Am Vormittag hatte ich im Marukoma Onsen Ryokan, dem ersten Halt meiner Hokkaido-Saunarundreise, bei einem atemberaubenden Blick auf den Shikotsu-See totonou erlebt. Dann fuhr ich zügig weiter nach Date in Hokkaido, wo mich das Midorinokaze Resort Kitayuzawa erwartete.
Auch diese Anlage hatte ich bei meiner Recherche zu Hokkaidos Saunalandschaft zufällig entdeckt – und sofort gewusst: hier muss ich hin. Zwei konzeptionell völlig verschiedene Saunen namens Hamon und Misuji, ein Kaltwasserbad gespeist von kristallklarem Flusswasser aus der Natur, ein Freilichtbad von überwältigender Größe mit natürlichem Quellenüberlauf sowie eine Welt, die von unberührter Natur umhüllt ist – all das hatte mich in seinen Bann gezogen, und ich hatte diesen Besuch kaum erwarten können.
Nach dem Check-in kurz nach 15 Uhr gönnte ich mir zunächst ein Nickerchen im Zimmer. Eine Saunareise zehrt mehr Kraft, als man denkt. Wer tagsüber schläft und sich erholt, kann abends mit voller Energie einsteigen. Nach etwa einer Stunde tiefen Schlafs machte ich mich schließlich auf den Weg zum Großbad.
An diesem Tag war der Saunabereich Hamon für Männer zugänglich.
Schon beim Betreten der Umkleidekabine verschlug es mir den Atem – allein dieser Raum war so geräumig, dass man darin locker ein kleines Sento unterbringen könnte. Weil so viel Platz vorhanden war, musste ich mir keine Gedanken darum machen, anderen Gästen zu nahe zu kommen, und konnte den Spind ganz entspannt nutzen.
Als ich den Badebereich betrat, öffnete sich vor mir ein schier endlos wirkender Raum, in dem sich riesige Becken aneinanderreihten. Allein in ein einziges dieser Becken hätten problemlos mehrere Dutzend Menschen gepasst. Im Innenbad gab es drei riesige Becken mit unterschiedlichen Temperaturen, dazu einen Wasserfall, eine Sauna, ein Kaltwasserbad und einen Erholungsbereich.
Erstaunlicherweise erstreckte sich das Großbad über zwei Stockwerke: Umkleide und Innenbad lagen im zweiten Obergeschoss, über eine Treppe gelangte man ins erste Obergeschoss, wo ein weiteres Innenbad und dahinter das weitläufige Freilichtbad lagen.
Als ich das Freilichtbad erblickte, fehlten mir die Worte. Ein so gewaltiges Freilichtbad hatte ich noch nie gesehen. Eingebettet in die umgebenden Berge und umrahmt vom frischen Grün der Birken auf dem Gelände thronte in der Mitte des Areals ein riesiger Felsbadeteich, in den Onsen-Wasser unaufhörlich einströmte – groß genug für etwa 200 Menschen. Dahinter erstreckte sich der Bereich Mori no Sanpoyu – ein Badeerlebnis mitten im Birkenwald, wo rund 20 verschiedene Duftwässer auf die Gäste warteten.
Allein beim Erkunden des Layouts dieser Anlage war ich von ihrer Fülle überwältigt. Da es ein Wochentagnachmittag war, zählte ich im Großbad gerade einmal etwa zehn Gäste – dieser weitläufige Raum gehörte uns fast allein. Ich bändigte meine aufsteigende Vorfreude und reinigte mich zunächst gründlich.
Für diesen Tag hatte ich mir vorgenommen, die Zeit in zwei Teile zu gliedern: zuerst Onsen, dann Sauna.
Da das Angebot abseits der Sauna so reichhaltig war, wäre es schlicht zu schade gewesen, auf das Bäderwandern zu verzichten.
Zuerst wärmte ich mich im natürlichen Onsen des Innenbades auf, dann ging es hinunter zum Freilichtbad im ersten Stockwerk. Der weitläufige Felsbadeteich gehörte mir ganz allein. Ich watete bis zur Mitte, ließ mich ins Wasser sinken, blickte in den Himmel und schaute in den umliegenden Wald. Eine grenzenlose Weite und Geborgenheit umhüllte mich. Schon allein dieses Badeerlebnis war die Reise mehr als wert. Das natürlich fließende Quellwasser löste die Erschöpfung der Reise sanft auf.
Nach dem Felsbadeteich erkundete ich das Bäderwandern im Birkenwald. Becken mit verschiedensten Duftnoten reihten sich aneinander, und in jedem einzelnen konnte man beim Baden die Baumkronen über sich bestaunen. In Stadtspas findet man manchmal Bäume, die als Dekorationselement in ein Freilichtbad gepflanzt wurden – hier jedoch war es echter Wald. Mit der Natur eins zu werden bedeutet genau das.
Als ich mich schließlich satt an Onsen genossen hatte und in den Saunabereich im zweiten Stockwerk zurückkehrte, waren bereits 45 Minuten vergangen. Inmitten der großartigen Natur Hokkaidos lässt man das Zeitgefühl am besten los. Im Alltag und auch beim normalen Saunabesuch achte ich immer irgendwie auf die Uhr – auf dieser Reise ist das nicht nötig. Einfach ganz und gar in Onsen und Sauna versinken, so lange es sich richtig anfühlt.
Jetzt war es an der Zeit für die Sauna.
Ich öffnete die Tür zur Sauna namens Hamon. Drinnen empfingen mich eine stille, von Schwarz dominierte Dunkelheit und angenehme Wärme. Die Temperatur lag bei etwa 90 °C, doch die Luftfeuchtigkeit war außergewöhnlich hoch. Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen war Selbst-löyly möglich. Zum anderen stand neben dem Saunaofen ein Objekt, das an einen Suikinkutsu erinnerte – einen japanischen Garten-Wasserklangtopf. In eine ausgehöhlte Riesenfelsplatte strömte beständig Quellwasser, lief über und bedeckte den umgebenden Boden mit einem Wasserfilm. Diese Feuchtigkeit sorgte dafür, dass die Luftfeuchtigkeit im Raum auf ideale Weise gehalten wurde.
Dazu blinkte alle 12 Sekunden ein Licht auf, das die Zeit taktete wie Wellenringe, die sich auf einer Wasseroberfläche ausbreiten – und der Anblick des auf den Stein fließenden Wassers hatte etwas zutiefst Stimmungsvolles. Eine Vorrichtung nach dem Vorbild des japanischen Shishi-odoshi – eines Bambuswipps aus Japangärten – war integriert: Wenn sich Wasser ansammelt, kippt das Bambusrohr, lässt das Wasser ab und schlägt beim Zurückschnellen mit einem wohlklingenden „Kakōn“ auf einen Stein. Allein das Hören des Wassergeräuschs und das Betrachten des Wellenring-Lichts versetzten den Geist in tiefe Entspannung. Eine Sauna mit Shishi-odoshi – das war selbst in meiner ganzen Saunalaufbahn eine Premiere.
Nach der Sauna ging es zum Kaltwasserbad. Auch dieses Wasser kam aus der Natur: Es wurde aus dem Quellfluss in der Nähe des Hotels geleitet, und ich ließ mich in das von Hokkaidos Natur geläutertem, klaren Wasser gleiten. Die Wassertemperatur lag bei etwa 18 °C – natürlich schwankend je nach Jahreszeit. In dem Moment, als ich eintauchte, umhüllte mich das Wasser mit einer samtig-weichen Haptik. Kein schneidender Kälteschmerz, sondern ein Kaltwasserbad der Extraklasse, in dem man einfach bleiben möchte. Nachdem ich meinen Körper gründlich abgekühlt hatte, wechselte ich in den Meditationsraum Zen neben der Sauna.
Dieser Bereich für innere Abkühlung brachte ein noch selteneres Erlebnis mit sich.
Ich betrat ein abgedunkeltes Einzelzimmer, das auf etwa 15 °C temperiert war, und legte mich auf einer Matte auf den Rücken. Dann begann aus einer kesselartigen Vorrichtung über mir Wassertropfen auf meine Stirn zu fallen – Tropfen für Tropfen. Die Inspiration stammte aus der indischen Heilmethode Shirodhara. Mit jedem Tropfen, der auf meiner Stirn landete, schienen die Gedanken im Kopf weggespült zu werden, mein Bewusstsein wurde klarer, und ich näherte mich einem Zustand völliger innerer Leere. Ich liebe es, im Regen draußen zu ruhen nach einem Saunagang – und dieses Gefühl kam dem sehr nahe: das sanfte Auftreffen von Tropfen auf einen Körper, der gerade aus dem Kaltwasserbad gestiegen ist. Die Sinne schärften sich, und ich ließ mich in einen Zustand tiefer Meditation gleiten. Wie lange ich dort lag, weiß ich nicht mehr. Die Uhr zu verfolgen hatte ich längst aufgehört.
Langsam richtete ich mich auf und wiederholte den Ablauf für den zweiten und dritten Durchgang – Sauna und Shirodhara-Innenkühlung. Dann beschloss ich, die Saunaaktivitäten vorläufig zu beenden. Ich schreibe „vorläufig“




gegen einen Stein. Allein das Hören des Wassergeräuschs und das Betrachten des Wellenring-Lichts versetzten den Geist in tiefe Entspannung. Eine Sauna mit Shishi-odoshi – das war selbst in meiner ganzen Saunalaufbahn eine Premiere.
Nach der Sauna ging es zum Kaltwasserbad. Auch dieses Wasser kam aus der Natur: Es wurde aus dem Quellfluss in der Nähe des Hotels geleitet, und ich ließ mich in das von Hokkaidos Natur geläutertem, klaren Wasser gleiten. Die Wassertemperatur lag bei etwa 18 °C – natürlich schwankend je nach Jahreszeit. In dem Moment, als ich eintauchte, umhüllte mich das Wasser mit einer samtig-weichen Haptik. Kein schneidender Kälteschmerz, sondern ein Kaltwasserbad der Extraklasse, in dem man einfach bleiben möchte. Nachdem ich meinen Körper gründlich abgekühlt hatte, wechselte ich in den Meditationsraum Zen neben der Sauna.
Dieser Bereich für innere Abkühlung brachte ein noch selteneres Erlebnis mit sich.
Ich betrat ein abgedunkeltes Einzelzimmer, das auf etwa 15 °C temperiert war, und legte mich auf einer Matte auf den Rücken. Dann begann aus einer kesselartigen Vorrichtung über mir Wassertropfen auf meine Stirn zu fallen – Tropfen für Tropfen. Die Inspiration stammte aus der indischen Heilmethode Shirodhara. Mit jedem Tropfen, der auf meiner Stirn landete, schienen die Gedanken im Kopf weggespült zu werden, mein Bewusstsein wurde klarer, und ich näherte mich einem Zustand völliger innerer Leere. Ich liebe es, im Regen draußen zu ruhen nach einem Saunagang – und dieses Gefühl kam dem sehr nahe: das sanfte Auftreffen von Tropfen auf einen Körper, der gerade aus dem Kaltwasserbad gestiegen ist. Die Sinne schärften sich, und ich ließ mich in einen Zustand tiefer Meditation gleiten. Wie lange ich dort lag, weiß ich nicht mehr. Die Uhr zu verfolgen hatte ich längst aufgehört.
Langsam richtete ich mich auf und wiederholte den Ablauf für den zweiten und dritten Durchgang – Sauna und Shirodhara-Innenkühlung. Dann beschloss ich, die Saunaaktivitäten vorläufig zu beenden. Ich schreibe „vorläufig





