Die wunderschöne Landschaft inmitten der Natur lässt sich nicht künstlich erschaffen.
Man kann weder ein Meer hinstellen noch einen Berg. Die majestätische Natur, die seit Urzeiten dort existiert, ist allein dadurch etwas Besonderes. Während ich in der Sauna sitze und diese Landschaft betrachte, denke ich, dass das eine Möglichkeit ist, die Gaben der Erde unmittelbar zu spüren.
Tag drei der Saunareise. Ab heute geht es in die Präfektur Nagano.
In Shizuoka und Yamanashi war ich vom natürlichen Quellwasser des Fuji gesegnet worden: das heilige Wasser von Sauna Shikiji, das Vanadiumwasser von Hotel Mount Fuji und Fujiyama Onsen, das mit Thermalwasser gemischte Wasserbad von Yorimichi no Yu. Überall war das Wasser außergewöhnlich gut. In Nagano warteten die Gaben der Nordalpen und des Tateshina-Berges auf mich.
Als ich morgens in einem Businesshotel in der Nähe des Bahnhofs Otsuki aufwachte, war der Himmel strahlend blau. Beim Spaziergang entdeckte ich hangaufwärts etwas, das wie ein Schrein aussah. Ich beschloss, ein Stück hinaufzugehen, doch die Steigung war beträchtlich. Für einen Körper, der gerade erst aufgestanden ist, eine echte Herausforderung. Doch als ich mich kurz umdrehte, verschlug es mir den Atem. Der Fuji war deutlich zu sehen. Der Berg, der vorvorgestern beim Hotel Mount Fuji keinen Millimeter sichtbar war, zeigte sich nun hier. Ein gutes Omen für den Morgen.
Vom Bahnhof Otsuki stieg ich in den Azusa 3 und fuhr Richtung Chino in der Präfektur Nagano. Durch das Zugfenster zogen der Fuji und die Südalpenwelt vorbei. Auch die Fahrt selbst war eine bereichernde Zeit. Am Bahnhof Chino angekommen, wechselte ich in den Linienbus Richtung Shirakaba-See. Nach etwa 30 Minuten Fahrt näherte ich mich meinem Ziel.
Der Shirakaba-See tauchte vor mir auf.
Unter dem strahlend blauen Himmel glitzerte die Seeoberfläche. Auf den Berggipfeln lag noch Schnee. Gleich würde ich in der Sauna sitzen und diese atemberaubende Aussicht auf den Shirakaba-See genießen. Ich stieg an der Haltestelle Higashi-Shirakaba-ko aus und trat durch das Tor des Shirakaba Resort Ikenotaira Hotels.
Von einer imposanten Fassade empfangen, betrat ich das Innere, das von zahlreichen Gästen belebt war. Der Tagesbadebereich öffnet um 11:30 Uhr. Ich gehe immer zur Öffnungszeit – so verbringe ich meine Zeit fernab des Gedränges. Mein persönliches Prinzip. Ich kaufte am Automaten ein Ticket und trat ein: Dort empfing mich die Yusagari-Lounge. Eine Bartheke, an der man das Quellwasser des Tateshina-Berges trinken kann, Liegestühle, ein Lesebereich und Massagesessel. Durchs Fenster sah man Menschen auf der Skipiste am Hang. Nach einem kurzen Rundgang machte ich mich auf den Weg zum Männerbad Kino no Yu.
Der Umkleideraum war makellos sauber. Es gab eine Toilette nur für Familien mit Kindern und eine Dusche für zwei Personen. Ein durchdachtes Konzept für Familien mit kleinen Kindern.
In der Badeanlage erstreckte sich ein großzügiger Raum, üppig gestaltet mit Kiso-Hinoki-Zypressenholz. Das Innenbecken war außergewöhnlich weitläufig – so großzügig sieht man selten. Besonders interessant: Im Becken selbst befindet sich eine Tür zum Außenbereich. Man kann also, noch im Wasser sitzend, ins Freie gelangen – ein ungewöhnliches Design. Sowohl das Innenbad als auch das Außenbad nutzen die natürliche Thermalquelle von Tarugasawa Onsen, und man kann darin liegen, während man auf den Shirakaba-See blickt. Ein Anblick zum Dahinschmelzen.
Erste Runde. Ich wärmte mich im Thermalwasser auf, den Blick auf den Shirakaba-See, und begab mich dann in die Sauna. Vollständig aus Holz, Platz für etwa 8 Personen, kein Fernseher. Es gibt eine einzige Liegeposition. Da ich natürlich allein war, nutzte ich sie ohne zu zögern. In der Sauna zu liegen ist wirklich ein Hochgenuss – ich versuche es so oft wie möglich.
An der Wand der Sauna entdeckte ich aufgeklebte Birkenrinden. Als ich mein Gesicht annäherte, kitzelte der süße, typische Birkenduft meine Nasenschleimhaut. Wohltuend. Während ich entspannt lag, setzte die automatische löyly ein. Das Quellwasser des Tateshina-Berges wurde auf die Saunasteine gegossen, und hochwertiger Dampf stieg auf. Die gefühlte Temperatur schoss sofort in die Höhe.
Zur Kaltbadewanne. Frisches Tateshina-Quellwasser im Durchlauf. Wassertemperatur: 13 °C. In dem Moment, als ich eintauchte, durchströmte mich eine klare, frische Kälte. Anders als die weiche Textur des Fuji-Quellwassers in Yamanashi – leichter, schärfer auf der Haut. So ist also das Wasser des Tateshina-Berges. Wechselt der Ort, wechselt das Wasser. Dann bewegte ich mich in den Außenluftbereich. Ich atmete tief die frische Luft am Shirakaba-See ein. Im natürlichen Thermalwasser mit Blick auf den Shirakaba-See eingeweicht, im Birkenduft der Sauna aufgewärmt, vom Tateshina-Quellwasser knackig erfrischt. Das, denke ich, ist es, was man als Erneuerung der Lebensgeister bezeichnet.
Bis hierhin war es schon ein überragender Genuss. Doch im Koten no Yu des Shirakaba Resort Ikenotaira Hotels wartet noch mehr. Der gemischtgeschlechtliche Saunabereich Ku. Ein Panorama-Sauna mit Blick auf den Shirakaba-See, ein Kaltbad aus trinkbarem Tateshina-Quellwasser, ein Außenluftbereich zum Erholen mit Seeblick und ein Infinity-Außenbad. Das Hauptgericht des Tages hatte noch nicht begonnen.
Ich wechselte im Männerbad in den Badeanzug und begab mich in den gemischtgeschlechtlichen Bereich. Ich stieg die Treppe hinauf ins Obergeschoss, und sofort fiel mir das Kaltbad mit Tateshina-Quellwasser ins Auge. Von oben rauschte Wasser wie ein Wasserfall hinein. Wassertemperatur: 12 °C. Später würde ich ausgiebig darin verweilen.
Ich schritt den Gang entlang und öffnete die Tür zur Sauna.
Es verschlug mir den Atem.
Hinter Glas erstreckte sich das atemberaubende Panorama des Shirakaba-Sees. Die Bänke waren in geschwungenen Linien entworfen, die an Bergwellen erinnern, und von jedem Sitzplatz aus hatte man den See direkt vor Augen. Man hatte das Gefühl, auf dem See zu schweben und dabei zu saunieren. Drei Saunaöfen standen darin, Temperatur 90 °C. Selbst-löyly war möglich – an diesem Tag war duftendes Zitronenwasser bereitgestellt.
Ich konnte kaum glauben, dass man diese Aussicht genießen und gleichzeitig in der Sauna sitzen kann.
Glücklicherweise war ich auch hier wieder allein. Sowohl in der Sauna als auch im Kaltbad – stets nur ich. Kein Zögern nötig.
„Einfach unglaublich!„
Ein Ausruf entfuhr mir. Vor dieser Aussicht zu schweigen wäre unmöglich. Ich goss selbst auf und ließ Zitronenduft durch den Raum ziehen, schwitzte mit Blick auf den Shirakaba-See. Was für ein Luxus.
Als ich an meine Grenzen kam, sprang ich ins Kaltbad. Ich hielt die Hand unter das wie ein Wasserfall herabstürzende Tateshina-Quellwasser und trank davon. Kalt und süß. Das 12 °C kalte Quellwasser kühlte meinen ganzen Körper.
„Oh, was für ein Gefühl!„
Schon wieder ein Ausruf. Nicht mehr zu stoppen.
Im Außenluftbereich reihten sich Liegen neben dem Infinity-Außenbad auf, das den Shirakaba-See in voller Pracht zeigte. Als ich mich in die Liege fallen ließ, hatte ich das Gefühl, in eine andere Welt eingetreten zu sein. Die Seeoberfläche glitzerte, die Bergsilhouette verschmolz mit dem Himmel. Ich war wie betäubt und konnte eine Weile nicht aufstehen. Ich blieb einfach dort, bis von innen eine Stimme sagte: „Los, noch eine Runde.„
Dritte, vierte, fünfte Runde. Jedes Mal wenn ich in die Sauna ging, zog mich der Anblick des Shirakaba-Sees in seinen Bann. Ich dachte, jetzt ist die letzte Runde. Aber dann wollte ich diese Aussicht doch noch einmal sehen. Dieses Gefühl gewann jedes Mal. Am Ende absolvierte ich an diesem Tag 6 Runden. Der Anblick des Shirakaba-Sees war zu schön, Sauna und Kaltbad zu wohltuend – ich konnte einfach nicht aufhören.