Wir leben in einer Zeit, in der Effizienz in allem an erster Stelle steht.
Durch den Fortschritt der IT-Technologie kann man Waren bekommen, ohne den Ort überhaupt aufzusuchen, Erfahrungen durch Videos simulieren und mit KI in Sekundenschnelle nahezu alles erzeugen. Doch bei Onsen und Sauna bleibt einem nichts anderes übrig, als den eigenen Körper an den Ort zu bringen und die Erfahrung unmittelbar zu erleben. Dass ich so sehr von Saunareisen fasziniert bin, liegt schlicht daran, dass sie eine zutiefst lebendige Handlung darstellen – sie lassen mich mit überwältigender Intensität spüren, dass ich am Leben bin.
Mit solchen Gedanken im Kopf kam ich in Genki Onsen Banpaku Oyuba in Suita, Osaka an. Dabei hatte ich erst vor kaum 30 Minuten noch in der Sauna von Saito Tennen Onsen Sumire no Yu gesessen. Und davor hatte ich in Kyoto noch eine morgendliche Saunarunde absolviert. Das heißt: Obwohl es noch nicht mal Mittag war, war dies mein dritter Badegang des Tages. Sauna-Enthusiasten werden vielleicht nickend zustimmen, aber für normale Menschen dürfte das schlicht nach Wahnsinn und absonderlichem Verhalten aussehen. Für mich jedoch ist genau diese übertriebene Leidenschaft das Wesen einer Reise.
Trotz der frühen Stunde war die Anlage gut besucht. Ich durchquerte die saubere Lobby, erledigte den Empfang und vergaß auf dem Weg zum Badebereich nicht, einen Blick auf die Speisekarte des Restaurants zu werfen. Die Vorstellung, was ich nach dem Bad essen würde – auch das gehört zum Vergnügen.
Ich zog mich in der Umkleide aus und betrat den großen Badebereich. Als erstes fiel mir der hohe, offene Innenraum ins Auge. Neben zahlreichen Waschplätzen gab es eine große Auswahl an Becken. Die Innenbereichs-Sauna war eine Doppelkonstruktion aus Ferninfrarotheizung und Steinofen, und gleich daneben befand sich das Kaltwasserbad – eine perfekte Anordnung.
Was mein Herz jedoch wirklich gewann, war der Außenbereich. Im weitläufigen Freiluft-Bad sprudelte ununterbrochen natürliches Thermalwasser. Ein so riesiges Felsenbad mit Thermalwasser zu füllen – dafür ist eine außerordentlich ergiebige Quelle nötig. Die überwältigende Freiheit, unter dem offenen Himmel zu liegen und aufzublicken – genau das ist mein Lieblingsort. Im Außenbereich gab es zusätzlich zum Felsenbad noch drei weitere Becken und eine Sauna. Und genau diese Außensauna war der Hauptdarsteller meines heutigen Ausflugs – ein Ort absoluter Genüsse.
Nachdem ich die Anlage erkundet hatte, duschte ich kurz ab und tauchte sogleich in das natürliche Thermalwasser des Außenbads. Das Entspannen im offenen Felsenbad ist einfach etwas Besonderes. Da dies bereits mein dritter Badegang des Tages war, wärmte sich mein Körper ungewöhnlich schnell auf.
Die erste Runde begann ich mit der Ferninfrarotsauna im Innenbereich. Im Inneren lief eine Zusammenfassung großartiger Baseball-Szenen aus der Major League, die ich entspannt betrachtete, während ich mich langsam aufwärmte. Nachdem ich ordentlich geschwitzt hatte, verließ ich die Sauna und kühlte mich direkt im angrenzenden Kaltwasserbad ab. Es gab keine Temperaturanzeige, aber ich schätzte es auf etwa 17–18 °C. Nicht zu intensiv, sondern angenehm genug, um lange darin zu verweilen. Danach begab ich mich in den Außenbereich, um im Sonnenlicht und unter dem blauen Himmel frische Luft zu genießen. In der Liegezone hatten sich bereits viele Männer hingestreckt und das Bewusstsein verloren. In einem so offenen Raum hinzuliegen – auch ich würde wohl bald wegdriften.
Nach einer Weile äußerer Entspannung war es endlich Zeit für die zweite Runde – die eigentliche Hauptattraktion: die löyly-Sauna im Außenbereich.
Diese Sauna war schlicht und ergreifend wunderbar. Der Raum bot Platz für etwa zwölf Personen; die Sitzplätze waren kreisförmig um den zentral gelegenen Saunaofen angeordnet. Die Temperatur lag wohl bei etwa 85 °C. Besonders bemerkenswert war die Dunkelheit – solange die Tür geschlossen ist, ist es nahezu vollständig finster. Diese Atmosphäre ist wie geschaffen für die Meditation und das Versinken in sich selbst.
Nach einer Weile startete das automatische löyly alle zwölf Minuten. Überraschend war, wie lang dieser Vorgang dauerte – fast eine Minute lang wurde Wasser auf die Saunasteine gegossen. Und die Art, wie das Wasser aufgebracht wurde, war meisterhaft: Nicht ein großer Schwall auf einmal, sondern ein gleichmäßiger, duschartiger Strahl, sodass die Hitze im Saunaraum langsam, aber stetig anstieg.
Löyly bedeutet nicht einfach, möglichst viel Wasser aufzugießen. Wirft man alles auf einmal auf, entsteht eine heftige Dampfwelle, die sich wie brennende Hitze auf der Haut anfühlen kann – ein unangenehmes, belastendes Erlebnis. Hier hingegen war alles sorgfältig darauf ausgelegt, den Dampf langsam und gleichmäßig zu verteilen – und das war wirklich herrlich. Gegen Ende war die gefühlte Temperatur spürbar gestiegen, und das Ergebnis war mehr als zufriedenstellend.
Nach der Sauna ging ich wieder zum Kaltwasserbad im Innenbereich. Ein kleiner Wermutstropfen war, dass es im Außenbereich kein Kaltwasserbad gab. Der Weg von der Außensauna zur Innensauna verursachte unvermeidlich einen Zeitverlust. Direkt neben dem Ausgang der Außensauna befand sich ein runder Whirlpool – würde man diesen in ein Kaltwasserbad umwandeln, wäre der Übergang von Sauna zu Kaltbad zu Frischluftpause nahtlos, und für Saunafans wäre das eine schlechthin perfekte Anlage.
Beim Frischluftausklang der zweiten Runde legte ich mich zwischen all die anderen bewusstlosen Männer und ließ auch ich für eine Weile das Bewusstsein davonfliegen.
Dann raffelte ich mich auf und startete die dritte Runde – meinen letzten Saunagang des Tages. Noch einmal begab ich mich in die löyly-Sauna im Außenbereich, ließ mich beim langen, perfekt dosierten löyly ausgiebig durchdampfen und schloss den Aufenthalt mit einem Bad im Kaltwasserbecken im Innenbereich ab.