Spa Metsa Otaka Ryusenji no Yu liegt in der Stadt Nagareyama in der Präfektur Chiba.
Vom Bahnhof Akihabara steige ich in den Tsukuba Express und fahre in Richtung Bahnhof Nagareyama Otakanomori. Ein vertrautes Gefühl überkommt mich – damals, als ich noch in Tokio wohnte, fuhr ich regelmäßig mit dem Tsukuba Express. Ich hatte eine Wohnung entlang dieser Strecke. Spontan beschließe ich, einen Abstecher zu meinem damaligen Zuhause zu machen. Ich steige am Bahnhof Musashino-ku Rokkucho aus und laufe die altbekannten Straßen entlang – nichts hat sich verändert.
Auch das Apartment steht noch genauso wie damals. Als ich davor stehe, kommen Erinnerungen lebhaft zurück – mit welcher Stimmung, mit welchem Gesichtsausdruck ich damals durchs Leben gegangen bin. Ich vergleiche mein früheres mit meinem heutigen Ich und spüre, wie weit ich seitdem gewachsen bin. Viele Erlebnisse haben sich zusammengefügt und mich zu dem gemacht, was ich heute bin. An Orte zurückzukehren, an denen man einst gelebt hat, ist ein Akt, der einem bewusst macht, dass das Leben eine Geschichte ist.
Nach diesem Schwelgen in Erinnerungen steige ich wieder in den Zug und fahre bis Nagareyama Otakanomori. Ich checke im heutigen Hotel ein und laufe zu Fuß zu Ryusenji no Yu. Schon bald ist das Schild zu sehen – allein die Fassade verrät, was für ein gewaltiges Haus das ist. Ich gehe zur Rezeption im zweiten Obergeschoss und betrete das Gebäude. Dort befindet sich eine großzügige Lounge, die ausschließlich für die Iwanburo-Abteilung reserviert ist. Eine beeindruckende Weitläufigkeit. Da ich die Gesteinsbadanlage nicht nutze, nehme ich die Treppe ins Erdgeschoss. Der Eingang zum großen Badebereich kommt in Sicht. Im Umkleideraum ziehe ich mich aus – das nächtliche Saunaerlebnis beginnt.
Direkt beim Betreten des Badebereichs empfängt mich der legendäre Drachen-Sauna. Dieser Saunaraum ist bekannt für das sogenannte „Dragon-löyly


bei dem stündlich fünf iki-Öfen gleichzeitig befeuert werden. Direkt vor dem Sauna-Ausgang warten zwei Kaltwasserbecken: eines mit 8 °C und eines mit 16 °C. Offenbar wird Grundwasser verwendet – die Wasserqualität ist ein zusätzlicher Anreiz. Im Zentrum des Innenbadebereichs befindet sich ein riesiges Kohlensäurebad, das gut 20 Personen Platz bietet; an der Wand ist großflächig auf die Wirkung des Kohlensäurebades hingewiesen. Rund um das Kohlensäurebad gibt es außerdem eine sogenannte Fukanyu-Wanne mit natürlichem Thermalwasser sowie ein Elektrobad. Im Außenbereich locken ein großes Becken mit natürlichem Thermalwasser, eine Salznebel-Sauna, eine Meditationssauna und ein weiteres Kaltwasserbad – ein üppiges Angebot.
Nachdem ich alle Wege erkundet habe, starte ich mit dem ersten Durchgang. Ich betrete den Drachen-Sauna. Der Raum ist sehr groß und verfügt über vier Sitzreihen. Zwischen der obersten und der untersten Reihe besteht ein erheblicher Temperaturunterschied, sodass sowohl Einsteiger als auch erfahrene Saunagänger auf ihre Kosten kommen. An der Stirnseite des Saunaraums thronen die fünf iki-Öfen – ihr Anblick ist imposant. Da es keinen Fernseher gibt, ist es ein vollkommen stiller Raum, in dem man ganz bei sich sein kann. Ein Hinweisschild fordert dazu auf, den Raum zu verlassen, wenn man flüstert oder redet. Außerdem wird die Luftfeuchtigkeit konsequent geregelt: An den Wänden liegen Holzbretter, die ständig mit Wasser benetzt werden – so bleibt die Feuchtigkeit dauerhaft hoch. In dieser wunderbaren Sauna wärme ich meinen Körper gründlich auf.
Nach dem Saunagang tauche ich in das 16-°C-Kaltwasserbad mit Grundwasser ein. Geräumig, tief und temperaturmäßig genau richtig. Das Wasser fühlt sich angenehm weich an. Es ist meine persönliche Überzeugung, dass das Gefühl nach einem Grundwasserbad deutlich erfrischender ist als nach einem mit Leitungswasser. Ich begebe mich in den Außenbereich und beobachte, wie mein Körper reagiert. Eine Frische wie nach einem Bad in Minzwasser strömt durch mich hindurch. Diese Erfrischung während der Außenluftruhe ist, ohne Übertreibung, der schönste Moment in meinem Leben.
Für den zweiten Durchgang gehe ich in die Meditationssauna im Außenbereich. Sie ist ein kompakter Raum für etwa acht Personen, in dem man selbst löyly gießen und die Sauna nach eigenem Ermessen genießen kann. Der Raum ist bereits voll belegt – ich quetsche mich etwas unbequem hinein. Die Temperatur ist mit etwa 80 °C etwas niedriger. Verglichen mit dem Drachen-Sauna, der heißer und geräumiger ist, keinen Fernseher hat und in dem Gespräche untersagt sind, habe ich das Gefühl, dass auch die Drachen-Sauna ein Meditationserlebnis ermöglicht – ohne die Meditationssauna extra aufsuchen zu müssen. Direkt vor dem Ausgang der Meditationssauna im Freien befindet sich ein Kaltwasserbad. Diese hervorragende Wegeführung ist ein Markenzeichen von Ryusenji no Yu. Nach ausgiebiger Abkühlung begebe ich mich zur Außenluftruhe des zweiten Durchgangs.
Nun kommt der letzte Durchgang. Als Abschluss möchte ich das Dragon-löyly erleben. Ich richte meine Zeit entsprechend ein und betrete den Saunaraum. Es ist 20 Uhr. Die Beleuchtung des Raumes wechselt, und ein mitreißender Rhythmus erklingt als Hintergrundmusik. Vom linken iki-Ofen beginnend wird der Reihe nach Wasser aufgegossen, bis alle fünf Öfen ihr löyly erhalten haben. Anschließend bläst das eingebaute Gebläse den heißen Dampf durch den gesamten Raum. Vorder- und Rückseite meines Körpers werden gleichermaßen von der Hitze erfasst. Ich denke, es war das gewesen – doch dann beginnt unmittelbar darauf ein zweiter aufguss-Durchgang. Erneut wird auf alle fünf iki-Öfen Wasser gegossen, erneut verteilt das Gebläse die Hitze im Raum. Das ist kaum zu ertragen – auf die beste Art. Den ganzen Körper voller Hitzewellen, marschiere ich direkt in das Kaltwasserbad.
Da der löyly meinen Körper so gründlich aufgeheizt hat, wandere ich vom 8-°C-Bad direkt ins 16-°C-Bad und kühle mich damit bis auf die Knochen ab. Nach dem 8-°C-Wasser fühlt sich das 16-°C-Bad überhaupt nicht kalt an – es ist geradezu angenehm. Dieses Wechselbad von kalt zu kalt ist ebenfalls einer der wahren Genüsse der Saunakultur.





