Sauna-Liebhaber kommen manchmal in einen Moment, in dem sie sich selbst nicht fassen können.
Letzter Tag der Sauna-Reise durch Fukuoka und Saga. Um 7 Uhr morgens war ich kaum wach, hatte mich schon fertig gemacht und stieg vor dem Bahnhof Takeo Onsen in ein Taxi. Ziel: OND HOTEL. Ich fragte mich, mit welchem Blick der Taxifahrer jemanden mustert, der in aller Frühe per Taxi in eine Morgensauna aufbricht. Nein – lieber nicht drüber nachdenken. Für einen Sauna-Liebhaber ist 7 Uhr morgens keine späte Stunde. Mit diesem Gedanken ließ ich mich tief in den Sitz sinken.
Vom Bahnhof Takeo Onsen ging es ein paar Minuten an einem Teich vorbei, eine sanfte Steigung hinauf. Oben auf der Anhöhe tauchte das Gebäude des OND HOTEL auf – urban in seiner Erscheinung und doch wie selbstverständlich in die Berglandschaft von Takeo eingebettet. Die vornehme Lobby empfing mich mit einem zarten Hauch Aroma. Nach dem Check-in ging es hinunter zu den großen Badeanlagen.
Im Umkleideraum entfaltete sich ein Interieur, das die natürliche Maserung des Holzes in den Vordergrund stellte. Hohe Decken, großzügiger Raum, makellose Schließfächer. Man kam sich vor wie im Spa eines Luxushotels. Als ich die Tür zum Bad öffnete, stockte mir kurz der Atem. Außer mir war niemand da. Ich hatte die ganze Anlage für mich allein.
Das Innenbad war gefüllt mit dem Quellwasser von Takeo Onsen, und dahinter erstreckte sich der Wald von Takeo. Zu beiden Seiten des Ganges zwischen Eingang und Innenbad befanden sich Türen – der Einstieg in die Sauna-Welt. Hinter einer Tür verbarg sich die Dampfsauna, hinter der anderen die Tonbai-Sauna. Im Außenbereich reihten sich mehr als zehn Liegestühle aneinander, und ein tiefer Kaltbadbereich wartete still auf seinen Gast.
Zuerst wusch ich mich gründlich und ließ mich dann langsam in das Wasser der Takeo Onsen im Innenbad gleiten. Beim ersten Kontakt mit der Haut spürte man eine samtige, fast seidenartige Wärme. Ein Morgen-Onsen hat eine ganz andere Qualität als ein nächtliches Bad. Nur das Zwitschern der Vögel und das Plätschern des Quellwassers, das in die Wanne strömte, war zu hören. Alles andere war Stille. Jede Zelle des Körpers erwachte ganz langsam.
Die erste Runde begann mit der Dampfsauna.
Der Dampf im Raum hüllte den ganzen Körper ein. Die Temperatur war nicht besonders hoch, doch die Strahlungswärme der Keramikplatten (Toban) drang tief in den Körper. Ich schloss die Augen, eingehüllt in Dampf, allein in diesem Raum. Nachdem ich ordentlich geschwitzt hatte, ging es in den Kaltbadbereich. Das Wasser im Innenbad stammte aus Grundwasser und hatte eine Temperatur von 16 °C. Das Grundwasser von Takeo trägt einen feinen, dem Onsen-Wasser ähnlichen Duft. Weich, mit einer gewissen Eleganz in seiner Kühle. Dann setzte ich mich auf einen Stuhl im Innenbad und blickte in den Wald von Takeo. Nur ich war in diesem Raum.
Die zweite Runde führte mich zur Tonbai-Sauna.
Als ich die Tür öffnete, entfuhr mir unwillkürlich ein leises „Oh“. Die gesamte Wand war mit Tonbai-Ziegeln bedeckt, feuerfesten Ziegeln, die tatsächlich in den Anagama-Brennöfen der Kuromuta-Keramik (Kuromutayaki) verwendet wurden. Kuromutayaki ist eine Töpfertradition mit 430-jähriger Geschichte in der Stadt Takeo; Tonbai bezeichnet die feuerfesten Ziegel, mit denen die Keramiken im Brennofen gebrannt wurden. Auch die sogenannten Tanaita, die Bretter, auf denen das Geschirr im Ofen abgestützt wurde, dienten als Wandverkleidung. Diese Tanaita besitzen eine hohe Wärmespeicherkapazität und starke Strahlungswärme. Jeder Ziegel trägt ein eigenes Gesicht und leuchtet im Licht auf seine ganz eigene, stille Weise. Das war kein bloßer Saunaraum mehr – es war ein Kunstwerk, ein historischer Raum von Takeo.
Als die automatische löyly ausgelöst wurde, verteilte sich der Dampf gleichmäßig im Raum, und die in Tonbai und Tanaita gespeicherte Strahlungswärme umhüllte den Körper. Keine stechende Hitze – eine umschließende Wärme. Die Rückenlehne der Bank war in einem Winkel geneigt, sodass man sich wie in einem Liegestuhl tief anlehnen konnte. Ich versank regelrecht in diesem Saunaraum. Über alle drei Runden hinweg ließ mich die Schönheit der Tonbai-Sauna bei jedem Eintritt aufs Neue staunen.
Der Außenkaltbadbereich hatte eine Wassertemperatur von etwa 10 °C und eine maximale Wassertiefe von 150 cm. Stufe für Stufe stieg ich hinunter, und die Kälte des Grundwassers breitete sich von unten aus über den ganzen Körper. Auch dieses Grundwasser trug einen leichten Hauch von Onsen-Duft, und die Wasserqualität war überraschend weich. Ein Gefühl von Frische jagte durch den ganzen Körper. Darf man sich morgens so etwas Herrliches gönnen?
Nach dem Kaltbad ließ ich mich tief in einen der mehr als zehn Liegestühle sinken. Irgendwo sang ein Vogel, und das Wasser der Quelle plätscherte in die Wanne. Sonst nichts. Nur mein Atem und mein Herzschlag waren ganz sicher da.
Auch die dritte Runde führte mich zurück in die Tonbai-Sauna. Erneut ließ mich der schöne Raum innerlich innehalten. Als die automatische löyly einsetzte, stieg der Dampf auf, und die Strahlungswärme der Tonbai-Ziegel wärmte den Körper tief durch. Ich lehnte mich weit zurück, schloss die Augen. Dann tauchte ich noch einmal ins Kaltbad und beendete die Morgensauna.