Es soll dort ein Freiluftbad in den Wolken geben. Tagsüber kann man die weitläufige Stadt Nagoya bis zum Horizont überblicken, und nachts kann man im Freiluftbad das Stadtpanorama bei Nacht genießen. Die Lichter der Stadt sollen wie Glühwürmchen leuchten. Diese traumhafte Anlage befindet sich im Stadtteil Moriyama-ku in Nagoya, Präfektur Aichi. Der Name der Anlage lautet Tenku SPA HILLS Ryusenji no Yu.
Ryusenji no Yu ist ein landesweit operierendes Super-Sentō, das an verschiedenen Orten in ganz Japan erstklassige Einrichtungen betreibt und unzähligen Menschen Körper und Seele erholt. Inzwischen gibt es auch Filialen in Chiba, Saitama, Tokio und Kanagawa, doch der Ursprung liegt in genau diesem Haus im Moriyama-ku in Nagoya. Ich betrat die Anlage in der freudigen Gewissheit, an den Geburtsort von Ryusenji no Yu gekommen zu sein.
Die Felsenbade- und Massageeinrichtungen sind beeindruckend, doch mein Ziel ist das große Gemeinschaftsbad. Ich steuere schnurstracks den Spind an und betrete sofort den Badebereich. Ein offenes Innenbad erstreckt sich vor mir, und dahinter öffnet sich der Bereich, der als das Freiluftbad in den Wolken gefeiert wird. Im Innenbad befindet sich in der Mitte ein großes Kohlensäurebad, und rund herum sind ein Whirlpool mit Naturthermenwasser, ein Elektrobad, die Hauptsauna sowie zwei Kaltwasserbecken angeordnet. Es stehen zwei Kaltwasserbecken mit 8 °C und 16 °C bereit, beide ausreichend groß und tief.
Nachdem ich mich im Kohlensäurebad aufgewärmt hatte, wechselte ich in den Außenbereich. In diesem Moment verschlug es mir die Sprache. Vor mir erstreckte sich eine Aussicht von überwältigender Schönheit. Man kann die Stadt Nagoya wirklich bis weit in die Ferne überblicken. Zum Glück war es an diesem Tag wolkenlos und strahlend blau. Das Wetter spielte mit, und ich war von einer unglaublichen Weite erfüllt. Ich ließ mich in das Wasser sinken, das eine Mischung aus Naturthermenwasser und Kohlensäure ist, und betrachtete die Stadt. Es fühlte sich an, als könnte man das ewig so tun. Einfach im Thermalbad sitzen und die Stadtweite auf sich wirken lassen. Eine schlichte Handlung, doch das Glücksgefühl war unbeschreiblich. Wie lange ich wohl hinausgeschaut habe? Ich habe nicht auf die Uhr gesehen. Ich weiß nicht, wie viele Minuten ich im Bad gelegen habe. So sehr war ich gedankenlos versunken in den Anblick der Stadt.
Als ich irgendwann wieder zu mir kam und mich umsah, lagen auch die anderen Gäste genauso wie ich da, langsam im Thermalbad versunken und in die Stadt schauend. Vermutlich empfinden sie ähnliches? Im Freiluftbereich stehen außerdem zahlreiche Liegestühle bereit, sodass man die Aussicht auch bei der Außenabkühlphase genießen kann. Einige bereits saunagegarte Stammgäste scheinen das Bewusstsein verloren zu haben. Manche tragen einen Ausdruck vollkommener Seligkeit im Gesicht. Als ich das sah, wurde ich ungeduldig, endlich in die Sauna zu gehen.
Tenku SPA HILLS Ryusenji no Yu bietet zwei Saunatypen: die Hauptsauna und die Meditationssauna. Die Hauptsauna ist geräumig und verfügt über zwei große Saunaöfen. Die Meditationssauna befindet sich im Außenbereich und ist mit einem selbst bedienbaren löyly mit Aromawasser ausgestattet, sodass man die Hitze still und tief spüren kann. Auch direkt neben der Außensauna steht ein Kaltwasserbecken bereit. Ein Kaltwasserbecken unmittelbar am Ausgang der Saunakabine – das ist das perfekte Layout.
Zuerst gehe ich in die Hauptsauna. Auch hier liegt die Luft schwer. Hohe Luftfeuchtigkeit, ein feuchtes Gefühl auf der Haut. Es scheint, als hätte sich der durch löyly erzeugte Dampf gleichmäßig im gesamten Saunaraum verteilt. In einer feuchten Sauna schwitzt man ordentlich und kann die Körperkerntemperatur effektiv anheben. In den in Japan weit verbreiteten trockenen Saunen ist die Hitze trocken und beißt auf der Haut, sodass man schnell an die Grenze kommt. Obwohl es sehr heiß wirkt, wird in Wirklichkeit oft nur die Hautoberfläche erhitzt, während der Körperkern nicht wirklich warm wird. In einer Sauna mit hoher Luftfeuchtigkeit hingegen ist die Belastung für die Haut geringer, die Atmung fällt leichter, und man kann länger drinbleiben. Man kann den Körper langsam und gründlich von innen heraus aufwärmen – das ist effizienter. Die Hauptsauna von Ryusenji no Yu darf man wohl als ideale Sauna bezeichnen.
Nachdem ich meinen Körper gründlich aufgeheizt habe, gehe ich direkt am Ausgang der Saunakabine ins Kaltwasserbecken. Das 16-°C- und das 8-°C-Becken stehen nebeneinander. Das habe ich als Einladung zur kalt-kalt Wechselbadekur interpretiert. Eine solche Gelegenheit gibt es nicht oft. Zuerst steige ich für einige Dutzend Sekunden ins 8-°C-Becken. Dann schwinge ich ein Bein über den Beckenrand und wechsle ins 16-°C-Becken. Weil ich vorher im 8-°C-Wasser war, fühlt sich das 16-°C-Wasser fast warm an – eine merkwürdige Täuschung. Ein Entspannungsgefühl im Kaltwasserbecken. Und doch kühlt der Körper stetig weiter ab.
Nach dieser seltenen kalt-kalt Wechselbadekur wechsle ich in den Außenbereich zur Außenabkühlphase in den Wolken. Ich wechsle zwischen Bewusstsein und Bewusstlosigkeit hin und her, während ich die Stadt Nagoya überblicke. Was für ein wunderbares Gefühl. Sauna, Kaltwasserbecken und Außenabkühlphase allein sind schon grandios – doch wenn sich dann noch eine solche Aussicht dazugesellt, ergibt sich dieses überwältigende Gefühl.
Nach der Außenabkühlphase gehe ich für den zweiten Durchgang direkt in die Meditationssauna. Hier gibt es keinen Fernseher; in der ruhigen Atmosphäre betätigt man einfach das selbst bedienbare löyly und spürt die Hitze. Mehr gibt es nicht zu tun. Ich hatte sie mir enger vorgestellt, aber innen ist sie größer als erwartet – Platz für etwa 20 Personen. Die hinterste Ecke war frei. Der beste Platz. Ich setze mich dort im Schneidersitz hin und schließe langsam die Augen.
Nach einer Weile des Meditierens höre ich eine Stimme: „Darf ich löyly machen?

Nach der Sauna hatte ich großen Hunger und gönnte mir Hitsumabushi, die Spezialität aus Nagoya. Beim Durchblättern der Speisekarte konnte ich nicht widerstehen. Auf Reisen esse ich oft die regionalen Spezialitäten der jeweiligen Gegend. Da man sie im Alltag nicht bekommt und es den eigenen Erfahrungsschatz bereichert, empfinde ich das als wunderbares Erlebnis. Es ist ein großer Unterschied, ob man etwas von einem Foto kennt oder es wirklich selbst probiert und erlebt. Vieles versteht man erst durch eigene Erfahrung.
In der heutigen Welt lässt sich vieles bequem online erledigen. Das ist äußerst praktisch und komfortabel. Ich arbeite als Programmierer und liebe die digitale Welt. Dennoch halte ich es für wichtig, reale Erlebnisse zu sammeln. Denn dadurch spürt man, dass man jetzt hier lebt. Besonders die Sauna lässt einen das Leben intensiv spüren. Man bringt sich in die extreme Situation der Sauna, taucht danach ins ebenfalls anspruchsvolle Kaltwasserbecken und erlebt schließlich die Wohligkeit der Außenabkühlphase. Bei jeder dieser Handlungen spürt man das Leben. Vielleicht ist das der Grund, warum Menschen von der Sauna besessen werden.
Ich habe mich poetisch ausgedrückt, aber es ist Zeit, zum nächsten Ziel des Abends aufzubrechen. Etwas außerhalb des Stadtzentrums von Nagoya wartet mein nächstes Ziel. Es ist die altehrwürdige Sauna-Einrichtung Sauna Eagle, die man beim Saunabesuch in Nagoya nicht auslassen darf.





