Woran denkt man, wenn man Yobuko in Saga hört? Was möchte man als Erstes probieren, wenn man nach Yobuko kommt?
Die meisten würden wohl antworten: Tintenfisch.
Ich nicht. Was ich in Yobuko als Allererstes genießen will, ist die Sauna.
Nachdem ich mittags im Kanigoten Ariakekai-no-Yu mit Blick auf das Ariake-Meer die Sauna ausgekostet hatte, fuhr ich stur immer weiter nach Norden durch die Präfektur Saga und checkte in einem Hotel in Karatsu ein. Vom Ariake-Meer ans Genkai-Meer. In nur wenigen Stunden war ich also vom südlichen Meer Sagas an sein nördliches gewechselt. Ich ließ mich aufs Bett fallen und starrte eine Weile an die Decke. Der Nachhall der Mittagssauna steckte mir noch tief in den Knochen.
Als die Sonne tiefer stand, ließ ich den Motor wieder an und machte mich auf nach Yobuko.
Von Karatsu nach Yobuko sind es mit dem Auto etwa 30 Minuten. Als ich ankam, war es bereits stockdunkel. Yobuko ist eine „Morgenstadt“, bekannt für ihren Morgenmarkt, der zu den drei großen Morgenmärkten Japans zählt. Nachts liegt Yobuko still da, kaum ein Laden hat geöffnet. Doch die im Hafen vertäuten Fischerboote, der Geruch des Meeres, das Rauschen der Wellen von irgendwoher – die Luft einer Hafenstadt war auch bei Nacht ganz deutlich da.
In einer Ecke dieses Städtchens steht ein Hotel namens Nakao Jinroku HOTEL. Im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss dieses Hotels befindet sich mein heutiges Ziel: die JIN6 Sauna.
Ich durchquerte die stilvolle Lobby und meldete mich an. Die JIN6 Sauna ist eine gemischte Sauna für Männer und Frauen, also lieh ich mir Badekleidung, zog mich am Schließfach um und ging in den Badebereich.
Grundsätzlich meide ich gemischte Saunen. Aber es gibt Ausnahmen. Wenn es eine Welt oder eine Sauna gibt, die man nur dort erleben kann, gehe ich auch in eine gemischte Sauna. Und die JIN6 Sauna ist genau die Ausnahme unter den Ausnahmen.
Als ich den Badebereich betrat, war es 19 Uhr. Nur etwa vier Gäste waren da. Ein so umfangreiches Haus würde ich also fast für mich allein haben. Auf dieser Reise bleibe ich aus irgendeinem Grund ständig von Andrang verschont. Ich kann mir das nur so erklären, dass der Saunagott meine Reise unterstützt. Übrigens sollte diese wunderbare Glückssträhne bis zum Ende der Reise anhalten – aber davon erzähle ich ein andermal.
Die JIN6 Sauna bietet drei Saunen und drei Tauchbecken. Die Saunen heißen Walsauna, Tintenfischsauna und Brennofensauna. Das Meer von Yobuko und die Wale, der berühmte Tintenfisch und die Karatsu-Keramik. Die Symbole dieser Gegend sind direkt in die Saunen eingebaut. Schon beim Lesen der Beschreibungen konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen.
Die erste Runde begann ich in der Brennofensauna.
Karatsu-Keramik hat eine 400-jährige Geschichte. Diese Sauna wurde aus Ziegeln gebaut, die tatsächlich in ihren Brennöfen verwendet wurden, und aus Karatsu-Erde. Schon von außen ist sie ein Brennofen durch und durch, und drinnen erwartete mich ein dämmriger Raum mit niedriger Decke, umgeben von Erde und Ziegeln. Ich fühlte mich, als wäre ich selbst ein Gefäß, das im Ofen gebrannt wird.
Neben dem Ofen stand Karatsu-Tee bereit. Als ich den Tee über die Steine goss, zischte es, und ein röstiger, sanfter Duft breitete sich im Raum aus. Warum können die Saunen in Kyushu bloß so gut mit Tee umgehen? Von der weichen Hitze der Ziegel und der Erde und vom Teedampf wurde ich ganz langsam gebrannt. Als es so weit war, ging ich zum Tauchbecken.
Auch das Tauchbecken ist wirklich einzigartig: Das Becken ist ein Fischbecken, das tatsächlich in Gebrauch war. Wo einst Tintenfische schwammen, steige jetzt ich hinein. So ein Tauchbecken habe ich noch nie gesehen. Und es gibt sogar zwei Temperaturen: eiskalte 10 °C und sanfte 20 °C nebeneinander. Man kühlt sich bei 10 °C knallhart ab und wechselt dann zu den 20 °C – so ist es gedacht.
In dem Moment, als ich in die 10 °C eintauchte, zogen sich alle Blutgefäße meines Körpers gleichzeitig zusammen. Mir entfuhr ein Laut. Als ich es nicht mehr aushielt, wechselte ich ins 20-°C-Becken nebenan, und schon löste sich die Anspannung im ganzen Körper. Die eigentlich kalten 20 °C fühlten sich sanft an wie lauwarmes Wasser. Während ich zwischen den Fischbecken hin und her pendelte, fühlte ich mich endgültig wie ein Tintenfisch.
In der zweiten Runde ging ich in die Tintenfischsauna.
Diese Sauna ist dem berühmten Tintenfisch von Yobuko nachempfunden und besteht nur aus weichen Kurven. Gerade Linien gibt es kaum. Sie ist sehr geräumig, aber auch in der zweiten Runde hatte ich sie für mich allein. Hinter dem Fenster lag der nächtliche Hafen von Yobuko. Da niemand da war, legte ich mich ungeniert auf die schön geschwungene Bank. Im Liegen verteilt sich die Hitze gleichmäßig über den ganzen Körper – herrlich. Während ich die Kurven der Decke betrachtete, kam ich mir auf seltsame Weise vor, als triebe ich im Inneren eines Tintenfischs.
Als Tauchbecken für die zweite Runde wählte ich das schwebende Tauchbecken im 1. Obergeschoss.
Dieses Tauchbecken hat eine überwältigende Präsenz. Ein gläserner Zylinder ragt aus dem Gebäude und schwebt über der nächtlichen Hafenstadt. Es wirkt, als wäre dieses Tauchbecken der Mittelpunkt der Stadt. Mit einem Schwung, als würde ich mich in die Stadt Yobuko stürzen, tauchte ich ins Wasser ein. Ich kühlte mich eine Weile ab und ließ mich dann auf einen Stuhl im Ruhebereich im Freien gleich daneben sinken. Der Seewind vom Genkai-Meer strich langsam über meine abgekühlte Haut.
In der dritten Runde war endlich die Walsauna dran. Diese Sauna war schlicht atemberaubend.
In dem Moment, als ich die Tür öffnete, tat sich eine Welt wie im Bauch eines Wals vor mir auf. Im dämmrigen Raum reicht ein Gerüst, das an Rippen erinnert, bis zur Decke. In der Mitte steigt leise ein kleiner, bläulich-weiß leuchtender Springbrunnen auf, und Klänge wie aus der Tiefsee sind zu hören. Als ich mich auf die Bank setzte, fühlte ich mich wie ein kleiner Fisch, den ein Wal verschluckt hat.
Ich schwitzte eine Weile vor mich hin, da veränderte sich die Luft. Zeit für den Automatikaufguss. Hier ist der Aufguss dem Blas eines Wals nachempfunden. Aus einer eigenen Düse schießt Wasser kraftvoll nach oben und prasselt auf die Saunasteine. Mit einem gewaltigen Zischen füllt der Dampf im Nu den ganzen Raum.
Damit ist es aber nicht vorbei. Als Nächstes hallt ein Klang wie Walgesang durch den Raum, und Wind und Nebel stürzen gleichzeitig auf mich ein. Heiß! Eigentlich sitze ich in einer Sauna, aber es fühlt sich an wie eine Fahrt in einem Freizeitpark.
Nachdem ich mich im Bauch des Wals bis an die Grenze aufgeheizt hatte, tauchte ich wie ein Tintenfisch ins Fischbecken. Bei 10 °C abkühlen, bei 20 °C loslassen. Als ich mich auf den Stuhl fallen ließ, hallte der Walgesang noch tief in meinen Ohren nach.




Nachts haben in Yobuko fast alle Läden geschlossen. Und jetzt, was esse ich zu Abend? Gerade als ich ratlos wurde, entdeckte ich direkt neben der JIN6 Sauna das Licht eines kleinen Lokals. Offenbar hatte es erst vor einem Monat eröffnet.
Kaum hatte ich die Tür geöffnet, schallte mir ein fröhliches „Willkommen! Kommen Sie gerade aus der Sauna?“ entgegen. Erwischt. Mein Gesicht muss vollkommen im totonou (die tiefe Ruhe, die sich nach dem Wechsel aus Sauna, Tauchbecken und Ruhen an der frischen Luft einstellt) gewesen sein. In dem gemütlichen Lokal bestellte ich Curry und Hamburger-Steak. Die in der Sauna verbrauchte Energie wurde mit jedem Bissen wieder aufgeladen.
So ging der zweite Tag meiner Sauna-Reise durch Nagasaki und Saga zu Ende. Ab morgen beginnt endlich die zweite Hälfte.
Das Thema dieser Reise ist „Erholung“. Wer Körper und Geist wirklich ernsthaft erholen will, kommt an einem Ort einfach nicht vorbei.
Takeo in der Präfektur Saga.
Morgen fahre ich gleich früh nach Takeo und besuche das OND HOTEL. Die Reise geht weiter.

