Nach einem außergewöhnlichen Saunaerlebnis im Ogaki Sauna am Vortag wachte ich an diesem Morgen um fünf Uhr auf.
Am Abend zuvor war ich um 22 Uhr ins Bett gegangen. Sieben Stunden Schlaf – ich fühlte mich in Topform. Als ich zum Morgenspaziergang nach draußen trat, zeigte das Thermometer 25 °C. Ein Hauch von Herbst lag in der Luft. Die kühle Frische tat gut, und beim Gehen wachte mein Körper langsam auf. Nach etwa einer Stunde kehrte ich ins Hotel zurück, duschte und begab mich zum Frühstück. Ein üppiges Mahl mit Zutaten aus der Präfektur Gifu versorgte mich mit neuer Energie. Schließlich stand heute Sauna Shikiji auf dem Programm. Da musste man in absoluter Bestform sein.
Nach bestem Schlaf und einem guten Frühstück checkte ich aus dem Hotel aus. Vom Bahnhof Ogaki stieg ich in einen Zug Richtung Nagoya – am Samstag ziemlich voll. Nach etwa dreißig Minuten erreichte ich den Bahnhof Nagoya, wechselte direkt in den Shinkansen Hikari und kam eine Stunde später am Bahnhof Shizuoka an. Ohne Umweg ging ich zur Taxistation und sagte dem Fahrer: „Bitte fahren Sie mich zu Sauna Shikiji.". Ich wollte so schnell wie möglich dort ankommen. Ich konnte es kaum erwarten. Ich fühlte mich wie ein Grundschulkind auf einem Ausflug. Nach einer Weile tauchte das Gebäude auf, das ich so oft in Zeitschriften gesehen hatte. Genau wie gestern bei Ogaki Sauna überkam mich ein unbeschreiblicher Adrenalinstoß, als ich einen Ort betrat, den ich nur aus Dramen und Magazinen kannte. Ich stieg aus dem Taxi – als wäre ich der Hauptdarsteller einer Serie.
Zuerst fotografierte ich die Außenfassade des Gebäudes und begab mich dann zum Empfang. Das Anmeldeverfahren hatte ich mir durch das Drama „Sado" vorab angesehen. Wer hier ins Stocken gerät, ist kein echter Saunagänger. Ich nahm das in Folie verpackte Handtuch und den Bademantel entgegen und eilte zum Spind. In Sekunden war ich umgezogen und betrat das große Badehaus. Genau dieselbe Szenerie wie im Drama „Sado" empfing mich. Schon viele Menschen waren da – und alle hatten leuchtende Augen. Ich wusste genau, wie sie sich fühlten. Sie alle waren berauscht davon, das heilige Land betreten zu haben und dort in der Sauna zu sitzen.
So gerne ich sofort ins kalte Tauchbecken gesprungen wäre – ich beherrschte mich und begann wie immer damit, mich zu waschen. Danach ging ich ins Kräuterbad, um den Körper langsam zu wärmen. Shikiji wird meist wegen seiner Sauna und dem Kaltbad gerühmt, aber auch die Kräuter sind hier von außergewöhnlicher Qualität. Man fährt eigens nach Korea, um sie einzukaufen, und mischt sie dann mit einheimischen Kräutern. Die Kombination aus weichem Grundwasser und diesen Kräutern war unglaublich angenehm – eine erste Weihe durch das Heiligtum.
Nachdem das Kräuterbad meinen Körper gut durchwärmt hatte, widerstand ich dem Drang zum Kaltbad und ging in die heiße Sauna. Das Thermometer zeigte 110 °C. Enorm heiß – und doch kein brennendes Gefühl. Als finnische Sauna mit Löyly herrschte angenehme Feuchtigkeit. Nach fünf Minuten perlte der Schweiß in Strömen, und der Puls stieg. Ich hatte meine Grenze erreicht und stieg ins Kaltbad.
Mit einem tiefen Atemzug war ich dankbar, in diesem Wunderbecken zu sitzen. Langsam tauchte ich ein, von den Füßen bis zu den Schultern. Was für eine Sanftheit! Unzählige Male hatte ich in Zeitschriften gelesen: „Im Kaltbad von Shikiji könnte man ewig bleiben",


Shikijis Schweinefleisch mit Ingwer war ebenfalls erstklassig.
In dem Moment, als ich den ersten Bissen nahm, dachte ich, dass es gut sei, am Leben zu sein. Wie so oft genoss ich nach Sauna und Kaltbad meinen Körper im besten Zustand und dann ein köstliches Essen. Ehrlich gesagt, wenn das Leben das hier bietet, läuft alles gut. Diese höchste Routine konnte ich auch im Heiligtum erleben. Mehr Zufriedenheit gibt es nicht.
Nach dem Essen machte ich etwa eine Stunde Mittagsschlaf. Sauna kostet doch einiges an Kraft. Deshalb versuche ich in Einrichtungen mit Ruheraum nach Möglichkeit zu schlafen und mich zu erholen. Außerdem wollte ich an diesem Tag noch einen weiteren Ort besuchen. Als ich meine Reise plante, hatte ich nach Saunaanlagen in der Präfektur Shizuoka gesucht. Dabei stellte ich fest, dass es an einem vom JR-Bahnhof Fuji aus erreichbaren Ort eine Einrichtung gibt, in der man natürliches Wasser vom Fuji im Durchlaufverfahren genießen kann. Diese Anlage ist „Fuji-Yama Tensui SPA Sauna Takanoyu".
Nachdem ich mich umgezogen hatte, verbeugte ich mich vor „Sauna Shikiji" und stieg ins Taxi zum nächsten Ziel.
Fortsetzung folgt.





