Auf einer Saunareise passieren durch unwiderstehliche Impulse immer wieder ungeplante Dinge.
Man landet in Einrichtungen, die man ursprünglich gar nicht besuchen wollte. Auch wenn man versucht, nach Plan vorzugehen, reagiert der Körper einfach von selbst. Genau das passierte mir an diesem Tag mit dem Yunohana Sento Zuisho Matsumoto-kan.
Nach einer Morgensauna und einem Frühstück im Shinshu Kenko Land fuhr ich vom Bahnhof Murai zum Bahnhof Matsumoto. Der letzte Tag der Reise. Das eigentliche Ziel des Tages war Ringo no Yuya Obu~. Das Zuisho Matsumoto-kan wollte ich nur kurz im Vorbeigehen von außen ansehen, um die Atmosphäre zu erspüren. Ich hatte bereits Informationen darüber, dass hier kontinuierlich natürliches Grundwasser aus den Nördlichen Japanischen Alpen in ein riesiges Kaltwasserbecken fließt. Es hatte mich interessiert. Aber mein Plan war, wirklich nur das Äußere zu betrachten und weiterzugehen.
Als ich am Bahnhof Matsumoto ankam, ragten die Nördlichen Japanischen Alpen unmittelbar vor mir auf. Eindrucksvoll. Das berühmte Kamikochi liegt dahinter. Ich betrachtete die majestätischen Berge und machte mich auf den Weg zum Zuisho Matsumoto-kan.
Ich stand vor dem Gebäude. Vor der Kulisse der Nördlichen Japanischen Alpen fiel mir sofort die Fassade ins Auge, die an ein traditionelles Onsen-Ryokan erinnerte.
In diesem Moment hatte ich den Vorhang durchquert, noch bevor ich darüber nachdenken konnte.
Mein Körper handelte von selbst. Das Kaltwasserbecken mit durchfließendem Grundwasser aus den Nördlichen Japanischen Alpen lag hinter diesem Vorhang. Das wissend, konnte ich es mir nicht erlauben, einfach vorbeizugehen. Das ist der eigentliche Genuss einer Saunareise. Ungeplante Begegnungen können manchmal die schönsten Erlebnisse bringen.
Obwohl es noch morgens war, waren schon einige Leute da. An Wochenenden öffnet das Bad offenbar bereits um 6 Uhr morgens – vielleicht sind die Menschen hier besonders gern früh im Bad. Ich holte mir am Empfang ein Leihhandtuch und begab mich in den großen Badebereich. Das Innere war ausgesprochen sauber und gepflegt.
Als ich den Baderaum betrat, war er größer als erwartet. Im Innenbereich reihten sich eine Hochtemperatursauna, das berühmte Kaltwasserbecken mit Grundwasserzufluss, ein Felsenbad mit Wasser aus der Kamiyamada Onsen sowie ein Whirlpool aneinander. Im Außenbereich gab es Bottichbäder, einen Ruhebereich, ein weiteres Kaltwasserbecken mit Grundwasserzufluss und eine Niedrigtemperatursauna. Eine beeindruckende Auswahl.
Ich reinigte mich und wärmte meinen Körper im Kamiyamada Onsen im Innenbereich auf. Das wohltuende Gefühl des natürlichen Thermalwassers breitete sich im ganzen Körper aus. Dann ging ich in die Hochtemperatursauna. Es war eine Infrarot-Gassauna, im Fernsehen lief gerade das nationale Frühjahrsgymnasium-Baseball-Turnier. Mit einem Blick auf die leidenschaftlichen jungen Spieler wärmte ich meinen Körper gemächlich auf.
Als ich meine Grenzen erreichte, sprang ich ins Kaltwasserbecken.
Ehrlich gesagt hatte ich nicht erwartet, dass ein Kaltwasserbecken so wunderbar sein könnte.
Breit. Tief. Wassertiefe 110 cm. Mit enormer Kraft fließt das Grundwasser aus den Nördlichen Japanischen Alpen ununterbrochen durch. Und das Schild: „Tauchen erlaubt." Zögernd tauchte ich ohne zu überlegen unter. Vom Scheitel bis zu den Zehen wurde ich vom natürlichen Wasser der Nördlichen Japanischen Alpen umhüllt. In dem Moment, als ich den Kopf wieder an die Oberfläche brachte, durchströmte mich ein Gefühl vollkommener Erfrischung. Breite, Tiefe, Wasserqualität, Temperatur. Alles ist auf erstklassigem Japan-Niveau.
Wenn dieses Badehaus in der Nähe meines Hauses wäre, würde ich jeden Morgen und Abend hingehen. Ich beneide die Bewohner von Matsumoto von Herzen. Wer Kaltwasserbecken liebt, sollte es einfach einmal ausprobieren und sich selbst überzeugen.
Nach dem Verlassen des Kaltwasserbeckens ging ich in den Außenbereich und ließ meinen ganzen Körper in einen Ruhelstuhl sinken. Das Gefühl der Frische hielt ewig an. Auch in meinem Wohnort gibt es Saunen und öffentliche Bäder, aber auf so angenehm kühles Wasser trifft man dort nicht oft. Ich muss ernsthaft über einen Umzug nach Matsumoto nachdenken.
Zweite Runde. Eigentlich möchte ich ungefähr zehn Runden machen, aber das nächste Ziel wartet bereits. Das hier ist die letzte Runde. Gerade weil es nur wenige Runden sind, sollte ich nichts verschwenden und die Vorzüge des Wassers in jedem Tropfen in mich aufnehmen.
Ich betrat die Hochtemperatursauna. Zwar handelt es sich um eine Gassauna mit Infrarotstrahlung, aber die Luft ist überhaupt nicht trocken. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, es brennt nicht auf der Haut, und man kommt auf eine angenehm leichte Weise ins Schwitzen. Vielleicht wird diese Luftfeuchtigkeit bewusst reguliert.
Ich erhitzte meinen Körper bis an die Grenze und ging erneut ins Kaltwasserbecken. Ich tauchte meinen ganzen Körper in das erlesene Wasser der Nördlichen Japanischen Alpen und ging natürlich auch mit dem Kopf unter. Dann trieb ich auf dem Wasser. Was für ein unglaubliches Gefühl. Dabei wollte ich doch eigentlich nur kurz einen Blick auf die Atmosphäre werfen und einfach vorbeigehen. Dass mich so etwas erwarten würde. Es war wirklich gut, dass ich gekommen bin.
Nach zwei Runden war abrupt Schluss. Es fiel schwer, zu gehen. Es fiel wirklich schwer. Ich hätte noch mindestens fünf weitere Runden machen wollen. Aber wenn ich hier herumtrödelte, würde ich das nächste Bad nicht rechtzeitig erreichen. Auf einer Saunareise braucht man auch diese Entschlossenheit.