Am Freitagnachmittag muss ich mich entscheiden, ob ich die Saunareise schon heute Abend beginne oder erst am nächsten Morgen.
Die Häuser, die ich besuchen will, stehen schon auf meiner Liste. Ich lege fest, wohin es diese Woche geht, wäge die Fahrtzeit von zu Hause bis zum Ziel, die Hotelpreise und Ähnliches ab und treffe dann meine endgültige Entscheidung.
Diese Woche plane ich eine Saunareise in der Präfektur Hiroshima, und es gibt vier Häuser, die ich besuchen möchte. Bei dieser Anzahl könnte ich problemlos am Samstagmorgen aufbrechen, doch der Wetterbericht macht mir ein wenig Sorgen. Am Sonntag soll eine heftige Kältewelle kommen, die den Verkehr beeinträchtigen könnte. Dann ist es wohl am klügsten, die Saunareise schon am Freitag zu beginnen und am Sonntag früh nach Hause zu fahren. Kaum hatte ich das gedacht, hatte ich schon Feierabend gemacht und war von zu Hause aufgebrochen.
Von zu Hause fuhr ich mit dem Auto zum Bahnhof Utazu bei Sakaide in der Präfektur Kagawa, von dort mit dem Zug zum Bahnhof Okayama und vom Bahnhof Okayama mit dem Shinkansen nach Hiroshima. Ein Hotel hatte ich noch nicht, also buchte ich während der Fahrt im Shinkansen zwei Nächte im Hiroshima Pacific Hotel. Warum gerade dieses Hotel? Weil es eine gute Sauna hat.
Im Hiroshima Pacific Hotel gibt es Kamenoya, eine Sauna nur für Männer. Heute wollte ich hier die Sauna bis zum Letzten auskosten. Um 21:00 Uhr kam ich im Hotel an und ging direkt in die Sauna. Im sauberen Umkleideraum zog ich mich um und betrat das große Bad. Es ist schlicht aufgebaut: Sauna, Tauchbecken, ein Becken mit einfachem warmem Wasser. Die Fülle eines Super-Sento fehlt, aber viele Möglichkeiten garantieren noch kein angenehmes Saunaerlebnis. Manchmal entsteht gerade aus der Schlichtheit ein herausragendes Erlebnis.
Die Sauna selbst kommt an die 100 °C heran, und die Hitze ist kraftvoll. Dank genügend Luftfeuchtigkeit fühlt man sich trotzdem wohl. Denn alle 15 Minuten gibt es einen Automatikaufguss. Auch die Stimmung im Saunaraum ist schön: Im gedämpften, dunklen Raum schließt man ganz von selbst die Augen. Die Sitzflächen der Bänke sind breit, und man sitzt entspannt, ein großes Plus. Ich wärmte mich eine Weile auf, und als ich meine Grenze nahen spürte, ging ich ins Tauchbecken.
Das Tauchbecken ist mit etwa 13 °C sehr kalt. Der in der fast 100 °C heißen Sauna aufgeheizte Körper kühlt auf einen Schlag ab. Danach setzte ich mich auf einen Stuhl neben dem Tauchbecken und versank in einem überwältigenden Wohlgefühl. Mit Geschäftsreisen habe ich in meinem Leben nichts zu tun, aber hätte ich einen Job, der mich durchs ganze Land schickt, und müsste ich einmal nach Hiroshima, würde ich ohne Zweifel im Hiroshima Pacific Hotel übernachten. Mit einer so guten Sauna wäre die Müdigkeit jeder Dienstreise im Nu verflogen.
Zweite, dritte, vierte Runde: Sauna, Tauchbecken, Pause, immer wieder. Der Raum ist schlicht und kompakt, sodass man sich ganz auf die Sauna konzentrieren kann, und weil es eine Hotelsauna ist, sind nur wenige Leute da. Großartig. Als ich die vierte Runde beendet hatte, kam mir ganz von selbst ein „Einfach herrlich!“ über die Lippen. Jetzt nur noch zurück aufs Zimmer, und dann wollen wir doch mal schön träumen.

Am nächsten Morgen wachte ich um 6 Uhr auf. Nach der Sauna gestern Abend hatte ich mich beim Fernsehen entspannt, und offenbar war ich irgendwann dabei eingeschlafen.
Nun, dann gehe ich zur Morgensauna.
Die Sauna im Hiroshima Pacific Hotel kann auch morgens von 5:00 bis 9:00 Uhr genutzt werden. Als Weckruf: eine Runde Sauna und Kaltwasserbad. Die Sauna am Abend genießt man in mehreren Durchgängen und ganz in Ruhe, aber die Morgensauna beendet man nach nur einer Runde. So kann man Körper und Geist einen Impuls geben. Selbst wenn man schläfrig ist und sich müde fühlt, stellt eine einzige Runde Morgensauna den Körper komplett auf Empfang. Außerdem ist auch das Frühstück besonders lecker, wenn man vorher in die Morgensauna geht – das ist einer meiner Lieblingspunkte.
Nach dem Frühstück genoss ich in einem nahegelegenen Café einen morgendlichen Kaffee und machte mich dann auf den Weg zur nächsten Einrichtung.

