In eine heiße Quelle zu sinken und dabei die wunderschöne Naturlandschaft zu betrachten – das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Denn diese Kulisse, geformt durch gewaltige Naturkräfte und unfassbar lange Zeiträume, lässt sich niemals künstlich erschaffen.
Meine Hokkaido-Sauna-Reise nähert sich nun dem Höhepunkt. Nachdem ich den wilden, ursprünglichen Morgen in der Yunyado Daiichi in Nakashibetsu in vollen Zügen genossen hatte, steuerte ich meinen Wagen zum nächsten Ziel: dem Akan-See. Auf dem Weg hielt ich am Mashu-See an und brannte mir das berühmte „Mashu-Blau“ tief ins Gedächtnis. Über mir erstreckte sich ein wolkenloser, strahlend blauer Himmel. Wenn das so weitergeht, wird die Schönheit des Akan-Sees wahrlich außergewöhnlich sein. Diese Reise verläuft einfach zu perfekt. Der erste Tag gehörte dem „Meer“ von Shiretoko, der zweite dem „Wald“ von Nakashibetsu, und heute ist es der „See“ von Akan. Mit jedem Tag verändert sich die Weltanschauung grundlegend, und damit werden auch meine eigenen Empfindungen immer wieder neu abgestimmt. An jedem Ort kann ich vollkommen in Erfahrungen eintauchen, die es nur dort gibt.
Ich stellte das Auto auf dem Parkplatz am Ufer des Akan-Sees ab und machte mich direkt zu Fuß auf den Weg zum „New Akan Hotel“. Die Unterkunft für diese Nacht war zwar ein anderes Hotel, aber die dortige Panorama-Sauna und das berühmte Quellwasser-Bad durfte ich auf keinen Fall auslassen. Pünktlich um 14 Uhr kam ich an, genau zur Öffnungszeit der Tagesnutzung.
Ich meldete mich in der offenen, lichtdurchfluteten Atrium-Lobby an und ging dann in das Aussichtshauptbad im 9. Stock des Shangri-La-Gebäudes. Da die Tagesnutzung gerade erst begonnen hatte, waren nur wenige Menschen da. Ich unterdrückte meine Vorfreude, zog mich in der Umkleide aus und öffnete die Tür des großen Bades „Unkai“. In diesem Moment bot sich mir ein unvorstellbarer Anblick.
Jenseits der riesigen verglasten Fenster breitet sich der majestätische Akan-See wie ein Panorama aus. Umgeben von tiefen Wäldern und dem Berg O-Akan, spiegelt die spiegelglatte, wellenlose Seeoberfläche den tiefblauen Himmel und die weißen Wolken unverändert wider. Dieser See, entstanden als Caldera eines Vulkans, besitzt eine stille und doch geheimnisvolle Kraft. Aussichtspunkte muss man dafür nicht extra besuchen. Dieses Hauptbad ist der beste Aussichtspunkt überhaupt, um den Akan-See in seiner schönsten Form zu betrachten.
Ich zwang mich zur Ruhe, reinigte meinen Körper und machte mich zunächst auf den Weg zum halb offenen Bad, das frische Außenluft hereinlässt. Auch das große Innenbad ist wunderbar, aber ich möchte die Natur schließlich direkt spüren.
Ich setzte mich an den Rand des Freiluftbads und blickte einfach nur still auf den vor mir liegenden Akan-See. Wenn man diese Landschaft vor sich hat, die seit uralten Zeiten unverändert zu sein scheint, verlieren die kleinen Sorgen des Alltags sofort ihre Bedeutung. Die Aussicht, die ich jetzt von diesem Freiluftbad aus sehe, kann ich nur jetzt sehen. Damit ich sie nie vergesse, will ich sie mir so tief wie möglich einprägen.
Nachdem ich mich im berühmten Heilwasser gründlich erwärmt hatte, war es endlich Zeit für die Sauna. Selbst wenn ich den gesamten Badebereich überblicke, sind nur etwa fünf Gäste da. Als ich die Tür des Saunaraums öffnete, war niemand vor mir drin. Ich hatte den Raum ganz für mich allein. Es war die richtige Entscheidung, genau diese ruhige Zeit direkt nach Beginn des Check-ins zu nutzen.
Der Saunaraum ist eine 90 °C heiße Trockensauna. In dem Moment, als ich eintrat, stieg mir ein bis dahin völlig unbekannter, schwer beschreibbarer und wunderbar angenehmer Duft in die Nase. Was ist das nur? Es ist anders als der übliche Duft von Birke oder Vihta. Laut der offiziellen Website soll es ein hotelspezifisches Aroma-Wasser sein, doch die genaue Zusammensetzung kenne ich nicht. Dieser unbekannte Duft verstärkt jedoch das Gefühl des Außergewöhnlichen noch weiter.
Ich gieße Aromawasser auf den Ofen und mache Self-Löyly. Mit dem angenehmen Geräusch von „Zschschhh“ erfüllt der heiße, duftende Dampf den ganzen Raum auf einmal. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, es ist nicht erstickend, aber das Schwitzen wird zuverlässig angeregt. Als ich zufällig den Blick hebe, sehe ich durch das Fenster des Saunaraums sogar über das Innenbad hinweg den Akan-See. Während ich die Aussicht genieße, von einem erstklassigen Duft umhüllt werde und still vor mich hinschwitze. Ist so ein Luxus überhaupt erlaubt? Ja, ist er.
Nachdem mein Körper ausreichend durchgeheizt ist, verlasse ich den Saunaraum. Direkt daneben wartet das Wasserbad mit dem „Kushiro Akan Jahrhundertwasser“. Ein unterirdischer Wasserstrom, den die reiche Natur Akan über lange Zeit tief im Boden gefiltert hat. Ich nehme mir Wasser über den Körper und lasse mich langsam hinein sinken.
„……Aaahh“
Ein Laut entwich mir unwillkürlich. Kalt. Aber nicht diese stechende, gewaltsame Kälte. Es ist eine samtige, die Haut sanft umhüllende, überwältigende Weichheit. In diesem berühmten Wasser, das die Segnungen der Erde in sich trägt, ziehen sich die erhitzten Blutgefäße schlagartig zusammen, und ich spüre, wie jede Zelle meines Körpers vor Freude jubelt.
Von dort aus gehe ich in den Bereich des Freiluftbads und lasse mich in einen Ruhe-Chair fallen. Vor mir liegt die atemberaubende Aussicht auf den Akan-See, während der kühle Wind vom Seeufer über meinen ganzen Körper streicht. Wenn ich die Augen schließe, dringen der Nachklang des eben noch wahrgenommenen hoteleigenen Aromas und die klare Luft von Akan tief in meine Lungen ein. Perfekt.
Auch das zweite Set war natürlich ein wunderbares Erlebnis. Der Duft des hoteleigenen Aromas, der den Saunaraum erfüllt, ist wirklich etwas ganz Besonderes nur hier. Ein Geruch, den ich in keiner anderen Einrichtung je erlebt habe. Genau das ist der wahre Reiz des Reisens. Indem man Schritt für Schritt Erfahrungen sammelt, die es nur an diesem Ort gibt, wird das Leben reicher.
Ich kühle meinen Körper noch einmal im erstklassigen Wasserbad mit dem „Akan-Jahrhundertwasser“ ab und werde bei der Außenluftanwendung eins mit dem Himmel über dem Akan-See. Wenn ich den endlos weiten blauen Himmel betrachte, komme ich mir selbst winzig vor, doch seltsamerweise fühlt sich das angenehm an. Die Freude, das eigene Ego loszulassen, vor der Größe der Natur. Genau deshalb kann ich von Saunareisen einfach nicht genug bekommen.


So widerwillig ich auch war, ich beschloss, die Saunasession im New Akan Hotel nach zwei Sets zu beenden. Normalerweise würde ich drei oder vier Sets dranhängen, aber heute ging das nicht.
Denn mein letztes Ziel des Tages lag ganz in der Nähe. Eine Spitzenanlage in Hokkaido, die einen Panoramablick auf den Akan-See bietet und zugleich eine außergewöhnliche Sauna beherbergt, die als weltweit erste ihrer Art gilt. Ihr Name lautet „Akan Yuku-no-Sato Tsuruga“. Tatsächlich konnte man sogar von der Freiluftbadewanne des New Akan Hotels aus das stattliche Gebäude sehen. Es sind nur wenige Minuten zu Fuß.
Mit einem Körper, der durch erstklassiges Aroma und Jahrhundertwasser vollkommen aufgeladen war, schleppte ich mich zu meiner nächsten und zugleich letzten Sauna dieser Reise. Das Finale meiner Saunareise stand nun endlich kurz bevor.





