Ich gehe in die Sauna und blicke dabei auf den Fuji.
Um diesen Traum zu verwirklichen, bin ich bis zum Yamanakako gekommen. Während ich mir den höchsten Berg Japans, den Fuji, und den Yamanakako ganz für mich allein nahm, ging ich ins Außenbad und in die Sauna, tauchte in ein Kaltwasserbad aus natürlichem Fuji-Wasser ein und trank dieses natürliche Wasser genussvoll. Schon der Gedanke daran lässt mich zittern. Ist so ein Erlebnis wirklich möglich? Ja, das ist es. Im Hotel Mount Fuji.
Und außerdem war ich an diesem Morgen noch im Sauna Shikiji gewesen. An Japans heiliger Sauna-Stätte hatte ich in natürlichem Wasser gebadet, war vom Kräuterdampfsauna-Bereich regelrecht zurückgeschlagen worden und hatte das Wasser dort in vollen Zügen getrunken. Mit diesem Nachhall im Körper machte ich mich auf den Weg zum Hotel Mount Fuji. Sauna Shikiji → Hotel Mount Fuji. Eine unglaubliche Goldroute war gerade dabei, sich zu vollenden.
Vom Bahnhof Shizuoka fuhr ich mit dem Shinkansen bis zum Bahnhof Mishima. Von dort stieg ich in den Fernbus „Kawaguchiko Liner“ und machte mich auf den Weg zum Yamanakako. In Shizuoka war es wolkenlos sonnig, und aus dem Zugfenster war der Fuji klar und deutlich zu sehen. Heute wird er ganz sicher zu sehen sein. Perfekte Bedingungen. Davon war ich überzeugt.
Doch als ich Yamanashi betrat, wurde der Himmel zunehmend unruhig. Als wir Gotemba passierten, war der Fuji nirgends mehr zu sehen. Je näher wir dem Dorf Yamanakako kamen, desto dichter wurde der Nebel. Ich hatte ein ungutes Gefühl. Und in dem Augenblick, als ich ankam, wurde ich mit der Wirklichkeit konfrontiert.
Nicht einmal die Konturen des Fuji waren zu erkennen.
Nun ja, so etwas kann passieren. Ich versuchte mir das einzureden, aber es half nichts. Der Schock war einfach zu groß. Noch ein paar Stunden zuvor hatte ich ihn so deutlich gesehen.
Als ich vom Ufer des Yamanakako zur Anhöhe hinaufblickte, schwebte inmitten des Nebels ein massives Gebäude. Das ist das Hotel Mount Fuji. Ich stieg in ein Taxi um und fuhr den Hang hinauf. Schon von außen vermittelte das Gebäude Geschichte und Würde. Innen herrschte die ruhige Atmosphäre eines Luxushotels. Beim Check-in wurde ich gefragt: „Möchten Sie heute Abend im Restaurant essen?“ Ich lehnte höflich ab. Ich hatte mir am Markt im Bahnhof Shizuoka bereits ein Bento besorgt. Für eine alleinige Saunareise reicht das völlig aus. In einem gehobenen Restaurant ein Menü zu genießen, ist etwas für die Zeit, wenn man mit jemandem zusammen ist.
Ich wurde in mein Zimmer geführt. Eigentlich hätte sich hinter dem Fenster ein Panoramablick auf den Fuji und den Yamanakako ausbreiten sollen. Den Yamanakako konnte ich noch gerade so erkennen. Doch vom Fuji war nicht einmal ein Schatten zu sehen. Nebel und Bewölkung verschlangen alles. Im Gegenteil, meine Vorstellungskraft wurde nur noch größer. Wie gewaltig müsste die Aussicht hier sein, wenn das Wetter klar wäre? Wird es nicht vielleicht in einiger Zeit aufklaren? Vielleicht verschwindet der Nebel, während ich im Onsen bin? Solche optimistischen Gedanken hatte ich nur im Kopf.
Was man nicht sehen kann, kann man eben nicht ändern. Ich beschloss, Onsen und Sauna trotzdem mit voller Kraft zu genießen.
Zuerst ging ich zum „Hanare no Yu“. Das ist ein Badebereich mit ausschließlich Außenbecken. In dem Moment, als ich hinaustrat, sprang mir die Landschaft des Yamanakako durch den Nebel ins Auge. Selbst im dichten Nebel wurde die Größe des Sees deutlich spürbar. Wenn es klar wäre, müsste der Fuji jenseits dieses Sees aufragen. Das ist zweifellos ein Bad mit unglaublicher Aussicht. Das stand für mich fest. Während ich den in Nebel gehüllten Yamanakako verschwommen betrachtete, tauchte ich langsam in das natürliche Thermalwasser ein. Auch ohne Sicht war es ein Luxus, einfach nur hier zu sein.
Nun zum eigentlichen Höhepunkt. Ich machte mich auf zum „Mantensei no Yu“.
In dem Moment, als ich den Umkleideraum betrat, empfingen mich Sauberkeit und ein angenehmer Duft. Das Personal kommt regelmäßig zum Reinigen, und auch die Schließfächer und der Boden sind stets gepflegt. Allein das zeigt die Qualität der Anlage. Im Badebereich waren nur drei Personen. Eine derart erstklassige Einrichtung fast für sich allein nutzen zu können, ist äußerst glückverheißend.
1. Runde. Zur löyly-Sauna.
Als ich die Tür öffnete, thronte dort ein Metos-iki-Ofen. Es gibt keinen Fernseher. Das Licht ist gedämpft, und ein dunkel-modernes Ambiente breitet sich aus. In der Sauna bin nur ich allein. Ich setzte mich auf die Bank und ließ einen Laut hören.
„Aaah, wie angenehm. Großartig.“
Wenn ich allein bin, spreche ich es laut aus. So mache ich das. Wenn ich es in Worte fasse, steigt die Stimmung noch eine Stufe höher. Da niemand da ist, muss ich mich nicht zurückhalten. Ich schloss die Augen und ging in die Meditation. In der Stille begann meine ganz eigene Zeit. Nach einer Weile setzte die automatische löyly zu. Natürliches Fuji-Wasser wurde auf den Ofen gegossen, und Dampf erfüllte die Sauna. In einer Ecke der Decke gibt es eine leichte Rundung, wodurch die Dampfkonvektion hervorragend ist. Die Hitze umhüllte den ganzen Körper gleichmäßig. Ich spürte, wie sich meine Poren schlagartig öffneten.
Die Grenze war erreicht. Ich ging zum Wasserbad.
In einer Einzelwanne fließt natürliches Fuji-Wasser als Überlauf. Da ich das Bad für mich allein hatte, tauchte ich ohne zu zögern meinen ganzen Körper ein. Die Hitze wich langsam aus meinem Körper. Es fühlte sich wie etwa 13 Grad an, aber es war völlig anders als Leitungswasser. Es sticht nicht. Eine weiche, umhüllende Kälte. Dieses Gefühl kann man nur in einem Kaltwasserbad mit natürlichem Wasser erleben.
Und dann das gewohnte Ritual. Ich hielt die Hand unter das aus dem Hahn strömende natürliche Wasser und trank es direkt. Süß. Am Morgen natürliches Wasser im Sauna Shikiji, und am Abend natürliches Wasser im Hotel Mount Fuji. Gibt es einen luxuriöseren Tag mit Wasser als diesen? Der Segen des Fuji drang von außen und von innen in meinen Körper ein.
Ich stieg aus dem Wasserbad und ließ mich in einen Stuhl im Außenbereich fallen. Ich blickte in den Himmel. In die Richtung, in der der Fuji zu sehen sein müsste. Nichts zu sehen. Der Nebel bedeckte alles wie eine dicke Wand. Dieser gewaltige Berg muss zwar ganz sicher dahinter sein. Ich wurde von dem Impuls gepackt, ihn einfach mit aller Kraft wegzupusten, doch gegen das Wetter kann man nichts machen. Vielleicht bedeutet das, dass ich noch einmal herkommen soll.
2. Runde. Ich ging zur Self-löyly-Sauna im Außenbereich. In die Sauna gehen und dabei den Fuji betrachten. Das ist die größte Attraktion dieser Anlage. Natürlich war der Fuji an diesem Tag nicht zu sehen. Außerdem gibt es in dieser Außensauna kein Wasserbad, sodass man zurück zum Badebereich gehen muss. Der Weg ist ungünstig. Kein sichtbarer Fuji, kein nahegelegenes Wasserbad. Unter diesen Bedingungen hatte es wenig Sinn, hier auszuharren. Nach wenigen Minuten gab ich auf und kehrte in die löyly-Sauna zurück.
Als ich die 3. Runde erreichte, war es bereits vollständig Nacht geworden. Hier ist der Yamanakako. Die Höhe ist beträchtlich, und die Luft ist klar. Bei gutem Wetter hätte sich über uns ein Sternenhimmel in voller Pracht ausgebreitet. Wie es dem Namen „Mantensei no Yu“ entsprechend sein müsste, gibt es hier eigentlich eine solche Landschaft. Heute Nacht ist auch dieser Sternenhimmel nicht zu sehen. So ärgerlich es ist, gegen das Wetter kann man nichts tun. Ich betrat ein letztes Mal die Sauna, trank im Wasserbad natürliches Wasser, und so beendete ich die Saunatätigkeit dieses Tages.