Eine Reise von nur einer Nacht reicht aus, um den Alltag komplett zurückzusetzen – als würde ein neues Leben beginnen. Der einzige Unterschied ist, ob man im eigenen Bett schläft oder unterwegs. Und doch ist die Energie, die man morgens spürt, eine völlig andere. Außerdem merke ich nach jeder Reise, dass auch die Energie zu Hause danach höher ist. Den genauen Mechanismus dahinter verstehe ich nicht, aber dass Reisen meinen Alltag bereichert, steht außer Frage.
Nun ist der zweite Tag meiner Nara-Saunareise angebrochen. Ich gehe morgens im Nara Royal Hotel in die Sauna und plane den Tag. Wie immer forme ich meinen Plan erst unterwegs – das ist mein Stil. Ich breche ohne feste Pläne auf und lasse mich von Eingebungen und Impulsen leiten. Wer das hört, mag denken, dass er mit mir lieber nicht reisen möchte – aber merkwürdigerweise wird jede Reise großartig.
Also muss ich entscheiden, wohin es als nächstes geht. Ich weiß, dass ein paar Minuten mit dem Auto vom Hotel entfernt eines der größten Super-Sentos der Präfektur Nara liegt. Ich weiß auch, dass es dort mehrere Saunen und ein Kaltwasserbad mit Grundwasser gibt. Schon lange wollte ich dorthin. Also los. Das Ziel ist Yurara no Yu Nara. Im vergangenen Jahr habe ich beim Saunatrip die Schwesterfiliale Yurara no Yu Oshikuma besucht, womit ich nun alle Filialen der Yurara no Yu abgehakt habe.
Als ich bei der Anlage ankomme, ist der Parkplatz trotz früher Stunde fast voll. Ich finde gerade noch einen freien Platz, erledige den Check-in und gehe in den großen Badebereich. Nachdem ich mich umgezogen habe, betrete ich den Raum – eine offene, hohe Halle, in der verschiedene Badebecken aufgereiht sind. Zunächst verschaffe ich mir einen Überblick: Wo sind die Saunen, das Kaltwasserbad, die Trinkwasserstellen? Bei einem ersten Besuch lohnt es sich immer, erst den Grundriss zu kennen, denn das steigert die Qualität der gesamten Erfahrung enorm. Wer ohne Orientierung badet, verliert den Rhythmus – deshalb schaue ich mir das jedes Mal zuerst an.
Nach dem Duschen gehe ich direkt in die Sauna. Der Raum ist sehr geräumig, mit zwei großen Infrarotstrahlern nebeneinander und einem Fernseher. Es ist keine finnische Steinsauna, aber der Infrarotstrahler hat etwas vertraut Japanisches an sich, das ich sehr mag. Die Wärme ist kräftig und der Körper wird schnell warm. Hinter mir sitzen zwei Männer, die sich über ihre Arbeit beklagen. Nach drei Runden Sauna und Kaltwasserbad werden sie sich sicher viel besser fühlen.
Nachdem ich mich ordentlich aufgewärmt habe, gehe ich zum Kaltwasserbad mit Grundwasser. Größe und Tiefe sind hervorragend – selbst wenn viele Leute da sind, dürfte es keine Warteschlange geben. Die Temperatur beträgt 14 °C, und das Grundwasser hat eine angenehm weiche Qualität, die sich wirklich wohlig anfühlt. Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass der Weg vom Kaltwasserbad zur Außenbadezone weit ist und es im Innenbereich kaum Ruheplätze gibt. Im Winter möchte man lieber drinnen ausruhen als draußen in der Kälte – ein paar zusätzliche Stühle im Innenbereich wären wirklich hilfreich. Erwartungsgemäß war es draußen sehr kalt, weshalb ich mich schließlich auf einem Stuhl im Waschbereich ausgeruht habe.
Neben der Hauptsauna bietet Yurara no Yu Nara auch eine Salz-Mist-Sauna und eine Mugi-Hanseki-Sauna (Gersten-Granit-Sauna). Die Salzsauna war jedoch außer Betrieb, und die Mugi-Hanseki-Sauna war temperaturtechnisch nicht ganz befriedigend – deshalb habe ich meine drei Runden ausschließlich in der Hauptsauna absolviert.


Nach dem Verlassen des großen Badebereichs und dem Umziehen wollte ich im Restaurant der Anlage essen – aber das Mittagsangebot hatte noch nicht begonnen. Ein Blick auf die Uhr zeigte 10:30 Uhr. Mein innerer Rhythmus hatte mir gesagt, es sei schon Mittag. Nach Hause fahren war noch zu früh, und ich wollte noch nicht weg. Als ich überlegte, was ich als nächstes tun sollte, fiel mir ein, dass ich noch einen Film sehen wollte. Ich hatte mir vorgenommen, Eikou no Backhome, das Biopic über den Hanshin Tigers-Spieler Yokota aus der japanischen Profibaseballliga, im Kino anzuschauen. Eine Google Maps-Suche nach Kinos in der Nähe brachte ein Aeon Mall zum Vorschein, nur wenige Fahrminuten entfernt.
Dort würde ich zu Mittag essen, die Zeit im Einkaufszentrum verbringen und dann den Film anschauen. Und auf dem Weg nach Hause würde ich noch in Osaka oder Umgebung einen weiteren Saunabesuch einplanen. Mit diesem Plan im Kopf verabschiedete ich mich von Yurara no Yu Nara.





