Freitags um 17 Uhr war die Arbeit erledigt, und ich machte mich auf den Weg.
Es ist mittlerweile zur festen Gewohnheit geworden, die Sauna-Reise schon am Freitagabend zu beginnen.
Und das hat seinen guten Grund.
Freitags ist man zwar frisch aus der Arbeit und manchmal ein wenig müde. Manchmal denke ich daran, erst am Samstagmorgen aufzubrechen. Doch wenn ich die Reise auf den Samstag verschiebe, schalte ich vollständig in den Erholungsmodus, und am Ende komme ich bis Sonntagabend keinen Schritt aus dem Haus. Tatsächlich habe ich schon mehr als einmal solche nutzlosen Tage verlebt und sie hinterher bereut.
Diesmal war das Ziel Hakata. Mit dem Auto fuhr ich von zu Hause zum Bahnhof Utazu in der Stadt Sakaide in der Präfektur Kagawa, stieg dort in den Zug um und fuhr bis zum Bahnhof Okayama. Von Okayama nahm ich den Shinkansen Richtung Bahnhof Hakata. Im Zug aß ich zu Abend und bereitete mich innerlich auf die Abendsauna vor. Da ich grundsätzlich ohne Hotelreservierung auf Reisen gehe, buchte ich während der Fahrt noch schnell ein Zimmer für die Nacht. Die Planlosigkeit ist der eigentliche Reiz des Reisens. Nachdem ich alles Nötige erledigt hatte und anfing zu lesen, erreichte ich den Bahnhof Hakata.
Es ist seit letztem Juli mein erster Besuch in Hakata, doch die Stadt strahlt wie eh und je diese lebhafte Energie aus. Es liegt ein Geruch von Begierde und Versuchung in der Luft. Da es Freitag war, erlebte Hakatas Nacht gerade ihren Höhepunkt. Inmitten dieser aufgeladenen Atmosphäre aber marschierte ich zielstrebig auf eine bestimmte Einrichtung zu. Nicht etwa eine Izakaya oder ein Soapland, sondern Hotel Cabinas Fukuoka war mein Ziel. Es war die erste Station meiner Kyushu-Sauna-Reise.
Hotel Cabinas Fukuoka liegt nur fünf Gehminuten vom Bahnhof Hakata entfernt – eine unschlagbare Lage – und bietet rund um die Uhr Sauna. Da es auch ein Kapselhotel gibt, kann man dort übernachten. Ich meldete mich an der Rezeption an, zog mich im Umkleideraum um und begab mich ins große Bad.
Zunächst ließ ich mich in der sogenannten Mineralbadequelle nieder, einem künstlichen Heilbad. Es werden Mineralien verwendet, die aus den Tiefen der nordeuropäischen Nordsee gewonnen werden, und der hohe Mineralgehalt scheint seine Wirkung zu tun: Schon nach wenigen Minuten war mein Körper angenehm durchwärmt. Die hohe Decke und die großzügige, offene Atmosphäre trugen dazu bei, dass sich Körper und Geist vollständig entspannten.
Nach dieser Aufwärmphase betrat ich die Sauna. Der Saunaraum fasst etwa 20 Personen, die Raumtemperatur liegt bei ungefähr 90 °C. Es gibt zwei Öfen: einen iki-Ofen, der majestätisch in der Mitte des Saunaraums thront, und einen Rocky-Ofen am Rand des Raumes. Da direkt vor dem Ofen noch Platz frei war, setzte ich mich hin, schloss langsam die Augen und ließ die Strapazen der Reise von mir abfallen. Am liebsten hätte ich in stiller Meditation verweilt, doch ein älterer Herr in meiner Nähe murmelte ununterbrochen vor sich hin, was mich unwillkürlich die Stirn runzeln ließ. Da privates Reden verboten ist, wäre ein wenig Stille wirklich wünschenswert gewesen. Ausgerechnet dieser ältere Herr sollte mir beim späteren aufguss-Event noch erheblichen Schaden zufügen.
Nach der Sauna war die Abkühlung im Kaltbad an der Reihe. Das cold plunge bath bietet Platz für etwa fünf Personen und ist etwas tiefer als üblich, sodass man den ganzen Körper abkühlen kann. Mit einer Wassertemperatur von etwa 19 bis 20 °C ließ es allerdings zu wünschen übrig. Ideal nach der Sauna wären 15 bis 16 °C – bei 19 bis 20 °C sinkt das Erfrischtheitsgefühl dramatisch. Wäre das Kaltbad nur ein wenig kälter gewesen… ein kleines Manko.
Nach dem Kaltbad wechselte ich in den Außenbereich und genoss die frische Luft. Im Außenbad von Hotel Cabinas Fukuoka hat man einen ungehinderten Blick über den Vorplatz des Bahnhofs Hakata. Unwillkürlich musste ich an die berühmte Szene aus dem japanischen Animeklassiker Laputa – Das Schloss im Himmel denken, in der Oberst Muska den unvergesslichen Satz spricht: „Die Menschen wirken wie Müll von hier oben.