Auf einer Saunareise steht die Sauna im Mittelpunkt – Shoppen und Vergnügen in der Ausgehmeile sind Nebensache. Ich schlendere durch Osaka Shinsaibashi, eines der belebtesten Vergnügungsviertel Japans, doch mein Ziel ist weder ein Restaurant noch ein Einkaufszentrum noch ein Bordell. Es ist die Sauna.
Ich laufe durch die Shinsaibashi-Einkaufsstraße und stehe schließlich vor dem Gebäude von Osaka Sauna DESSE. Als ich mich dem Aufzug nähere, treffe ich auf zwei blondhaarige Typen, die aussehen wie Hostclub-Männer. Sie wirken völlig erschöpft – wohl eine Nacht damit verbracht, Frauen zu becircen. Ich denke so bei mir: Nach einer Runde Sauna werden auch die beiden wieder frisch und können einen neuen Tag beginnen. Mit diesen überflüssigen Gedanken im Kopf erreiche ich das 4. Stockwerk.
Schon im Moment, als ich aus dem Aufzug steige, bin ich überzeugt: Das wird großartig. Zuerst der Duft – ein wunderbares Holzaroma durchzieht die gesamte Anlage. Ich stelle mir vor, dass es im Saunaraum genauso gut riechen wird, und meine Vorfreude wächst. Auch das Personal strahlt Energie aus. Die herzliche Begrüßung macht sofort Lust auf Sauna.
Bevor ich in den großen Badebereich gehe, verschaffe ich mir einen Überblick. Osaka Sauna DESSE bietet sechs verschiedene Saunen: die Fluss-Sauna, die Wald-Sauna, die Wasseroberflächen-Sauna, die Hanare-Sauna, die Teehaus-Sauna und die Garten-Sauna – jede mit einem eigenen Konzept. Es gibt vier Kaltbecken mit Temperaturen von 16 °C, 15 °C, 12 °C und 8 °C. Natürlich sind auch die Ruhebereiche bestens ausgestattet. Eine Anlage, die wirklich für Saunafans gemacht wurde. Voller Vorfreude mache ich mich auf den Weg in den Umkleideraum.
Wie immer ziehe ich mich in Sekunden aus und betrete den Badebereich. Im selben Moment glaube ich, in eine andere Welt geworfen worden zu sein. Ein dunkel-modernes Ambiente, durchzogen vom Duft von Aroma – eine ausgesprochen luxuriöse Atmosphäre. Zuerst überblicke ich schnell das Layout: Wo befinden sich die sechs Saunen? Sind die Wege von der Sauna zum Kaltbecken gut durchdacht? Perfekt. Dann plane ich meine Runden. Ich muss die Besonderheiten jeder Sauna verstehen und sie in der Reihenfolge anordnen, die meinen Körper optimal in Schwung bringt.
Nach reiflicher Überlegung beginne ich mit der Fluss-Sauna. Sie ist die größte der sechs Saunen in Osaka Sauna DESSE – und gleichzeitig die ungewöhnlichste. Dazu gleich mehr. Die Fluss-Sauna hat zwei Saunaöfen, und ein angenehmes Holzaroma erfüllt den Raum. Im Hintergrund läuft der Soundtrack der Drama-Serie „Sa-Dō“. Dass es keinen Fernseher in der Saunakabine gibt, ist ebenfalls großartig. Ich schließe langsam die Augen und beruhige meinen Geist. Eine Weile lang herrscht einfach nur „Nichts“, und ich habe schon ordentlich geschwitzt. Es wird Zeit für das Kaltbecken.
Vorhin schrieb ich, die Fluss-Sauna sei die ungewöhnlichste Sauna. Das liegt daran, dass sich in der Saunakabine ein Kaltbecken befindet, das mit dem Außenbecken verbunden ist und durch das man hindurchtauchen kann, um sich zu bewegen (also die Saunakabine verlassen kann). Eine Kaltbecken-in-der-Sauna-Konstruktion. Ich habe schon viele verschiedene Saunaanlagen besucht, aber es war meine erste Erfahrung, die Sauna zu verlassen, ohne die Tür der Saunakabine zu öffnen.
In der zweiten Runde gehe ich in die Wald-Sauna. Die Wald-Sauna ist die heißeste „Hochtemperatur-Dampfsauna“ in Osaka Sauna DESSE. Üblicherweise sind Dampfsaunen oft auf etwa 60 bis 70 °C eingestellt. Doch die Wald-Sauna in Osaka Sauna DESSE hatte 93 °C. Eine Dampfsauna mit 93 °C hatte ich noch nie betreten. In dem Moment, als ich die Saunakabine betrat, wurde ich von einem extrem heißen Dampf überrollt. Sie ist dreistufig aufgebaut, aber ganz oben konnte ich unmöglich hinauf. Schon mit der ersten Stufe war ich am Limit. Selbst eine Trockensauna mit 93 °C wäre schon heiß, aber hier kommt noch der Dampf hinzu, wodurch die Luftfeuchtigkeit hoch ist und sich alles noch viel heißer anfühlt. Nach fünf Minuten war ich am Ende und stieg in das Kaltbecken aus einem Metallfass. Der Kontrast zwischen dem 93 °C heißen Dampf und dem eiskalten 12 °C-Kaltbecken ist ein Hochgenuss. Schon nach der zweiten Runde war ich so überwältigt, dass ich auf dem Stuhl etwa zehn Minuten lang das Bewusstsein verlor.
In der dritten Runde gehe ich in die Wasseroberflächen-Sauna. Die Wasseroberflächen-Sauna ist eine Dampfsauna, in der man auf einer sanft geschwungenen Bank in halb liegender Position entspannen kann. Während ich mich am guten Kräuterduft erfreue und zur Decke hinaufblicke, spiegelt sich das Wasser des Kaltbeckens neben der Saunakabine und lässt Lichtreflexe entstehen. Angenehme Temperatur, Kräuterduft und die an die Decke projizierten Lichtreflexe. Eine Sauna, die alle fünf Sinne anspricht. Ich faltete die Hände und betete: „Möge diese wunderbare Saunareise noch lange weitergehen.“
In der vierten Runde gehe ich zur Hanare-Sauna. Die Hanare-Sauna ist eine schmale Saunakabine mit Self-Löyly, wird auch für Whisking verwendet und man kann sich darin sogar hinlegen. Sie steht ganz hinten im Badebereich still und leise, ganz passend zum Konzept des „Hanare“. Der Raum ist dunkel und ein perfekter Ort zum Meditieren. Da außer mir niemand dort war, legte ich mich auf die obere Stufe. Saunieren im Liegen wärmt den Körper gleichmäßig auf. Die sanfte Hitze reizt meinen Körper, und obwohl ich heiß werde und reichlich schwitze, überwiegt das Wohlgefühl. Ich denke, die feine Balance aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Duft macht genau das aus.
Ich ging ins Kaltbecken und verlor im Ruhebereich erneut das Bewusstsein. Es wird langsam Zeit für die letzte Runde.
In der fünften Runde gehe ich in die Teehaus-Sauna. Die Teehaus-Sauna ist, wie der Name schon sagt, eine Sauna, die dem Thema Teehaus gewidmet ist, und der Raum ist mit Tatami ausgelegt. Anders als in einer gewöhnlichen Sauna gibt es keine Bänke. Man sitzt im Schneidersitz auf dem Tatami-Boden und konzentriert den Geist. Das Einzigartigste an der Teehaus-Sauna war der riesige Teekessel über dem Saunaofen. Im Kessel befindet sich Tee, der in kleinen Mengen auf die Saunasteine tropft. Dadurch entsteht ständig Teedampf, was äußerst wohltuend ist. In einem schönen Teehaus nackt zu sitzen und dabei reichlich zu schwitzen, ist eine fast schon verbotene Art von Vergnügen. Ich genoss die Teehaus-Sauna bis an meine Grenzen und stürzte mich anschließend ins Kaltbecken.


Nach fünf Runden war ich ein völlig leere Hülle. Ich legte mich im Ruheraum neben dem Umkleidebereich hin und konnte mich eine Weile nicht aufraffen. Wie lange ich weggedämmert war, weiß ich nicht mehr. Hunger brachte mich zurück ins Bewusstsein – eine sehr menschliche Reaktion.
Nach einem perfekten Saunaerlebnis folgt das gute Essen. Genau dafür geht man in die Sauna, könnte man sagen. Ich begebe mich in den Gastronomiebereich der Anlage und bestelle hausgemachten Chashu-Donburi, finnische Gemüsesuppe und gegrilltes Schweinefleisch mit Ingwer. Ich esse, was ich möchte und so viel ich möchte. Auf Reisen folge ich rückhaltlos meinen Gelüsten.
Nach kurzer Wartezeit kommt das Essen. Zuerst die finnische Gemüsesuppe – sie dringt bis in die tiefsten Winkel meines von der Sauna ausgelaugten Körpers. Köstlich. Dann abwechselnd der hausgemachte Chashu-Donburi und das Ingwer-Schweinefleisch. Finnische Gemüsesuppe → Chashu-Donburi → finnische Gemüsesuppe → Ingwer-Schweinefleisch – ein perfekter Loop, genauso wie Sauna → Kaltbecken → Pause. Nicht nur mein Körper, auch mein Magen wurde vollständig von Osaka Sauna DESSE vereinnahmt. Ich liebe diesen Ort.
Auf dem Rückweg treffe ich im Aufzug erneut auf die beiden Hostclub-Typen von vorhin. Die beiden, die beim Einsteigen todmüde aussahen, wirkten jetzt wie ausgewechselt – frisch, aufgeräumt, strahlend. Einer sagte: „War der Wahnsinn, oder?“ Der andere antwortete: „Wirklich der Wahnsinn. So kann ich erstmal wieder eine Weile durchhalten!" Ich glaube, Saunen haben die Kraft, das Leben zum Guten zu wenden.
Nachdem ich Osaka Sauna DESSE verlassen hatte, fuhr ich weiter nach Higashi-Osaka, um zu meinem nächsten Ziel zu gelangen. In Higashi-Osaka gibt es zwar einige wunderbare Onsen- und Saunaanlagen, aber für diesen Abend habe ich mich entschieden, zum Naniwa Health Land Yūtopia zu gehen. Die Osaka-Saunareise geht noch weiter.





