Dies war nun leider die letzte Einrichtung meiner Reise. Am liebsten würde ich monatelang bleiben und jede einzelne Onsen- und Saunaanlage in der Kanto-Region besuchen. Doch das ist nicht realistisch – irgendwann muss man nach Hause. Genau deshalb recherchiere ich im Alltag so akribisch, um aus der begrenzten Zeit das Beste herauszuholen. Bei dieser Recherche stieß ich auf eine Anlage, die in allen Becken – einschließlich des Kaltwasserbades – frisch zufließendes Quellwasser verwendet und zudem zwei Saunen bietet. Je mehr ich nachforschte, desto klarer wurde: Diese Einrichtung zählt zu den Besten in der Präfektur Kanagawa. Ihr Name ist Asahiyu Gensen Yuiru.
Vom Bahnhof Keikyu-Kawasaki aus dauerte die Taxifahrt zum Ziel etwa zehn Minuten. Das Gebäude liegt direkt an der Straße und wirkt so unscheinbar, dass man leicht daran vorbeigehen könnte. Ich hatte einen gewöhnlichen Super-Sento erwartet – doch dann: 2.480 Yen für zwei Stunden, ein stolzer Preis. Ich hoffte, dass Onsen, Sauna und Kaltwasserbad diesem Preis gerecht werden würden.
Nach dem Umziehen betrat ich das große Badezimmer – und war überrascht, wie kompakt es war. In der Realität wirkte es kleiner als auf den Fotos, eher wie ein klassischer Stadtsento. Doch das Thermalwasser, das in die Becken fließt, war echtes, außergewöhnliches Quellwasser. Die Quelle wurde in 1.200 Metern Tiefe erschlossen und enthält etwa das 25-fache des Mindestwertes für Thermalwasser – sie ist sogar als Heilquelle (Ryoyosen) anerkannt. In Japan gibt es das Konzept des Toji, der Heilkur durch Thermalwasser, doch nicht jede heiße Quelle entfaltet heilende Wirkung. Nur Thermalwasser mit einer wirklich außergewöhnlichen Mineralstoffkonzentration – eben auf dem Niveau einer anerkannten Heilquelle – kann diese Wirkung tatsächlich erzeugen.
Als ich mich ins Wasser sinken ließ, war es, als würde ich in Lotion gleiten – ein seidiges, schmelzendes Gefühl auf der Haut. Das Wasser hüllte meinen Körper ein und schenkte mir eine tiefe, vollkommene Entspannung. Dieses Onsen wird auch als „Netsu no Yu“ bezeichnet, und tatsächlich wärmte es den ganzen Körper schon nach wenigen Minuten spürbar durch. Laut meiner Vorrecherche soll auch das Kaltwasserbad mit diesem Quellwasser gefüllt sein – allein der Gedanke daran ließ meinen Dopaminspiegel merklich ansteigen. Ich habe in meinem Leben schon viele Thermalquellen besucht, doch das Onsen im Asahiyu Gensen Yuiru gehört zweifellos zur absoluten Spitzenklasse.
Nach diesem wärmenden Einstieg war es Zeit für die Sauna. Das Asahiyu Gensen Yuiru bietet zwei Saunen:
1. löyly-Sauna:
Ein Saunaraum mit über 100 °C Raumtemperatur. Regelmäßiges automatisches löyly besprengt die Saunasteine mit einer beträchtlichen Wassermenge, wodurch sich intensive Hitze im gesamten Raum ausbreitet.
2. aufguss-Sauna:
Ein großzügiger Saunaraum bei 85 °C, speziell für den aufguss konzipiert. Jede Stunde findet eine Veranstaltung statt. Wenn wenig Betrieb ist, darf man den Saunagang auch im Liegen genießen.
Zuerst betrat ich zur Begrüßung die löyly-Sauna. Bei über 100 °C war es erwartungsgemäß sehr heiß – doch dank der durch das löyly erzeugten Feuchtigkeit fühlte sich die Hitze nicht stechend an. Der Raum ist darauf ausgelegt, einen angenehmen Saunagang zu ermöglichen. Kein Fernseher, nur stille Stimmung, perfekt zum Meditieren. Nachdem mein Körper ausreichend erwärmt war und meine Grenzen sich abzeichneten, begab ich mich zum Kaltwasserbad.
Dort floss dasselbe außergewöhnliche Thermalwasser, das mich vorhin so beeindruckt hatte, in luxuriöser Fülle. Nach dem Abspülen des Schweißes umhüllte mich erneut dieses seidig-schmelzende Wasser. Was die Sanftheit angeht, war es vielleicht das Beste, das ich je in meinem Leben gespürt habe. So weich war dieses Wasser. Dazu eine Temperatur von nur 13 °C – empfindlich kalt, und doch stach es dank dieser überwältigenden Geschmeidigkeit nicht in die Haut, sondern fühlte sich schlicht wunderbar an. Das beste Kaltwasserbad, das ich je erlebt habe.
Nach dem Kaltwasserbad ruhte ich mich im eigens dafür vorgesehenen Entspannungsbereich aus. Vor lauter Wohlgefühl konnte ich keinen klaren Gedanken fassen. Wer das ultimative Kaltwasserbad erleben möchte, muss diese Einrichtung unbedingt besuchen.
Im zweiten Durchgang genoss ich die aufguss-Sauna. Die Veranstaltung begann genau zu diesem Zeitpunkt, also nahm ich teil. Der Aufgussmeister legte Musik auf und zeigte eine Handtuchperformance. Mehr als zehn Minuten lang schwang er das Handtuch im Takt der Musik, und in der zweiten Hälfte konnte er die Arme kaum noch heben. Spontan feuerten ihn die anderen Gäste an. Am Ende der Veranstaltung gab es Lob aus allen Richtungen. Auch ich dankte ihm mit einer Stimme, die kaum lauter war als das Summen einer Mücke.
Nach dem aufguss stürzte ich mich wieder in das außergewöhnliche Kaltwasserbad. Was das Kaltwasserbad im Asahiyu Gensen Yuiru so besonders macht, ist nicht nur das verwendete Thermalwasser. Es wurde beim Bau bewusst so angelegt, dass man darin untertauchen kann. Deshalb ist es tief – man kann sich vom Kopf bis zu den Zehen vollständig in dieses erstklassige Thermalwasser versenken. Es gibt nichts Schöneres als ein tiefes, weites Kaltwasserbad. In Kombination mit Thermalwasser von absoluter Spitzenklasse ist es kein Wunder, dass diese Anlage zu den beliebtesten in Kanagawa zählt.
Während ich mich im Entspannungsbereich ausruhte, verlor ich vollständig das Bewusstsein. Ich weiß nicht, wie viele Minuten ich geschlafen hatte – doch als ich wieder zu mir kam, beschloss ich, einen dritten Saunagang einzulegen.
Für den dritten Durchgang kehrte ich in die löyly-Sauna zurück. Ich wollte unbedingt erleben, wie sich ein richtig brutales löyly anfühlt. Ich setzte mich absichtlich auf die oberste Bank und wartete gespannt darauf, dass das löyly beginnt. Dann wechselte die Beleuchtung im Saunaraum – das löyly startete. Eine unglaubliche Menge Wasser ergoss sich über die Saunasteine, als würde jemand einen ganzen Eimer auf einmal ausschütten. Im nächsten Moment brach eine rasende Hitzewelle über den gesamten Raum herein. Es fühlte sich an, als würden Gesicht und Ohren verbrennen – es tat fast schon weh. Das Atmen wurde schwer, und ich geriet in Panik. Sofort kletterte ich von der obersten auf eine untere Bank, um der Notlage zu entkommen. Doch auch unten war die Hitze brutal. Ein so intensives löyly hatte ich noch nie erlebt. Als ich zur obersten Bank zurückblickte, sah ich, dass jemand, der von Anfang an neben mir gesessen hatte, noch immer dort saß – die Arme verschränkt, die Augen geschlossen, mit der ruhigen Ausstrahlung eines Samurai. Inmitten dieser Hitzehölle rührte er sich nicht, ließ die Glut auf sich einprasseln und bewahrte eine Haltung, die noch stärker wirkte als zuvor. Was für eine Stärke. Ich weiß nicht, wer er war – aber er jagte mir ehrlichen Respekt ein, und ich verließ den Saunaraum als Erster.
Noch einmal tauchte ich in das außergewöhnliche Kaltwasserbad – und damit war der heutige Saunatag beendet.