. Die Wassertemperatur betrug 15 °C. Als ich den Kopf unter Wasser tauchte, durchfuhr mich ein Frischegefühl, das bis in den Scheitel reichte. Der erhitzte Körper strafte sich auf einen Schlag.
Nach ausreichender Abkühlung bewegte ich mich zur Dachterrasse TOKONOU-Terrasse. Eine wirklich clevere Wortschöpfung, die „Shiretoko“ und „totonou“ miteinander verbindet. Für jemanden, der Sauna nicht kennt, ist das wohl völlig unverständlich, aber für uns gibt es kaum einen nachvollziehbareren Begriff.
Als ich mich in den Stuhl auf der Terrasse sinken ließ, breitete sich vor mir das endlos scheinende Ochotskische Meer aus. Hier gibt es eine schönere Aussicht als von jedem Aussichtspunkt. Auch die Temperatur ist perfekt. Obwohl es Ende Juli ist, liegen die Tagestemperaturen in Shiretoko bei 23 °C. Die angenehme Kühle und die Meeresbrise streichen sanft über die Haut. Es sind genau die Bedingungen, unter denen man ewig draußen baden kann. Wenn mich jemand fragt, welche äußere Abkühlung die beste meines Lebens war, würde ich sofort antworten: Kitakobushi Shiretoko. So schön und so erhaben ist dieses Erlebnis.
Wie lange hatte ich wohl draußen gesessen? Ich wusste nicht einmal, wie viel Zeit vergangen war. Nur langsam senkte sich die Sonne, und ich spürte, wie die Nacht näher rückte.
Heute habe ich seit dem Morgen nicht auf mein Smartphone geschaut. Ich weiß weder, was in der Welt passiert ist, noch von wem Nachrichten gekommen sind. Aber das ist egal. Sich von Informationen zu lösen und den Kopf leer werden zu lassen, ist der größte Luxus der Gegenwart.
Ich gehe zum zweiten Durchgang. Als ich erneut den Saunaraum von UNEUNA betrat, bemerkte ich, dass sich das Hinoki-Holz durch die Alterung in ein bernsteinfarbenes, gereiftes Aussehen verwandelt hatte. Seit der Fertigstellung sind die Jahre vergangen, und es hat noch mehr Charakter und Tiefe gewonnen. Wie viele Menschen mag dieser Raum wohl schon tief berührt haben? Ich bin von Herzen froh, einen Teil seiner Geschichte miterleben zu dürfen.
Ohne nachzudenken erhitzte ich meinen Körper, blickte auf das Meer, ließ mich von der Schönheit der Form beeindrucken und ging dann wieder zum Kaltbad. Erneut vertraute ich mich der Kälte an, die bis in den Scheitel drang, und meine Füße fanden ganz von selbst den Weg zur Dachterrasse.
Die Farbe des Himmels hat noch mehr Tiefe gewonnen. In der Stille, während ich im Wind von Shiretoko stand, wurde mir plötzlich bewusst, dass bereits ziemlich viel Zeit vergangen war. Es wird wohl langsam Zeit, mich auf den Weg zu machen.


Übrigens gibt es, wenn man im Kitakobushi Shiretoko Hotel & Resort übernachtet, den wunderbaren Vorteil, dass man das große Badehaus des von derselben Gruppe betriebenen KIKI Shiretoko Natural Resort kostenlos nutzen kann. Auch dort handelt es sich um eine der herausragendsten Saunaanlagen Japans, einen Ort, der mir schon seit Langem das Herz brennen lässt. Allerdings muss man vor 18 Uhr eintreten.
So schade es auch ist, hier sollten wir die Saunanutzung erst einmal beenden. Der dritte Durchgang wird im KIKI Shiretoko fortgesetzt.
Ein Saunaerlebnis, das über großartige Einrichtungen hinweggeht. Wie viele Saunagänge werde ich heute wohl noch machen? Und welche Überraschungen werden mich im KIKI Shiretoko erwarten? Die Reise des Neustarts hat gerade erst begonnen.





