Am Abend zuvor hatte mich Safu Spa Maiko mit seinem von einem Sauna-König konzipierten Cold-Plunge-Bad und Sauna völlig aus der Bahn geworfen – doch nach einer Nacht Schlaf war meine Kraft vollständig wiederhergestellt. Beim Frühstück überlegte ich, wohin es heute gehen sollte. Irgendwie hatte ich Lust, den Morgen gemütlich in einem Onsen zu verbringen. Einfach so ein Gefühl. In Japan sprudelt überall im Land heißes Quellwasser aus dem Boden. Doch wenn ich schon hineingehe, dann will ich das beste Onsen Japans. Und nicht weit von Kobe liegt Arima Onsen, gut erreichbar und legendär. Dort gibt es eine Anlage, in der man die berühmten Quellen Kinsen (Goldquelle) und Ginsen (Silberquelle) gleichzeitig genießen kann – Arima Onsen Taikono-yu.
Pünktlich zur Öffnung um 10:00 Uhr kam ich an. Zu dieser Zeit ist noch nicht viel los. Ein Morgenbad nehmen, gut essen, vielleicht ein Nickerchen einlegen – ein schöner Plan. Nach dem Einchecken ging es direkt in den großen Badebereich. Beim Betreten schlug mir sofort der intensive Geruch der Thermalquelle entgegen. Ich verschaffte mir schnell einen Überblick: Das Bad ist zweistöckig – im Erdgeschoss die Innenbäder, im Obergeschoss die Außenbäder. Alles war vorhanden: ein Fließbad mit direktem Quellwasser, Dampfsauna, Cold-Plunge-Bad und Sauna. Was mich wirklich überraschte: Sogar das Cold-Plunge-Bad war mit reinem Quellwasser befüllt – ein durchgehendes Fließbad. Das hatte ich noch nie erlebt.
Nach raschem Duschen tauchte ich zunächst in das gemischte Bad aus Kinsen und Ginsen ein. Im nächsten Moment überkam mich eine überwältigende Welle der Entspannung. Die ganze Körperspannung löste sich wie von selbst. Während ich dieses unglaubliche Wohlgefühl genoss, merkte ich, wie mein Körper allmählich wärmer wurde. Mein Puls stieg – genau wie beim Saunieren. Die reichhaltigen Mineralstoffe des Thermalwassers wurden wohl über die Haut aufgenommen und regten die Durchblutung an. Ich bin schon in vielen Onsen in ganz Japan gewesen, aber dass allein das Eintauchen ins Wasser meinen Puls so in die Höhe treiben kann – das war für mich ein völlig neues Erlebnis. Eine Sauna brauchte ich nicht – ich ging direkt ins Cold-Plunge-Bad.
Das Fließbad mit Quellwasser hatte etwa 18 °C und wirkte erstaunlich sanft. Obwohl es sich um kaltes Wasser handelte, hätte ich ewig darin verweilen können. Als ich zur Seite schaute, saß da ein Mann im Alter meines Vaters, der halb in Trance zu versinken schien. Ihm war es wohl einfach zu schön – er hatte sich mitten im Cold-Plunge-Bad in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt. Ich verstehe ihn vollkommen. Auch mir drohte das Bewusstsein wegzudriften, wenn ich nicht aufpasste. Ich stieg aus dem Bad und begab mich nach oben ins Außenbad. Mehrere Liegestühle luden zum Verweilen ein. Im Morgenlicht die Augen schließen – ein wunderschönes Gefühl. Am liebsten wäre ich einfach eingeschlafen. Es war ja noch früh am Morgen. Mit solchen Gedanken im Kopf fand ich schon nach der ersten Runde in den Zustand tiefer Entspannung.
Letztendlich besuchte ich in Taikono-yu die Sauna nur ein einziges Mal. Die Thermalquellen waren schlicht zu gut. Auch ohne Sauna stieg die Durchblutung wie beim Saunieren, und das Fließbad mit Quellwasser schenkte mir Frische und Erholung zugleich. Hochmoderne Saunaanlagen haben ihren Reiz – aber ein Tag, an dem man einfach in einem Onsen versinkt, hat seinen ganz eigenen Wert.


Nach dem Onsen ließ ich mir im japanischen Restaurant Hanajuraku Sushi, Tempura und kreative Gerichte schmecken. Wie immer: Das Essen nach einem Onsen-Bad ist einfach etwas Besonderes. Die Sinne sind geschärft, und die ohnehin schon köstliche japanische Küche schmeckt noch einmal so gut. Gutes Essen zu genießen – das ist eine der größten Freuden des Lebens. Eine schönere Art, seine Zeit zu verbringen, gibt es kaum.
Nach dem Essen zog ich mich in den Ruheraum mit Liegestühlen zurück und schlief ein wenig. Nach Onsen und Essen überkam mich die Müdigkeit ganz von selbst. Kein Grund, dagegen anzukämpfen. Ich ließ die Augen einfach zufallen und schlief nach Herzenslust. Wohin es abends gehen würde, konnte ich immer noch entscheiden, wenn ich aufwachte.





