Für mich als eingefleischten Sauna-Süchtigen ist der Freitag der Tag, der mich gleichzeitig am meisten beglückt und quält. Der Grund: Die Vorfreude auf die Sauna-Reise ist kaum auszuhalten. Außerdem sei vorab gesagt: Dieser Erfahrungsbericht ist etwas länger ausgefallen. Denn es gab genug Beeindruckendes zu erzählen.
Nachdem die Arbeit für diese Woche getan war, machte ich mich auf die Suche nach einem Ziel für meine Sauna-Reise. Da stieß ich auf eine Information: Der legendäre Sauna-König Hiroshi Ota soll angeblich eine außergewöhnliche Sauna im Hotel Seaside Hotel Maiko Villa Kobe kreiert haben – und das erst im August eröffnet. Was für ein Zufall. Dieses Hotel kannte ich noch aus der Zeit, bevor ich nach Naruto gezogen bin – ich hatte damals dort übernachtet, als ich mir die Gegend anschaute. Die Lage ist wunderbar, vom Zimmer aus hat man einen ungehinderten Blick auf die Meeresstraße von Akashi. Dazu ist es von meinem Zuhause aus in gut einer Stunde mit dem Auto erreichbar. Wenn ich dort übernachte, kann ich am nächsten Morgen direkt mit der Sauna-Tour durch Kobe beginnen. Der Plan stand in Sekundenschnelle. Ich buchte das Hotel sofort. Wenn eine Sauna-Reise gelingt, fügen sich die Zufälle oft wie von selbst zusammen.
Nach der Arbeit sprang ich blitzschnell ins Auto, gab auf der Autobahn Gas und erreichte das Hotel um 19:30 Uhr. Nach dem Check-in marschierte ich ohne Umweg direkt in die Sauna. Hiroshi Ota, der Sauna-König, hat bereits so renommierte Einrichtungen wie Yurakkusu in der Präfektur Kumamoto und Karumaru Ikebukuro in Tokio ins Leben gerufen. Ein Sauna-Erlebnis, das von ihm gestaltet wurde, kann gar nicht anders als großartig sein. Meine Erwartungen waren auf dem absoluten Höhepunkt. Als ich durch den geheimnisvollen Eingang, der sich versteckt hinter der Lounge befindet, in die Sauna trat, kitzelte mich sofort ein angenehmer Duft in der Nase. Die Spinde strahlten puren Luxus aus – ich fühlte mich wie ein Topmanager. Auch die Ausstattung war erstklassig. Handtücher gab es in unbegrenzter Menge, dazu stand Zitronenwasser bereit. Noch bevor ich überhaupt in der Sauna gesessen hatte, war ich rundum zufrieden.
Betrat man den Badebereich, standen im Mittelpunkt zwei verschiedene Kaltwasserbecken. Der Eindruck war derselbe wie beim Besuch des Kobe Kurhaus: Die Kaltwasserbecken sind hier die Stars des Bades. Es gibt zwei Becken mit 17 °C und 9 °C, und da beide mit Hydromassage-Düsen ausgestattet sind, fühlen sie sich kälter an, als es die Anzeige vermuten lässt. Das 9-°C-Becken hat zudem eine Kreuzströmung aus fünf Richtungen: Aus allen vier Ecken des Beckens schießen Wasserstrahlen zur Mitte hin, und wenn man den geheimnisvoll rot leuchtenden Knopf drückt, stürzt von oben ein Wasserfall herab. Dass man von fünf Seiten gleichzeitig malträtiert wird und keine Chance hat auszuweichen, lässt sich leicht vorstellen. Vom imposanten Kaltwasserbecken überwältigt, riss ich mich schließlich zusammen und machte einen Rundgang. Neben den Becken gab es Duschen, zwei verschiedene Saunaräume und zwei verschiedene Entspannungsbereiche.
Kurze Übersicht der Sauna-Besonderheiten:
· Saunaraum 1 „Mirumiru“: Sauna mit Loft und Whirlpool-Wanne. Anders als in gewöhnlichen Saunen, wo man auf Bänken sitzt, kann man hier liegen. Da das Loft zweistöckig aufgebaut ist, lässt sich die Temperatur je nach Schlafplatz variieren. Im Saunaraum befindet sich außerdem eine 30-°C-Wanne, sodass man sich während des Saunierens gleichzeitig abkühlen kann – eine wirklich seltene Erfahrung.
· Saunaraum 2 „Mokumoku“: Sauna, die auf stille Kontemplation ausgerichtet ist. Ideal für alle, die beim Saunieren meditieren möchten. Der Raum ist dunkel gehalten und bietet Self-löyly.
Nach dem Duschen betrat ich Saunaraum 1 „Mirumiru“. Da lag ein angenehmer Holzduft in der Luft. Beruhigt von dem Duft, nahm ich zunächst auf der oberen Bank Platz. Als Wärme und Durchblutung zunahmen, wechselte ich ins Loft, legte mich hin und ließ die Hitzewellen liegend über mich hinwegziehen. So konnte ich den ganzen Körper gleichmäßig erhitzen – heiß, aber irgendwie wunderbar angenehm.
Nach der Sauna ging ich zum 17-°C-Becken. Es war sehr tief und offensichtlich darauf ausgelegt, einzutauchen. Mit den Hydromassage-Düsen fühlte es sich kälter an als 17 °C. Ich ließ meinen Körper treiben, als würde ich auf dem Meer schweben. Kalt, aber das angenehme Gefühl hielt an. Ganz natürlich blieb ich lange im Wasser. Die Kälte drang bis ins Innere. Fast schon frostig.
Nach dem Kaltwasserbecken wechselte ich in den Entspannungsbereich. Auch hier sollte mich etwas begeistern. Ich reclinete den Liegestuhl bis zum Anschlag und blickte an die Decke – dort lief ein Feuerwerk per Projektor. Dazu Hintergrundmusik. Es fühlte sich an, als würde ich liegend Feuerwerk schauen. Dazu kam das tiefe Entspannen nach Sauna und Kaltwasserbad – war das hier der Himmel? Beim Schließen der Augen drohte ich wegzudriften. Und das war erst der erste Durchgang.
Im zweiten Durchgang betrat ich Saunaraum 2 „Mokumoku“. Eine völlig andere Welt tat sich dort auf. Der Raum war dunkel, und die Atmosphäre war japanisch. Wie im Inneren eines Buddha? Nein, doch etwas anders. Aber es ist ganz sicher der perfekte Ort, um sich in Zen zu vertiefen. Da ich den Raum für mich allein hatte, wechselte ich auf die oberste Ebene. Übrigens gibt es dort oben eine „Umrandung“, die dafür sorgt, dass sich die Hitze beim Aufguss leichter staut. Ich meditierte eine Weile und schwitzte dabei. Im Hintergrund lief eine besondere Musik. Als ich schön ins Schwitzen gekommen war, machte ich einen Aufguss. Ich goss Wasser auf die Saunasteine und erzeugte eine große Menge Dampf. Dann kehrte ich auf meinen Ehrenplatz in der obersten Reihe zurück. Sofort schlug mir eine Hitze entgegen, die mit dem bisherigen Gefühl nicht zu vergleichen war. Was war das für eine Hitze? Bis ins Innerste des Körpers wurde alles heiß.
Danach entschied ich mich für das 9-°C-Kaltwasserbecken. Auch dieses ist mit Hydromassage-Düsen ausgestattet, sodass die gefühlte Temperatur eher bei 7 °C lag. In dem Moment, in dem ich hineinging, spürte ich ein leichtes Stechen. Wahrscheinlich, weil sich die Blutgefäße schlagartig zusammenzogen. Auch das ist eine Erfahrung, die man nicht oft machen kann. Als ich etwa 20 Sekunden drin war, fiel mir ein Knopf auf. Wenn man ihn drückt, fällt von oben Wasser herab, so schien es. Mein Körper war schon nahe an der Grenze, aber ich konnte nicht anders, als den Knopf zu drücken. Mit zitternder Hand drückte ich ihn. Von oben fiel eine große Menge Wasser herab. Und das auch noch mit 9 °C. Ich ging über ein keuchendes Stöhnen hinaus und stieß einen Schrei aus. So stark war der Reiz.
Nachdem ich das Becken verlassen hatte, konnte ich nur noch stehen. Ich hatte keine Kraft mehr, um überhaupt erst zum Entspannungsbereich zu gehen, also setzte ich mich auf einen der nahegelegenen Entspannungsstühle. Bei jedem Atemzug entwich mir ein Laut. Mein Körper war bis ins Innerste ausgekühlt. Ich zitterte. Und trotzdem war es angenehm. Fragte ich mich da, ob es sich nach dem Konsum von Marihuana wohl ähnlich anfühlen würde? Während ich darüber nachdachte, drohte ich das Bewusstsein zu verlieren. Wenn ich hier einfach weggetreten wäre, hätte ich nicht mehr das Recht, mich Saunagänger zu nennen. Es blieb noch ein weiterer Durchgang, den ich unbedingt machen musste. Und zwar die Warm-Kalt-Wechselbad-Kombination, der Goldstandard aus Sauna → Kaltwasserbecken → Kaltwasserbecken.
Auch im dritten Durchgang ging ich in Saunaraum 2 „Mokumoku“. Natürlich nahm ich wieder oben Platz und machte zwei Aufgüsse, um bis ins Innerste zu schwitzen. Eben noch hatte ich fast vor Kälte den Tod vor Augen, und nun war es brütend heiß. Der menschliche Körper ist wirklich seltsam. Ich fragte mich zwar, ob solche Achterbahn-Reize überhaupt gesund sein können, aber wenn es sich gut anfühlt, wird es wohl in Ordnung sein. Als die Hitze ihren Höhepunkt erreicht hatte, ging ich ins Kaltwasserbecken. Zuerst blieb ich 30 Sekunden im 9-°C-Becken. Dann wechselte ich sofort in das 17-°C-Becken. Dabei spürte ich etwas wie Wärme mitten in der Kälte, und die ganze Anspannung wich aus meinem Körper. Mein Körper trieb im Wasser. Was für ein Gefühl der Entspannung. Ist das die Kraft der Kombination Sauna → Kaltwasserbecken → Kaltwasserbecken?
Nach den drei Durchgängen konnte ich mich eine Weile nicht mehr bewegen. Nicht, weil es mir schwerfiel. Ich konnte mich nicht bewegen, weil es einfach zu angenehm war. So war ich also von der Anlage, die von dem Mann namens Sauna-König gestaltet wurde, restlos begeistert.





