Ob ein Besuch in einer Einrichtung das erhoffte Erlebnis bringt, lässt sich oft schon im Moment des Eintretens erahnen.
Bei mir entsteht diese Einschätzung aus dem Zusammenspiel verschiedener Eindrücke: die Atmosphäre, die einen empfängt, ein angenehmer Geruch, die freundliche Haltung des Personals, die Sauberkeit der Räumlichkeiten, die Gäste. All das lässt mich erspüren, ob ein außergewöhnliches Erlebnis bevorsteht. Doch so oft ich auch Häuser gefunden habe, die dieses Versprechen halten – ebenso viele Male wurde ich bereits beim ersten Schritt enttäuscht. Dieser Besuch war leider ein solcher Fall.
Nach einem morgendlichen Saunagang in Kyoto und einigen Besorgungen des Alltags fuhr ich mit dem Auto nach Ibaraki in der Präfektur Osaka. Den Ort hatte ich schon mit dem Zug durchquert, aber ich war noch nie wirklich dort gewesen. Da ich jedoch mit dem Auto unterwegs war, blieb für Sightseeing ohnehin kein Raum. Mein Ziel war Saido Naturonsen Sumire no Yu, das ich bei einer früheren Recherche entdeckt hatte. Ich hatte mich sehr darauf gefreut – eine Einrichtung mit freifließendem Naturquellwasser und einem löyly-Sauna. Und doch: Gewissheit, dass alles nach Wunsch verläuft, hat man nie. Deshalb hatte ich, wie es meine Art ist, bereits ein zweites Ziel in der Hinterhand.
Ich parkte das Auto und betrat die Einrichtung. Sofort drang ein unangenehmer Geruch in meine Nase. Links neben dem Eingang befanden sich die Schuhfächer, und aus diesem Bereich strömte ein deutlicher Fußgeruch. Auch rund um den Empfang war er leicht wahrnehmbar. Ich stand fünf Sekunden lang vor meiner Entscheidung: Weitergehen oder umkehren? Aus Erfahrung weiß ich, dass ein unbehagliches Gefühl beim Betreten einer Einrichtung selten täuscht. Und doch – wer schon einmal da ist, möchte zumindest das Bad und die Sauna genießen. Also meldete ich mich am Empfang an und begab mich in den großen Badebereich.
Da ich den Morgen bereits in der Sauna verbracht hatte, duschte ich kurz ab und ging dann direkt in das Außenbad. Was mich lockte, war das freifließende Naturquellwasser, das angeblich aus 1.000 Metern Tiefe sprudelt. Als ich mich in das goldene Wasser gleiten ließ, war die Temperatur angenehm mild – ideal zum Entspannen. In wirklich guten Naturthermen lässt die Anspannung langsam nach, und genau das geschah auch hier. Gleichzeitig spürte ich eine tiefe, anhaltende Wärme von innen. Mit jedem Moment fühlte ich mich besser. In Japan gibt es die Tradition des Toji, der Badekur – und tatsächlich: Dass warme Quellen den menschlichen Körper beleben, daran besteht kein Zweifel. Mitten in der Großstadt Osaka freifließendes Quellwasser genießen zu können – das ist ein wunderbares Geschenk.
Nach diesem belebenden Bad begab ich mich in die Saunakabine. Der erste Eindruck: trockene Luft. Es fehlte an Luftfeuchtigkeit. Nach einer Weile setzte der automatische löyly-Service ein. Würde das Abhilfe schaffen? Leider nein – die Wassermenge war zu gering, der entstehende Dampf zu schwach, die Luftfeuchtigkeit stieg kaum an. Schade. Wirklich schade. Mit etwas mehr Wasser und höherer Luftfeuchtigkeit hätte dieser Sauna echtes Potenzial.
Nach dem Schwitzen wartete das Kaltbad – mein Lieblingsmoment. Die Wände waren mit Binchotan-Holzkohle ausgekleidet, über die das Wasser herabrieselte. Ich tauchte bis zu den Schultern ein: 16 °C, perfekt. Der Sauna hatte ich einiges vermisst, aber dieses Kaltbad war erfrischend und angenehm. Allerdings bietet es nur Platz für etwa drei Personen, weshalb es zu Stoßzeiten zu Wartezeiten kommen kann.
Nach dem Kaltbad gönnte ich mir eine kurze Pause im Außenbereich. Doch angesichts der bescheidenen Saunaeinstellung hatte ich keine Lust, weitere Runden zu drehen. Auf einer Saunareise ist es am klügsten, auf die eigene Intuition und die Signale des Körpers zu hören. Ich entschied mich ohne Zögern: Eine Runde, und dann war es das für diese Einrichtung.