Ich schreibe das Fazit zuerst: Es war ein erstklassiges Erlebnis, so hervorragend, dass ich es „göttlich“ nennen möchte.
Nachdem ich die Morgensauna im „Green Wind Resort Kitayuzawa“ beendet hatte, lenkte ich das Auto zu meinem nächsten Ziel. Es ging nach Noboribetsu Onsen, Hokkaidos weltweit gerühmtem „Kaufhaus der heißen Quellen“.
Die Bezeichnung „Kaufhaus der heißen Quellen“ ist wirklich treffend, denn wenn man nachschaut, sprudeln hier tatsächlich neun verschiedene Quelltypen hervor: Schwefelquelle, Salzwasserquelle, Alaunquelle, Glaubersalzquelle, Eisenvitriolquelle, Eisenquelle, saure Quelle, Natronquelle und Radiumquelle. Einen Ort, an dem man in einem einzigen Gebiet so viele heiße Quellen genießen kann, findet man in ganz Japan nur selten. Es ist wahrlich ein Wunderort.
Unter den heißen Quellen von Noboribetsu Onsen fiel meine Wahl dieses Mal auf das Noboribetsu Grand Hotel. Hier kann man drei der neun berühmten Quellen, nämlich Schwefelquelle, Salzwasserquelle und Eisenquelle, alle als echte Quellwasserbecken mit freiem Zulauf genießen. Außerdem kann man dort den unter Saunafans als „extremes Spitzenlevel“ geltenden Hozuki-no-Yu, auf Deutsch etwa „Leuchtlaternen-Bad“, genießen, umgangssprachlich „Oni-Sauna“ genannt. In einem Kaufhaus der heißen Quellen eine erstklassige Sauna zu betreten – schon beim Gedanken daran spannte sich mein Fuß auf dem Gaspedal vor Vorfreude an.
Um 11:30 Uhr kam ich am Noboribetsu Grand Hotel an. Der Beginn des Tagesbadebetriebs ist erst um 12:30 Uhr, also blieb noch etwa eine Stunde Zeit. In solchen Momenten ist eine Reise mit dem Auto wirklich praktisch. Ich klappte den Autositz ganz zurück und ging in den Ruhemodus für ein Nickerchen. Ich musste meine Kräfte vollständig wiederherstellen, um für den bevorstehenden harten Kampf mit der Oni-Sauna gerüstet zu sein. Als ich mit Regengeräuschen als Hintergrundmusik die Augen schloss, wurde ich immer schläfriger und fiel im Nu in die Welt der Träume.
Als ich mit einem Ruck erwachte und auf die Uhr sah, war es 12:28 Uhr. Eine perfekte innere Uhr, wie ich selbst finde. Da ich fast eine Stunde tief geschlafen hatte, war ich in bester Verfassung, voller Energie und Tatkraft. Mit überquellender Kraft stieg ich aus dem Wagen, ging durch den prächtigen Eingang des Hotels und erledigte den Check-in. Auf dem Weg zur großen Badeanlage sah ich hier und da andere Tagesgäste.
Als ich den Umkleideraum betrat, erblickte ich durch das Fenster die Landschaft des Freiluftbads und war von ihrer Schönheit sofort verzaubert. Schon bevor ich herkam, hatte ich auf der Website von der Schönheit des Hozuki-no-Yu gelesen, doch es in echt zu sehen, war überwältigend. Ich wollte so schnell wie möglich dieses Panorama genießen, ins heiße Wasser steigen, in die Sauna gehen und anschließend die Außenluftpause machen. Ich konnte meine Ungeduld nicht länger zügeln und zog mich hastig aus.
Als ich die Badehalle betrat, breitete sich vor mir eine fast heilige, an einen römischen Tempel erinnernde Welt aus. In der Mitte stand eine Statue, darum herum ein riesiges, rundes Becken, und an der Wand reihten sich Becken, in denen man die drei berühmten Quellen Schwefelquelle, Salzwasserquelle und Eisenquelle als Durchlaufbäder genießen konnte. Mit welcher Quellart sollte ich anfangen? Noch nie in meinem Leben hatte ich mich darüber den Kopf zerbrochen, in welche Quelle ich zuerst steigen sollte.
Da die Temperatur niedrig war und ich mich aufwärmen wollte, entschied ich mich zunächst für die Salzwasserquelle. Die Salzwasserquelle gilt als so genanntes „Wärmebad“, weil sie eine hohe Wärmespeicherung besitzt. Wenn man lange in dem Quellbad mit freiem Zulauf sitzt, erwärmt sich der zuvor ausgekühlte Körper allmählich.
Danach ließ ich mich in der Eisenquelle mit freiem Zulauf nieder. Die Eisenquelle hatte sich beim Kontakt mit Luft rotbraun verfärbt, und ein Eisenaroma lag in der Luft, ähnlich wie in Arima Onsen. Es war, als würde man die Energie der Erde direkt über die Haut aufnehmen.
Und die Schwefelquelle genoss ich im Freiluftbad.
Die Welt des Freiluftbads war schlicht atemberaubend. In der Mitte des Waldes flossen ein Wasserfall und ein Fluss, und man konnte mit dem ganzen Körper den Klang des fallenden Wassers und die negative Ionisierung spüren. Außerdem bildeten die hier und da wachsenden Ahornbäume einen schönen Kontrast zum frischen Grün. Vor dem Wasserfall befand sich eine Holzterrasse, auf der man die Außenluftpause machen konnte. Und direkt neben der Holzterrasse gab es ein aus Felsen gebautes Freiluftbad, in das die milchig-weiße Schwefelquelle unaufhörlich einströmte.
Ich wechselte ins Freiluftbad und ließ meinen Körper in die Schwefelquelle sinken. Der unverwechselbare Schwefelgeruch, wie von gekochten Eiern, reizte die Nase, und das Hautgefühl war äußerst sanft. Als ich kurz innehielt, richtete sich meine Aufmerksamkeit auf das Geräusch des Wasserfalls und die schöne Landschaft vor meinen Augen.
Eine schöne Landschaft besitzt eine besondere Kraft. Schon beim bloßen Betrachten beruhigt sich das Herz, man wird positiv gestimmt, und negative Gedanken verschwinden wie von selbst. Wenn dann noch eine erstklassige heiße Quelle hinzukommt, wäre es fast schwieriger, jemanden zu finden, der dabei unglücklich wird. Und wie angenehm das war! Ich hatte schon unzählige Male in Freiluftbädern gebadet, doch ich war überzeugt, hier das bisher höchste Niveau an Quellgenuss und Weltgestaltung meines Lebens zu erleben.
Nachdem ich das Kaufhaus der heißen Quellen in vollen Zügen genossen hatte, war es nun Zeit für die Sauna.
Im Noboribetsu Grand Hotel wechseln die Badebereiche täglich zwischen Damen und Herren. Der eine Bereich ist das Hozuki-no-Yu, in dem ich mich gerade befand, der andere ist das Rindou-no-Yu. Die Hauptattraktion ist ganz klar das Hozuki-no-Yu, und genau dort kann man die bereits beschriebene hervorragende Weltgestaltung und eine Sauna auf höchstem Niveau erleben. Da man das Hozuki-no-Yu im Tagesbadebetrieb nur jeden zweiten Tag nutzen kann, hatte ich meinen Plan sorgfältig darauf abgestimmt, genau an diesem Tag hierherzukommen.
Im Hozuki-no-Yu gibt es zwei Saunen: die Oni-Sauna und die Seiryu-Sauna.
Die Oni-Sauna ist eine im Außenbereich aufgestellte Sauna mit einer Raumtemperatur von 110 °C, die mit ihrer wilden, an die Behausung eines Dämons erinnernden Gestaltung extreme Hitze vermittelt. Beim Auto-Löyly wird sie zu einem glühend heißen Raum. Die Seiryu-Sauna hingegen ist auf etwa 80 °C eingestellt, erfüllt vom Duft von in Hokkaido gewonnener Vihta, also zu Bündeln gebundenen Birkenzweigen, und bietet Selbst-Löyly sowie Selbst-Wiasking. Beide Saunen treffen genau meinen Geschmack, aber ich wollte zuerst mit der als Wahrzeichen geltenden Oni-Sauna beginnen.
Im Moment des Betretens der Oni-Sauna umhüllte mich überwältigende Hitze. Es war eine stechende Hitze, wie ich sie schon im „Sauna Shikiji“ und in der „Oogaki Sauna“ erlebt hatte. Durch das Auto-Löyly war die Luftfeuchtigkeit ebenfalls hoch, also war es einfach nur heiß. Wenn man die Sauna betrachtet, erkennt man ein Design, bei dem der Saunaofen wirkt, als hinge er von der Decke, und das verwendete Holz der Bänke ist wunderschön. Durch das Fenster an der Front kann man einen schönen Wasserfall und den Garten betrachten.
In einer derart heißen Sauna kann man an nichts Überflüssiges denken. Man wird einfach so lange leer, bis der eigene Körper an seine Grenze kommt. Die Augen schließen und nur schwitzen. Diese primitive Handlung fühlt sich großartig an.
Als ich meine Grenze erreicht hatte, verließ ich die Oni-Sauna. Nun war es Zeit für das Wasserbad.
Die Spezialität des Noboribetsu Grand Hotel ist das 150 cm tiefe, riesige „Fass-Wasserbad“, doch leider war es an diesem Tag außer Betrieb, sodass ich stattdessen ein anderes Wasserbad aufsuchte. Ich ließ meinen Körper in das breite Becken sinken, das neben dem Fassbecken installiert ist und in das scheinbar zehn Personen passen. Die Wassertemperatur lag wohl bei etwa 12 °C. Es war herrlich. Auch die Wasserqualität ist erstklassig. Es wird als Durchlaufwasser verwendet, das aus einem Bachwasser stammt, dessen Quelle am nordöstlichen Gebirgshang von Noboribetsu liegt, und man kann die Milde und Frische natürlichen Quellwassers direkt genießen.
Nach dem Wasserbad kam die lang erwartete Außenluftpause.
Ich legte mich vor dem schönen Wasserfall und Garten in einen Stuhl und spürte die Natur mit meinem ganzen Körper. Das Rauschen des Wasserfalls hallte in meinen Ohren wider, und wenn ich tief einatmete, füllte die mit negativen Ionen gesättigte Luft meine Lungen. Der leichte Takt des Regens traf auf meine Haut und verstärkte das Gefühl der Frische noch weiter. Hokkaido, beeindruckend. Das Noboribetsu Grand Hotel, beeindruckend.
Im zweiten Durchgang betrat ich die Seiryu-Sauna.
Wenn die Oni-Sauna mit heftiger Hitze kommt, dann bietet diese hier eine sanfte Wärme. Was ich besonders großartig fand, war der Duft in der Sauna. In dem Moment, als ich die Tür öffnete und eintrat, empfing mich ein wirklich wunderbarer Birkenholzduft. Es war bereits jemand vor mir da, doch ich musste unwillkürlich tief durch die Nase einatmen, den Duft genießen und sogar einen gerührten Seufzer ausstoßen.
Auch die Beleuchtung in der Sauna war eher gedämpft eingestellt, und mit dünn bearbeitetem Holz wurde die Wand von der Decke her bis zur Rückseite bogenförmig gestaltet, um die Zirkulation von Wärme und Dampf zu verbessern. Dadurch ist die Anlage so konstruiert, dass man durch den Aufguss von hinten angenehm warm wird. Eine wirklich durchdachte Sauna. Die heftige Hitze der Oni-Sauna ist ebenfalls großartig, aber persönlich könnte mir die Seiryu-Sauna sogar besser gefallen.
Das Wasserbad nach dem zweiten Durchgang erledigte ich im Innenbad. Direkt nach dem Verlassen der Sauna ist dort stets ein Wasserbecken vorhanden. Auch dieser Laufweg ist perfekt. Es gibt mehrere Wasserbecken, und in allen wird natürliches Bachwasser als Durchlaufwasser angeboten. Wenn es schon Anfang Juni so kalt ist, frage ich mich, wie es wohl im tiefsten Winter wäre. Nein, dann muss ich eben auch im Winter noch einmal kommen.
Wieder stellte ich mich in der erstklassigen Außenluftpause ein, und danach legte ich zwei weitere Durchgänge ein. Die Oni-Sauna und die Seiryu-Sauna genoss ich jeweils noch einmal in einem Durchgang.




Während der Außenluftpause regnete es noch immer ziemlich stark.
Ursprünglich hatte ich geplant, in die Noboribetsu-Onsen-Gegend zu gehen und dort etwas zu essen, doch bei diesem Regen ist es angenehmer, nicht nach draußen zu gehen. Also entschied ich mich, im Café des Hotels zu Mittag zu essen. Ich bestellte ein Set aus Beef Stew und Salat, trank nach dem Essen einen Kaffee und machte eine Pause. Beim Essen musste ich immer wieder an den Blick auf das Freiluftbad, die heftige Hitze und Schönheit der Oni-Sauna, den Duft und die Form der Seiryu-Sauna, die Frische des Wasserbeckens und die höchste Außenluftpause denken, und ich konnte mein Grinsen nicht unterdrücken.
Damit endete mein Aufenthalt im Noboribetsu Grand Hotel.
Nun musste ich mich auf den Weg machen, um mich auf die nächtliche Aktivität vorzubereiten. Das Ziel war bereits klar: ebenfalls ein erstklassiges Onsengebiet in Hokkaido, an dem man erstklassige Sauna genießen kann. Als Nächstes fuhr ich zum Toyako-Onsen. Und der Name der Anlage, in der ich das Onsen und die Sauna am Abend genießen würde, lautet Toyako Manseikaku Hotel Lakeside Terrace.
Von Noboribetsu Onsen nach Toyako Onsen. Eine luxuriöse Hopping-Reise der Extraklasse stand nun kurz davor, zu beginnen.





