Ich hatte bis ein Uhr nachts in Shinagawa Sauna intensiv geschwetzt und machte mich nun mit leichter Schläfrigkeit auf den Weg in die Präfektur Saitama. Wenn man so spät schlafen geht, fühlt man sich selbst bei gleicher Schlafdauer nicht wirklich erholt. In solchen Fällen hilft nur eines: morgens in die Sauna, um richtig wach zu werden.
Ab heute werde ich für eine Weile in Tokorozawa bleiben. Dort gibt es einige außergewöhnliche Anlagen, die ich schon lange besuchen wollte. Eine davon ist Onsen-Balkon King & Queen, das als eines der größten Spa-Resorts in der Kanto-Region gilt – und genau dorthin bin ich jetzt unterwegs. Vom Bahnhof Ikebukuro stieg ich in die Seibu-Ikebukuro-Linie um und fuhr Richtung Kotesashi. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich nach Tokorozawa fahre, und ohne meine Saunareisen wäre ich wohl niemals an der Station Kotesashi ausgestiegen. Durch die Sauna entdecke ich immer neue Orte und mache immer neue Erfahrungen. Das erfüllt mich mit echtem Staunen.
Von Kotesashi aus fährt ein kostenloser Shuttlebus, in den ich einstieg. Als ich die Anlage betrat, empfing mich ein prachtvoll gestaltetes Inneres – eine weiträumige, hallenartige Atmosphäre, in der man Speisen und Getränke genießen kann. Die Badeanlage befindet sich weiter hinten, doch schon der Gang dorthin ist mit Illuminationen geschmückt, sodass einem das Herz beim bloßen Hindurchlaufen höher schlägt.
Voller Vorfreude zog ich mich um und betrat die Badehalle. Zunächst erkundete ich den Aufbau. Die Anlage ist in einen Innenbereich und einen Außenbereich unterteilt. Im Inneren gibt es ein natürliches Thermalwasser-Kohlensäurebad, einen Whirlpool, eine löyly-Sauna, ein Quellflussbad mit 23 °C, ein Kaltbad mit 8 °C und einen Kryoraum mit -20 °C – allein das wäre schon mehr als genug. Dazu kommt, dass Bäder und Saunen ausgesprochen großzügig bemessen sind, sodass auch bei viel Betrieb kein Gedränge entsteht. Im Außenbereich befinden sich eine Kräutersauna, ein riesiges Kaltbad mit 18 °C, ein natürliches Thermalbad, ein Seidenbad, Topfwannen sowie ein Ruhebereich mit mehr als 20 Stühlen. Der Außenbereich allein hat schon das Format eines vollwertigen Super-Sento und ist zweifelsohne eine der beeindruckendsten Anlagen, die ich je besucht habe.
Ich reinigte mich gründlich und stieg ins Natur-Thermal-Kohlensäurebad. Anlagen, die nur ein reines Kohlensäurebad anbieten, gibt es viele – doch eine, die das natürliche Thermalwasser des Ortes direkt einmischt, ist wirklich selten. Nach wenigen Minuten spürte ich schon, wie sich mein Körper angenehm erwärmte. Ich wechselte direkt ins 23-Grad-Kaltbad, um mich zu kühlen. Da es sich um Thermalwasser handelt, ist es angenehm weich und sehr erfrischend. Ich war noch gar nicht in der Sauna gewesen – und doch hatte ich mich an diesem Punkt bereits in einem wunderbaren Gleichgewicht befunden.
Als erstes gönnte ich mir die Hauptsauna: die Fuji-Lava-löyly-Sauna. Als Saunasteine werden echte Lavasteine vom Fuji verwendet – man spürt förmlich die Energie des Wahrzeichens Japans. Der Saunaraum ist in 7 Stufen aufgebaut und bietet Platz für über 40 Personen. Die Stufenhöhe ist großzügig bemessen, und je höher man sitzt, desto heißer wird es. Im ersten Durchgang setzte ich mich zur Beobachtung in die Mitte – doch selbst dort war es mit über 90 °C bereits beeindruckend heiß. Auf der obersten Stufe dürften es über 100 °C sein; das wollte ich später noch ausprobieren.
Ich setzte mich gemächlich auf die Bank, und schon nach kurzer Zeit war mir klar: Diese Sauna ist außergewöhnlich. Die Sitzflächen sind sehr breit, was einem viel Bewegungsfreiheit lässt – man kann meditieren oder sogar stretchen. Die Saunamatten sind herrlich weich und angenehm. Und sie werden häufig gewechselt, sodass man stets eine saubere Matte vorfindet. Ich konnte sogar beobachten, wie ein Mitarbeiter die Matten wechselte – er legte sie sorgfältig bis in jeden Winkel. Das zeugt von echtem Anspruch. Bei manchen Anlagen geschieht das eher nachlässig, deshalb hat mich diese Sorgfalt wirklich beeindruckt. Auch der Duft im Saunaraum ist wunderbar. Ein Aushang an der Wand erklärt, dass auf die Aromen großer Wert gelegt wird und täglich wechselnde Düfte eingesetzt werden. Zudem ist die Feuchtigkeitskontrolle vorbildlich: Schon nach wenigen Minuten schwitzte ich stark – was an der hohen Luftfeuchtigkeit liegt, die durch regelmäßiges löyly aufrechterhalten wird. Die gute Wärmeleitfähigkeit sorgt für ein effizientes Aufheizen des Körpers. Außerdem ist der Fernseher sehr leise gestellt – eine rücksichtsvolle Geste für alle, die sich voll auf sich selbst konzentrieren möchten. Weil diese Sauna so viele Qualitätsmerkmale vereint, bin ich beim Beschreiben etwas ausführlich geworden. Aber es wird langsam heiß – Zeit fürs Kaltbad.
Als ich aus dem Saunaraum in den Außenbereich trat, empfing mich das riesige Kaltbad mit 18 °C. Man sollte es eigentlich eher als Pool bezeichnen. Es ist ein Kaltbad, das alle Träume eines Saunaenthusiasten erfüllt: Man kann darin schwimmen, tauchen und springen.
Die Tiefe beträgt 2 Meter – für die meisten Menschen zu tief, um den Boden zu berühren. Ich spülte den Schweiß ab und sprang hinein wie in einen See. Der ganze Körper kühlte sich ab, und ich fühlte eine überwältigende Erfrischung und grenzenlose Freiheit. So ein großes Kaltbad hatte ich noch nie erlebt. In ganz Japan dürfte es kaum eine Anlage geben, die ein derart riesiges und erfrischendes Kaltbad bietet.
Nachdem ich das Kaltbad verlassen und mich in den Ruhebereich gesetzt hatte, entfuhr mir unwillkürlich ein: „Das ist der Wahnsinn! Unglaublich gut!" Ich halte mich in der Öffentlichkeit normalerweise zurück – aber bei einer derartigen Euphorie scheint eine Ausnahme erlaubt zu sein. Auch andere Gäste riefen nach dem Kaltbad Dinge wie „Jawohl!" oder „Fantastisch!" – das sagt eigentlich alles über das Erlebnis aus.
Im Ruhebereich verlor ich vollständig das Bewusstsein für die Zeit. Als ich wieder zu mir kam, ging ich zur zweiten Runde – diesmal in die Kräuterdampfsauna. Der Raum war erfüllt vom Duft natürlicher Kräuter, und kaum eingetreten, verspürte ich den unwiderstehlichen Drang, tief einzuatmen – und tat es auch. Ein wunderbarer Duft. Hinzu kommt, dass diese Dampfsauna trotzdem 90 °C erreicht, was sie absolut intensiv macht. Nach etwa 5 Minuten hatte ich meine Grenze erreicht und sprang erneut in das riesige Kaltbad.
Onsen-Balkon King & Queen ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich – das Thermalwasser, die Saunen, alles –, doch das riesige Kaltbad im Außenbereich hat mich wirklich tief beeindruckt. Die Erfrischung dort ist einfach besonders. An diesem Tag absolvierte ich insgesamt 5 Runden Sauna und Kaltbad – und sprang immer wieder in dieses riesige Kaltbad.