Meinen letzten Besuch im Sky Spa YOKOHAMA hatte ich am 7. August 2021. Es ist tatsächlich ein Besuch nach 4 Jahren. Dass ich das Datum so genau in Erinnerung habe, liegt daran, dass an jenem Tag das Baseballfinale der Olympischen Spiele in Tokio stattfand. Im Restaurant nach dem Sauna-Gang das Spiel zu verfolgen – daran denke ich noch heute gern zurück. Damals befand ich mich mitten in den Vorbereitungen zur Selbstständigkeit und im Begriff, meinen Arbeitgeber zu verlassen – körperlich wie seelisch ausgelaugt. Auf der Suche nach Erholung hatte ich den Weg ins Sky Spa YOKOHAMA gefunden und war von seiner außergewöhnlichen Qualität schlicht überwältigt.
Nach dem Umziehen am Spind betrete ich nach 4 Jahren wieder den großen Badebereich. Vertraute Bilder breiten sich vor mir aus. Der Ausblick auf Yokohamas Skyline und den Hafen direkt aus dem Bad und dem Sauna-Bereich – das ist schlicht atemberaubend.
Ich reinige mich und wärme den Körper im Kunstonsen auf. Heute ist es ein Kunstonsen, vor 4 Jahren war es noch ein Kohlensäurebad. Die Zeit verändert auch die Einrichtungen. Doch nicht nur die Wannen haben sich verändert – es gibt jetzt auch eine zusätzliche Sauna. Früher gab es nur die Hauptsauna, doch inzwischen wurde eine löyly-Sauna mit Selbstaufguss neu eingebaut.
Zuerst gehe ich in die Hauptsauna. Kein Fernseher, eine ruhige Atmosphäre, und durch die Scheiben blickt man auf die Stadt Yokohama. Der Blick zieht einen unweigerlich in seinen Bann. Auch die anderen Gäste genießen das Saunabad in aller Ruhe und lassen dabei die Aussicht auf sich wirken. Da die Wände mit Kelo-Holz verkleidet sind, vermischen sich der feine Holzduft und das Aroma des löyly – zusammen mit dem atemberaubenden Panorama ist dieser Ort wirklich etwas ganz Besonderes.
Nach dem Verlassen der Sauna geht es in das Kaltwasserbecken. Groß und tief – die Wassertemperatur liegt bei etwa 15 °C? Vielleicht auch etwas kälter. Den aufgeheizten Körper auf einen Schlag abzukühlen ist herrlich. Anschließend setze ich mich in einem der Ruhestühle – und schon beim ersten Durchgang überkommt mich eine tiefe Entspannung.
Als der Herzschlag sich beruhigt hat, starte ich den zweiten Durchgang – diesmal in der löyly-Sauna. Ein dunkler Raum mit Platz für etwa 10 Personen. Ganz oben gibt es einen Einzelplatz in bester Lage. Aus dieser Sauna sieht man keine Aussicht. Hier schließt man die Augen, atmet ruhig und spürt nach innen statt auf die Außenwelt zu achten. Der Körper erwärmt sich langsam, der Puls steigt, der Schweiß bricht aus. Mit geschlossenen Augen atme ich tief durch. Jemand schüttet Wasser auf die Steine. Eine Hitzewelle hüllt den Körper ein. In dem Moment, in dem ich denke: „Ich kann nicht mehr!“, verlasse ich die Sauna und springe ins Kaltwasserbecken. In dem Augenblick, als ich ins Wasser eintauche, bin ich schlagartig wieder in der Wirklichkeit.
Während ich auf dem Stuhl sitze und auf die Stadt Yokohama blicke, wundere ich mich, wie wohltuend es sein kann, einfach nur gedankenlos zu dösen. Im Alltag gibt es zwar Zeit – manche sagen, der Tag habe nur 24 Stunden, doch für mich hat er ganze 24 Stunden. Selbst nach 8 Stunden Schlaf bleiben noch 16 Stunden. Wie viel davon verbringen wir wirklich ohne Gedanken, einfach leer im Kopf? Ständig prasseln äußere Reize auf uns ein – Arbeit, Smartphone-Benachrichtigungen – und wenn man die Momente echter innerer Ruhe addiert, fragt man sich, wie viele Minuten am Tag das wirklich sind. Die Ruhe, die der Mensch braucht, liefert die Sauna. Während man in der Sauna ist, befindet man sich auf einer Reise in eine andere Welt. Auch jetzt bin ich noch unterwegs. Kein Smartphone, kein Computer hier. Niemand, der einen anspricht. Eine vollkommen andere Welt.
Im dritten Durchgang gehe ich wieder in die Hauptsauna. Sky Spa YOKOHAMA bedeutet für mich diese Hauptsauna. In der Sauna sitzen und auf die Stadt Yokohama schauen – dieses Erlebnis gibt es nur hier. Der Anblick beruhigt mich, und ich spüre den Wunsch, mich selbst zu loben. Ich gebe wirklich mein Bestes.
Nach dem Kaltwasserbecken und der Ruhepause beginnt der vierte Durchgang. Diesen Rhythmus kann ich jetzt nicht mehr unterbrechen. Wie ein Runner's High befinde ich mich in einem Sauna-High. Ohne dass mich jemand aufhält, könnte ich ewig weitermachen. Nach der Ruhepause des vierten Durchgangs kommt der fünfte. Hauptsauna → Kaltwasserbecken → Pause – gedankenlos im Kreislauf. Nach dem fünften Durchgang überkommt mich das Gefühl: „Das ist perfekt.“ Es ist Zeit aufzuhören. Verpasst man diesen kurzen Moment des Wandels, verliert man den richtigen Ausstiegspunkt. Das Ende ist bei allem entscheidend.


Nach dem Sauna-Gang gehe ich in das Restaurant voller Erinnerungen. Vor 4 Jahren hatte ich hier an der Theke gegessen und das Olympia-Finale verfolgt. Ich setze mich an ungefähr denselben Platz wie damals. Diese Geschichte gehört nur mir – und doch fühlt es sich an, als würde ich mit meinem früheren Ich zusammenleben, was mich seltsam froh macht. Beim Genießen des Ingwer-Schweinebraten-Sets empfinde ich ein tiefes, großes Glück.
Von dieser Kanto-Saunaroute bleiben mir keine unerfüllten Wünsche. Ich habe die bekanntesten Einrichtungen in Tokio, Kanagawa, Saitama und Chiba besucht und das Saunabaden in vollen Zügen genossen. Am liebsten würde ich jede Woche kommen – so viele wunderbare Orte gibt es in der Kanto-Region. Doch hätte ich alles auf einmal, verlöre das Leben seinen Sinn. Gerade weil man nicht alles haben kann, entsteht der Antrieb, wiederzukommen und sich anzustrengen. Auch meine Saunareisen werden nie vollständig sein. Es wird Orte geben, die ich bis zu meinem Tod nie besuchen werde. Diese Unvollständigkeit ist das Leben. Weil es unvollständig ist, gibt es morgen wieder einen Grund, weiterzumachen.
Nach den Vorbereitungen zum Aufbruch verließ ich das Sky Spa YOKOHAMA.





