Sauna-mori – geschrieben als „der Hüter der Sauna“.
Von einer Anlage, in der einen ein Verwalter mit so einem stilvollen Titel empfängt, habe ich gehört, dass es sie in Takeo in der Präfektur Saga gibt. Dann blieb mir nur eines: hinfahren. Eine Saunareise existiert meiner Meinung nach genau für solche Begegnungen.
Um 8 Uhr morgens stand ich auf dem Bahnsteig des Bahnhofs Saga. Mein Plan für die Saga-Reise war ehrgeizig: Nach dem Saunagenuss in Takeo wollte ich noch am selben Tag bis in die Gegend des Ariake-Meeres weiterfahren. Wenn man die Wege bedenkt, ist ein Mietwagen unverzichtbar. Zunächst wollte ich mit dem Zug zum Bahnhof Takeo Onsen fahren.
Als ich aus dem Fenster des Zuges blickte, tauchte plötzlich die markante Gestalt des Berges Mifuneyama auf. Mit ihrer eigenwilligen Gratlinie und im Zusammenspiel mit der umliegenden Feldlandschaft wirkte dieser Berg wie ein Gemälde. Am Bahnhof Takeo Onsen angekommen, nahm ich den Schlüssel des Mietwagens entgegen. Ich gab „OND SAUNA“ ins Navi ein und fuhr los. Die Anlage liegt am Stadtrand von Takeo, in einem stillen Wald. Folgte man der Wegbeschreibung, verdichteten sich nach und nach die Bäume, und ehe man sich versah, war man vollkommen in die Natur eingetaucht.
Ich stellte das Auto auf dem Parkplatz ab und ging den kleinen Weg hinauf, der zur Anlage führt. Zu hören waren nur Vogelstimmen. Zu hören war nur das Rauschen des Windes in den Bäumen. Jeder Lärm, der im Alltag allgegenwärtig ist, existiert an diesem Ort nicht. Allein das machte mich schon zufrieden.
Nachdem ich an der Rezeption eingecheckt hatte, wurde ich vom Sauna-mori mit einem sanften Lächeln empfangen. Während er mir die Nutzung der Anlage sorgfältig erklärte, führte er mich auch durch das Gelände. Während ich mir den Gesamtaufbau der Anlage einprägte, fiel mir eine Tatsache auf.
Die Anlage war tatsächlich komplett privat für mich.
„Heute sind nur Sie als Gast hier“, sagte der Sauna-mori leise.
In diesem Moment erreichte meine Begeisterung ihren Höhepunkt. Eine Holzsauna, eine Metallsauna, eine Feuersauna. Sollte ich dieses Themenpark-ähnliche Areal mit drei verschiedenen Saunen wirklich ganz für mich allein haben dürfen? Dürfte es so etwas Luxuriöses überhaupt geben? Natürlich durfte es. Dann genießen wir es eben ohne Zurückhaltung.
Zunächst beschloss ich, mich in einem Trommelbad aufzuwärmen. Angeblich wird dafür das natürliche Grundwasser von Takeo verwendet, und als ich meine Hand ins Wasser hielt, merkte ich sofort, dass es sich deutlich anders anfühlte als normales Leitungswasser. Es war so mild wie Thermalwasser und hatte sogar einen leicht onsenartigen Geruch. Inmitten des stillen Waldes saß ich in der Trommel und blickte auf die Bäume. Zu hören waren nur die Stimmen der Vögel, das Schaukeln des Wassers und irgendwo das Brennen von Brennholz. Dass Baden in der freien Natur so angenehm sein kann, wurde mir da noch einmal bewusst.
Als ich mich ausreichend aufgewärmt hatte, ging es endlich zu Runde 1. Mein Ziel war die „Holzsauna“.
Diese Sauna soll beim Weltarchitekturpreis „A+Awards“ den ersten Platz weltweit gewonnen haben. Selbst wenn man das weiß, ist man vor Ort überrascht. In einem einzigen Bauwerk sind Sauna, Kaltbecken und Außenluft-Bereich vertikal übereinander angeordnet. Man verlässt die Saunakabine, geht durch das Kaltbecken und erreicht über eine spiralförmige Treppe den Außenluft-Bereich auf dem Dach in 3,5 Metern Höhe.
Im Moment, in dem ich die Saunakabine betrat, sprang mir das Feuer des Holzofens direkt ins Auge. In dem 85-Grad-Raum erfüllten das Geräusch und der Duft des brennenden Holzes den Raum. Sehen, Hören, Riechen – alle Sinne wurden gleichzeitig aufgerüttelt. Kann man in der Sauna so reich an Sinneseindrücken baden? Es gibt keinen Fernseher. Keine Musik. Nur das Feuer, die Hitze und mein eigener Herzschlag.
Nachdem ich meinen Körper ausreichend erhitzt hatte, ging es hinüber ins Kaltbecken mit natürlich kohlensäurehaltigem Grundwasser im Durchlauf. Die Wassertiefe beträgt 130 cm. Das ständig nachfließende Grundwasser wird kontinuierlich durch frisches Wasser ersetzt, wodurch es eine hohe Transparenz besitzt. Das 17-Grad-Wasser umhüllt den von der Sauna erhitzten Körper mit einem Schlag. Es hat eine Sanftheit wie Thermalwasser. Ist das die Kraft des kohlensäurehaltigen Grundwassers? Es fühlt sich an, als würde meine Haut einen Schrei ausstoßen.
Als ich das Kaltbecken verließ und die Wendeltreppe hinaufstieg, erwartete mich bereits der Adirondack-Chair. Der Blick auf den Wald von Takeo aus 3,5 Metern Höhe ist schlicht atemberaubend. Auf Augenhöhe mit den Bäumen blicke ich auf ein Meer aus Grün. Eigentlich bin ich schon längst vollkommen geerdet, und doch verstärkt diese Aussicht dieses Gefühl noch weiter. Genau so eine Außenluftpause wollte ich haben. Der Wunsch, schon immer an einem Ort wie diesem geerdet zu sein, wurde mir von dieser Anlage mühelos erfüllt.
Neben dem Außenluftbereich gibt es eine Feuerstelle. Beim Blick in die Flammen die Außenluft genießen. Ein perfektes Szenario. Nach einer Weile kam der Sauna-mori in die Nähe und sprach mich leise an.
Sauna-mori: „Wie gefällt es Ihnen?“
Ich: „Es ist so großartig, dass mir die Worte fehlen.“
Sauna-mori: „(lächelnd) Vielen Dank. Tatsächlich liebe ich Sauna ebenfalls und reise durch ganz Kyushu, um Saunen zu besuchen.“
Ich: „Wirklich? Dann sagen Sie mir bitte unbedingt, welche Anlagen in Kyushu man besuchen sollte.“
Daraufhin führte ich etwa zehn Minuten lang ein Gespräch mit dem Sauna-mori über Saunen in Kyushu. Welche Anlage ist herausragend, welches Kaltbecken ist großartig? Ich hätte nicht gedacht, dass der Verwalter einer Anlage selbst so ein leidenschaftlicher Saunafan ist. Deshalb war mir klar, warum die Sauna dieser Anlage so authentisch ist. Eine Sauna, die von Menschen geschaffen wurde, die Sauna lieben, trägt Liebe in sich.
Runde 2 ging in die „Metallsauna“.
Schon beim ersten Blick auf das Äußere musste ich lachen. Die Fassade besteht vollständig aus spiegelndem Edelstahl, in dem sich die umliegenden Bäume direkt widerspiegeln, sodass die Sauna wirkt, als würde sie mit dem Wald verschmelzen. Es ist die Erscheinung eines Werks zeitgenössischer Kunst. Im Gegensatz zu der sachlich-nüchternen Außenansicht, die das Thema „Ordnung“ verkörpert, breitet sich im Inneren ein warmer Raum aus Kiefernholz aus.
Da ich die Anlage für mich allein hatte, war niemand sonst da. Natürlich gehörte auch dieser Bereich nur mir. Ich legte ein Badetuch auf die Sitzfläche und machte es mir auf dem Rücken liegend bequem. Daneben stand ein Kaltbecken für eine Person, sodass Sauna und Kaltbecken in einem vollständig privaten Raum genossen werden können. Ich blickte an die Decke, wärmte meinen Körper in Ruhe auf und ging dann ganz allein ins Kaltbecken. Natürlich fließt auch hier natürlich kohlensäurehaltiges Grundwasser durch. Es ist wirklich unglaublich angenehm. So angenehm, dass mir die Worte fehlen.