Es ist das erste Mal seit viereinhalb Jahren, dass ich nach Tokio reise. Derzeit lebe ich in der Präfektur Tokushima, aber vor viereinhalb Jahren habe ich noch in Tokio gewohnt. Tokio ist ein Ort, an dem ich die tiefste Verzweiflung meines Lebens erfahren habe, aber auch der Ort, an dem ich den Anstoß für meinen Aufstieg gefunden habe. Gerade weil es ein so besonderer Ort für mich ist, konnte ich nicht einfach so dorthin reisen. Doch der heutige ich kann es selbstbewusst mit Tokio aufnehmen. Aus diesem Selbstvertrauen heraus habe ich diese Reise unternommen.
Am Morgen wachte ich um 5 Uhr auf. Am ersten Reisetag wacht man eben früh auf. Eine Mischung aus Vorfreude, Anspannung und Aufregung durchströmte meinen Körper, der Adrenalin pur war. Nach einem Morgenspaziergang und dem Frühstück überprüfte ich noch einmal den Reiseplan. Diese Saunareise würde wohl so luxuriös werden, dass Saunaenthusiasten aus ganz Japan vor Neid erblassen würden. Mit diesem Gedanken im Gepäck und einem breiten Grinsen im Gesicht machte ich mich auf den Weg zum Flughafen.
Ich stieg um 9 Uhr morgens ins Flugzeug und landete nach etwa einer Stunde auf dem Flughafen Haneda. Viereinhalb Jahre nach meinem letzten Besuch bin ich wieder in Tokio. Und wohin geht's als Erstes? Na klar – in die Sauna. Mein erstes Saunaziel in Tokio steht bereits fest: Sauna Tokyo in Akasaka. Vom Bahnhof Akasaka-Mitsuke sind es nur etwa fünf Minuten zu Fuß, bis mir die Fassade ins Auge springt, die ich schon so oft in Magazinen gesehen habe. Ich schieße sofort ein Foto von der Außenansicht, verbeuge mich leicht und trete ein. Nach dem Check-in begebe ich mich in den Badebereich. Das kompakte Layout macht es leicht, sich zurechtzufinden – Badebereich, Restaurant und alles andere sind übersichtlich angeordnet.
Als ich den Badebereich betrat, öffnete sich vor mir eine andere Welt. In dem abgedunkelten, modern beleuchteten Raum lag ein wunderbarer Aromaduft in der Luft. In Sauna Tokyo befindet sich im Erdgeschoss der Kohlensäurebad- und Waschbereich, während sich im Obergeschoss die Sauna, das Kaltbad und der Ruhebereich für die Erholung an der Innenluft befinden.
Zunächst wärme ich mich im Kohlensäurebad auf. Die durch Flugzeug und Zug am Vormittag verspannte Muskulatur beginnt sich zu lösen. Nach dem Aufwärmen ist es endlich Zeit für die Sauna.
In Sauna Tokyo gibt es fünf verschiedene Saunen. Ich möchte jede kurz vorstellen:
1. Joki Ranbu – Löyly Sauna –
Die Hauptsauna mit einer Kapazität von bis zu 40 Personen, in der unter anderem aufguss-Events stattfinden.
2. Tejaku Joki – Self Löyly Kero Sauna –
Eine Sauna mit Selbst-löyly-Funktion, gefertigt aus Kero-Holz, dem sogenannten Holzedelstein aus Finnland.
3. Showa Enseki – Super Dry Sauna –
Eine klassische, trockene Hochtemperatursauna mit einem Infrarot-Heizstrahler nahe der 100-Grad-Marke, der den ganzen Körper langsam und gründlich erhitzt.
4. Meiso – Meditation Sauna –
Eine in Stille und Dunkelheit gehüllte Sauna. Die Sitzflächen sind durch Trennwände abgetrennt, sodass man sich in einem vollständig privaten Raum der Meditation hingeben kann.
5. Todana Jofuro – Japanese Steam Sauna –
Eine Niedertemperatur-Dampfsauna, die das Dampfbad der Edo-Zeit für die Gegenwart neu interpretiert.
Von all diesen hatte ich mich am meisten auf die Tejaku Joki – Self Löyly Kero Sauna – gefreut. Der Saunaraum aus Kero-Holz, dem sogenannten Edelstein der Hölzer, besticht vor allem durch seinen unglaublichen Duft. In dem Moment, als ich den Saunaraum betrat, war ich schlicht überwältigt: Was für ein wunderbarer Geruch! Voller Vorfreude, welche Duft- und Raumwelt mich in Sauna Tokyo erwarten würde, trat ich ein. Zum Glück war ich allein. Und der Duft war so überwältigend gut, dass ich völlig ausrastete. Ich setzte mich auf die Bank, näherte meine Nase der Wandverkleidung und sog den Geruch mit aller Kraft ein. Gut, dass ich allein war – das war nämlich ein ziemlich exzentrisches Verhalten. Das reiche Aroma des Kero-Holzes zog durch meine Nasenhöhlen direkt bis ins Gehirn. Mit jedem Atemzug kam eine schwindelerregende Welle der Lust über mich. Nachdem ich den Duft in vollen Zügen genossen hatte, führte ich mehrfach Selbst-löyly durch und erhitzte meinen Körper bis an die Grenze.
Nach der Sauna folgt das Kaltbad – und hier stehen gleich drei verschiedene zur Auswahl. Die Temperaturen von 8 °C, 16 °C und 22 °C sind schlicht ideal. Auch die Größe ist angenehm. Da die einzelnen Becken miteinander verbunden sind, lässt sich ein Wechselbad zwischen z. B. 8 °C und 16 °C nahtlos durchführen. Nach dem Abkühlen geht es in den eigens dafür vorgesehenen Ruhebereich. In ordentlichen Reihen aufgestellte Liegestühle sind von Männern bevölkert, die wie ich der Sauna verfallen sind und sich entspannen. Neben den Stühlen stehen außerdem einige Betten bereit, auf denen man sich hinlegen kann. Die Raumluft, die Düfte, die Qualität der Liegen und die Sauberkeit – in jedem Detail wurde höchster Anspruch gelegt, sodass man sich fragen würde, warum man hier eigentlich nicht in den Zustand des totonou kommen sollte. Am Ende des Ruhebereichs gibt es zudem einen Getränkeservice – gegen Aufpreis zwar, aber die Möglichkeit, während der Erholung verschiedene Getränke zu genießen, ist eine durchdachte Aufmerksamkeit.
Für den zweiten Durchgang gehe ich in die Hauptsauna. In der Mitte des Raumes thront ein riesiger Saunaofen, über den gelöylt werden kann. Was mich beim Betreten überraschte: Der Boden war komplett nass. Das liegt daran, dass das Personal bei seinen regelmäßigen Rundgängen gezielt Wasser auf den Boden gießt, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. In Sauna Tokyo wird der Feuchtigkeit enorm viel Aufmerksamkeit geschenkt – bereits in der Kero-Sauna beim ersten Durchgang hatte das Personal zusätzlich löyly gemacht, unabhängig von dem löyly, das die Gäste selbst durchführten. Dank all dem war nicht die geringste Trockenheit zu spüren. Durch die hohe Temperatur und Luftfeuchtigkeit brach der Schweiß im Nu aus allen Poren.
Nach Erreichen der Grenze folgte das Kaltbad, dann wieder der großartige Ruhebereich. Da ein Bett frei war, legte ich mich hin. Neben jedem Bett ist eine Dusche installiert – ein durchdachtes Hygienekonzept. Wenn man sich davor und danach kurz abbraust, bleibt alles sauber. Ohne diese Möglichkeit würde sich der Körpergeruch Dutzender Männer schichten und ein unerträglicher Gestank entstehen. Als ich mich hinlegte, begannen die Konturen der Welt vor meinen Augen zu verschwimmen. Wie als würde ich in eine andere Welt hineingezogen, verlor ich das Bewusstsein.
Wie viele Minuten ich in dieser anderen Welt verbracht habe? Und überhaupt – wie viel Uhr war es? Ich hatte jedes Zeitgefühl verloren, so tief war diese Entspannung. Für den dritten Durchgang machte ich mich auf den Weg. Eigentlich wollte ich alle Saunenarten ausprobieren, aber die Kero-Sauna war einfach zu gut gewesen – also rein noch einmal. Duft, Wärme, Herzschlag und die pure Freude, eine außergewöhnliche Sauna genießen zu dürfen.
Von einem überwältigenden Glücksgefühl erfüllt wechselte ich von der Sauna ins Kaltbad und beendete damit den dritten Durchgang.


Sauna Tokyo, über das ich mir unzählige Male in Magazinen und auf Websites informiert hatte, war eine Anlage, auf die das Wort außergewöhnlich wie maßgeschneidert passt. Neben der Qualität der Sauna selbst strahlt es auch die Eleganz aus, die zum Stadtbezirk Akasaka in Tokio passt. Wenn man hier ist, hat man fast das Gefühl, selbst ein eleganter Mensch zu sein – eine Illusion, die einen verführt, und die gleichzeitig zeigt, was Tokio als Stadt so gefährlich macht...
Nach dem Saunagenuss im Herzen von Tokio machte ich mich auf zum nächsten Ziel. Obwohl ich gerade erst in Tokio angekommen bin, geht es nun weiter in die Präfektur Chiba. Dort warte ich mit der bekanntesten und beliebtesten Anlage der ganzen Präfektur auf mich. Der Plan für diese Saunareise sieht vor, die jeweils beliebteste Anlage in Tokio, Chiba, Saitama und Kanagawa zu besuchen. Wer die Saunawelt kennt, dürfte längst ahnen, welche Anlage ich als Nächstes aufsuche: Es ist Spa Metsa Otaka – Ryusenji no Yu.





