Um 19 Uhr kam ich in BadenGarden an. An diesem Tag hatte ich morgens das Onsen Balcony King & Queen besucht, danach noch Menschen getroffen und eine wunderbare Zeit verbracht – so war die Stimmung bei meiner Ankunft bereits ausgezeichnet.
In BadenGarden gibt es eine Sauna, die aus sogenanntem Kelo-Holz gebaut wurde – in Finnland als der Edelstein unter den Hölzern bekannt. Kelo bezeichnet Kiefern, die in den kalten Regionen Nordeuropas wie Finnland nach 200 bis 300 Jahren Wachstum auf natürliche Weise abgestorben und stehen geblieben sind. Es ist unmöglich, dieses Holz künstlich herzustellen; nur Bäume, die von Natur aus absterben und anschließend Jahrzehnte lang trocknen, werden zu echtem Kelo. Dazu kommt, dass Kelo ausschließlich in den extremen Kälteregionen Finnlands, Nordrusslands und Nordschweden entsteht und in Japan nicht erhältlich ist. Aus diesen Gründen wird es zu unvergleichlich höheren Preisen gehandelt als gewöhnliches Saunaholz, und da auch Importkosten anfallen, gibt es in Japan nur eine Handvoll Einrichtungen, die eine solche Sauna anbieten. Gerade weil man hier eine Sauna aus diesem kostbaren Kelo-Holz erleben kann, genießt BadenGarden in Japan große Aufmerksamkeit.
Da man in BadenGarden auch übernachten kann, wollte ich die Sauna ausgiebig genießen und danach gleich bleiben. Nach dem Check-in ging ich in den Großbadebereich. In der Umkleide für Übernachtungsgäste zog ich mich um und betrat das Bad. Säulen, die an Rom erinnerten, standen zwischen den verschiedenen Becken. Der Gesamteindruck war kompakter als auf den Fotos, die ich mir zuvor angeschaut hatte. Eine Thermalquelle gibt es hier nicht. Links neben dem Eingang befindet sich der Saunaraum – die berühmte Kelo-Sauna. Nach dem Waschen wollte ich sie in vollen Zügen genießen.
Das Herzstück des Kelo-Erlebnisses ist zweifellos sein reiches, intensives Aroma. Die Kelo-Saunen, die ich früher in Kobe Sauna und Sauna Tokyo besucht hatte, boten den Duft allerhöchster Güte – doch wie würde es wohl in BadenGarden sein? Voller Erwartung und in Gedanken bereits die Düfte vorwegnehmend, die meinen Nasengang verwöhnen würden, betrat ich den Saunaraum. Doch was mich dort empfing, war ein völlig anderer Geruch als erwartet. Ich konnte nicht genau sagen, um welches Aroma es sich handelte, aber ein schwacher Aromaduft lag in der Luft – und vom Kelo-Holz war so gut wie nichts zu riechen. Selbst als ich meine Nase ganz nah ans Holz hielt, konnte ich keinen reichen Duft wahrnehmen.
Möglicherweise liegt auch ein strukturelles Problem vor. Die Sauna in BadenGarden besteht aus einem einzigen Saunaraum mit zwei Bereichen: einer mit Kelo-Holz und einer mit Hinoki-Zypresse. Kelo und Hinoki teilen sich also denselben Raum. Meinem persönlichen Geschmack nach wäre es besser, beide Holzarten zu trennen, damit man das jeweilige Aroma und die Wärmekonvektion unverfälscht erleben kann – so blieb ein leises Bedauern zurück. Außerdem ist ja gerade das üppige, natürliche Aroma des Kelo-Holzes selbst der eigentliche Clou, und ich konnte nicht umhin, den Kopf zu schütteln angesichts der Tatsache, dass in einer Kelo-Sauna ein Aroma verwendet wird, das geschmacklich so weit vom Holz entfernt ist.
Auch die Wärmekonvektion im Saunaraum ließ zu wünschen übrig; die gefühlte Temperatur war deutlich niedriger als der Wert auf dem Thermometer. Ob es an der geringen Luftfeuchtigkeit lag oder daran, dass die Wärme nicht zirkulierte, weiß ich nicht – aber selbst nach längerem Verweilen konnte ich meinen Körper nicht richtig aufwärmen. Schwitzen ist beim Saunagang zwar wichtig, doch noch wichtiger ist es, die Kerntemperatur des Körpers zu erhöhen. In einer Sauna mit schlechter Wärmekonvektion und niedriger Luftfeuchtigkeit kommt es leicht dazu, dass man zwar schwitzt, die Kerntemperatur aber nicht wirklich steigt. Ich würde empfehlen, die Positionen von Zu- und Abluft zu überdenken, die Häufigkeit des automatischen löyly zu erhöhen und vielleicht sogar ein automatisches Gebläse einzubauen, um die Luftzirkulation nach dem löyly zu verbessern.
Die Wassertemperatur im Tauchbad lag bei 12 °C und war damit sehr niedrig; dank hochwertiger Binchotan-Aktivkohle fühlte sich das Wasser weich und angenehm an. Allerdings stand diese Kälte in starkem Missverhältnis zur unzureichenden Erwärmung im Saunaraum, sodass nicht Erfrischung, sondern schlicht Kälte das erste Gefühl war. Auch hier gilt: Ein kaltes Tauchbad ist nicht automatisch besser – man muss das Gleichgewicht mit der Wärme und Temperatur des Saunaraums im Blick behalten. Für das jetzige Sauna-Angebot in BadenGarden wäre eine Tauchbadtemperatur von etwa 17 °C wohl ideal.
Insgesamt war das Erlebnis anders als erhofft. Zusätzlich dazu saß im Bad ein tätowierter Mann, der wirkte wie ein Yakuza und sich mit einer gewissen Arroganz breit machte – ich als eher schüchterner Typ musste die ganze Zeit mit einem mulmigen Gefühl dasitzen, was ebenfalls schade war. An diesem Tag beendete ich den Saunagang nach 2 Runden früher als geplant und machte mich auf den Weg zum Abendessen.