Wenn ich eine Einrichtung entdecke, die ich besuchen möchte, bin ich schon aufgeregt – aber wenn ich sie dann mit eigenen Beinen erreiche, ist die Freude noch größer. Das wird zu einer Lebenserfahrung, von der man nicht weiß, wo sie einem noch nützen wird, aber sie gehört unweigerlich zum Schatz des eigenen Lebens. So ist das mit dem Reisen.
Nachdem ich im Sukkama Genji no Yu ein außergewöhnliches Erlebnis gehabt hatte, reiste ich nach Uji in der Präfektur Kyoto und checkte im Hotel ein. Es war noch früher Abend, und bis zur abendlichen Saunarunde blieb noch Zeit. Ich lag auf dem Bett und schaute ein Baseballspiel, doch wohl auch wegen der Erschöpfung von der langen Reise nickte ich mehrmals ein. Endlich raffte ich mich um 18 Uhr auf.
Mein nächstes Ziel war das Uji Natürliche Thermalquellen Genji no Yu. Es wird von derselben Betreibergesellschaft wie das Sukkama Genji no Yu geführt, das mich am Vormittag so begeistert hatte – also konnte hier wohl kaum etwas schiefgehen. Voller Vorfreude auf das, was mich erwartete, fuhr ich los.
Als ich ankam, empfing mich eine ruhige, von japanischer Ästhetik geprägte Atmosphäre. Nachdem ich mich angemeldet hatte und eintrat, führte ein langer, stimmungsvoller Gang ins Innere. Am Ende befand sich ein Restaurant, links davon der große Badebereich. Ich warf beim Vorbeigehen einen Blick auf die Speisekarte und grübelte kurz darüber nach, was ich nach dem Baden essen würde. Diese Zeit des Vorstellens – was werde ich nach der Sauna essen? – ist ein wichtiges Würzmittel jeder Saunareise.
Als ich den großen Badebereich betrat, fiel mir auf, dass es – wohl weil es ein Feiertag war – recht voll war. Besonders junge Gruppen waren zahlreich vertreten. Aber voll oder leer spielt keine Rolle. Nicht die anderen ablenken lassen, sondern sich auf sich selbst konzentrieren und ein gutes Erlebnis herausholen – das ist entscheidend. Die Sauna ist letztlich ein Dialog mit sich selbst.
Zunächst reinigte ich mich und wärmte meinen Körper im Innenbereich im hochkonzentrierten Kohlensäurebad (1200 ppm) gründlich auf. Die angenehme Temperatur von 38 °C ließ die Durchblutung spürbar ansteigen. Danach wechselte ich in den Außenbereich. Dort befand sich ein riesiges Felsbad, gefüllt mit bräunlichem Thermalwasser – ein natürliches Chloridquellwasser. Die Haut fühlte sich samtig an, es war wunderbar. Chloridquellen werden auch als „wärmendes Wasser“ bezeichnet, weil das Salz, das sich auf der Haut absetzt, die Verdunstung von Schweiß verhindert und so die Körperwärme lange anhält. Eine Weile lang bewunderte ich im Außenbad den schönen Garten und wärmte meinen Körper bis tief ins Innere durch die Segnungen des Thermalwassers.
Schließlich machte ich mich auf den Weg zum Saunaraum. Als ich die Tür öffnete, breitete sich vor mir ein außergewöhnlich großer Raum aus. In dem stadionartigen Saunaraum, der problemlos Platz für 30 Personen bieten konnte, thronte majestätisch ein Iki-Ofen von METOS. Auch die breite Sitzfläche war großartig. Man konnte bequem im Schneidersitz sitzen oder die Beine anziehen und die Sitzhaltung frei ändern – eine äußerst willkommene Einrichtung für Saunaliebhaber. Offenbar wurden regelmäßig löyly-Aufgüsse durchgeführt, denn im Raum lag ein herrlicher Aromaduft, der zutiefst beruhigte.
Nachdem ich meinen Körper gründlich erhitzt und meine Grenze erreicht hatte, verließ ich den Saunaraum und fand direkt vor mir das Kaltwasserbecken. Der Weg war eine Distanz von null. Perfekt. Ich spülte den Schweiß mit einer Wasserdusche ab und ließ meinen Körper langsam ins Wasser sinken. Mit ausreichender Größe und einer Tiefe von 1 m konnte ich den ganzen Körper gründlich abkühlen. Die Temperatur lag bei etwa 18 °C und war weder zu kalt noch zu warm, sondern so angenehm, dass man ewig darin bleiben konnte.
Als ich das Kaltwasserbecken verließ, fiel mir in den verschiedenen Bereichen des Außenbads eine Reihe von Liegestühlen auf. Da es fast 20 Stühle gab, schien es selbst bei so vielen Gästen unwahrscheinlich, dass jemand zum „Totonou-Flüchtling“ würde. Ich setzte mich auf einen freien Stuhl und ließ mir den Nachtwind um die Ohren wehen. Auch im Sukkama Genji no Yu hatte ich es schon so empfunden, aber die gesamte Abfolge von Sauna, Kaltwasserbecken und Frischluftbad sowie deren Qualität waren wirklich hervorragend.
In der zweiten Runde entschied ich mich, den vom Personal um 19 Uhr angebotenen löyly-Service zu erleben. Als die Zeit gekommen war, betrat ein Mitarbeiter den Raum und schüttete reichlich Acerola-Aromawasser auf die Saunasteine. Im selben Augenblick erfüllte sanfter Dampf zusammen mit dem süß-säuerlichen Aromaduft den gesamten Saunaraum. Der Mitarbeiter fächelte jedem Einzelnen mit einem großen Fächer kraftvoll Luft zu. Als dann der zweite Durchgang des löyly begann, erreichte die Hitze im Saunaraum ihren Höhepunkt und die gefühlte Temperatur stieg schlagartig an. Aus jeder Pore strömte Schweiß. Während ich mir vorstellte, wie großartig das Kaltwasserbecken und das Frischluftbad danach sein würden, ertrug ich die heftige Hitzewelle bis zum Schluss.
Ich bedankte mich bei dem Personal und ging hinaus, um meinen erhitzten Körper im Kaltwasserbecken rasch abzukühlen. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass ein intensiver löyly-Service das anschließende Totonou im Kaltwasserbecken und im Frischluftbad noch tiefer macht.
Ich lehnte mich mit meinem ganzen Gewicht auf den Stuhl im Außenbereich und blieb während des Frischluftbads völlig benommen. Mein Kopf wurde leer, und ich spürte nur den angenehmen Wind. Ich bestätigte noch einmal das Glücksgefühl, das man auf einer Reise nach langer Zeit erlebt, und mir stieg Freude in die Brust. Spontan war ich nach Kyoto gekommen, doch ich hatte nicht erwartet, dass ich hier so ein großartiges Erlebnis haben würde. Thermal- und Saunareisen sind einfach großartig. Solange Zeit und Kondition es zulassen, möchte ich diese wunderbare Reise auch weiterhin fortsetzen.
Nachdem ich zwei Durchgänge beendet hatte, war mein Körper bereits vollkommen totonou, sodass ich die heutige Sauna hiermit beendete.